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Türkei: 35 Journalisten sollen wegen App-Nutzung in Haft

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Messenger-App ByLock  

Mit dieser App jagt Erdogan "Oppositionelle"

10.08.2017, 20:24 Uhr | AFP

Türkei: 35 Journalisten sollen wegen App-Nutzung in Haft . Der türkische Präsident Recep Erdogan (AKP) verfolgt Oppositionelle mithilfe einer App. (Quelle: imago)

Der türkische Präsident Recep Erdogan (AKP) verfolgt Oppositionelle mithilfe einer App. (Quelle: imago)

Der türkischen Regierung dient ByLock als zentraler Beweis gegen Anhänger der Gülen-Bewegung: Wer die Messenging-App auf seinem Smartphone hat, gehört aus Sicht von Ankara zur verbotenen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen.

Die Gülen-Bewegung wird von der Regierung für den gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich gemacht und als "Terrororganisation" eingestuft.

Zehntausende Menschen wurden in der Türkei inzwischen wegen der angeblichen Nutzung von "ByLock" festgenommen. Auch der türkische Amnesty-Direktor Taner Kilic und der UN-Richter Aydin Sefa Akay wurden inhaftiert, weil sie "ByLock" genutzt haben sollen.

Viele bestreiten, die App aktiv genutzt zu haben oder zur Gülen-Bewegung zu gehören. Ob die türkischen Gerichte den Besitz der App als ausreichenden Beweis für die Mitgliedschaft in der als "Terrororganisation" eingestuften Bewegung gelten lassen, werden die Prozesse in den kommenden Monaten zeigen.

Der Prediger Fethullah Gülen in seinem Haus im US-Staat Pennsylvania. (Quelle: imago)Der Prediger Fethullah Gülen in seinem Haus im US-Staat Pennsylvania. (Quelle: imago)

Der Wert des Programms ist umstritten

Der Wert des Programms als Beweis für eine Mitgliedschaft in der Gülen-Bewegung ist jedoch höchst umstritten. Nach Angaben der türkischen Behörden wurde die App speziell für die Gülen-Bewegung entwickelt, um ihren Mitgliedern zu erlauben, verschlüsselt miteinander zu kommunizieren.

Demnach war die Software nicht frei im Internet erhältlich, sondern wurde nur persönlich innerhalb der Gülen-Bewegung weitergegeben.

ByLock arbeitet anders als WhatsApp

Anders als bei dem beliebten Messenger WhatsApp reichte es bei "ByLock" nicht, die Telefonnummer eines Nutzers zu kennen, um mit ihm kommunizieren zu können. Vielmehr war dafür dessen persönliche ID-Nummer nötig. Allerdings war die App auch im Internet frei verfügbar. So konnte sie ab September 2014 im Apple App Store sowie ab März 2015 im Google Play Store frei heruntergeladen werden.

Nach Angaben des IT-Experten Alper Basaran wurde die App später zwar von beiden Firmen wieder aus dem Angebot genommen; aber noch heute sei die Software im Internet zu finden. Breitere Bekanntheit scheint die App dennoch nicht gefunden zu haben. Viele Nutzer hatten von "ByLock" noch nie gehört, bevor die App nach dem Putschversuch vor einem Jahr zum Thema wurde.

Die Oberfläche des Messengers "ByLock" auf dem iPhone. (Quelle: Hersteller/ByLock)Die Oberfläche des Messengers "ByLock" auf dem iPhone. (Quelle: ByLock/Hersteller)

"90 Prozent der Nutzer sind Gülen-Anhänger"

Der Patenthalter der App, David Keynes, bestätigte in einem Interview mit der türkischen Zeitung "Hürriyet" im Oktober 2016, dass "90 Prozent" der Nutzer Anhänger Gülens gewesen seien. Der türkischstämmige US-Bürger gab an, dass ein früherer Mitbewohner in Portland mit dem Decknamen "Fuchs" die Software entwickelt habe. Und "Fuchs" habe zur Gülen-Bewegung gehört.

Allerdings sagte Keynes, dass "ByLock" seit Januar 2016 nicht mehr im Einsatz gewesen sei und daher auch keine Verwendung zur Planung des Putschversuchs gefunden haben könne. Laut der IT-Sicherheitsexpertin Eva Galperin von der "Electronic Frontier Foundation" gaben die Gülen-Anhänger die App damals auf, weil sie realisiert hatten, dass sie vom türkischen Geheimdienst MIT gehackt worden war.

Experte: ByLock ist keine sichere App

Der Geheimdienst war im Mai 2015 in den "ByLock"-Server in Litauen eingedrungen und hatte nach eigenen Angaben 100.000 der mehr als 215.000 Nutzer identifizieren können. Nach Angaben von Experten war bei "ByLock" zwar die Kommunikation zwischen den Nutzern verschlüsselt, doch waren auf dem Server ihre Daten leicht zugänglich. Galperin urteilt daher wie andere Experten, dass "ByLock" keine sichere App war.

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