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Faszination Jagd

28.07.2015, 12:18 Uhr | Uwe Kauss/Redaktion - wanted.de

Faszination Jagd. Faszination Jagd - eine uralte Hahnflinte. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Faszination Jagd - eine uralte Hahnflinte. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Am frühen Morgen durch die unberührte Wildnis streifen, die Silberbüchse über der Schulter: Diesen Jugendtraum haben früher die Filme und Romane um Winnetou und Old Shatterhand ausgelöst. Wer ihn selbst erleben will, braucht dazu nicht in den Wilden Westen. Sondern einen Jagdschein und die richtige Ausrüstung. wanted.de hat sich vom erfahrenen Jäger und Förster Manfred Eckhardt die uralte Tradition erklären lassen.

Foto-Serie mit 13 Bildern

Die Jagd gehört zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. Heute verbinden die meisten damit ein Ereignis des britischen Adels: Man trifft sich mit der weit verzweigten Verwandtschaft im Schloss, legt traditionelle Kleidung aus bestem Stoff an.

Jagdfieber in freier Natur

Schließlich präpariert der Gentleman die Jagdwaffen, leint die aufgeregten Hunde an und geht hinaus ins Gelände, das sich selbstverständlich im Familienbesitz befindet. Jagdfieber in der freien Natur. Am Abend wird im großen Saal getafelt, über alte Gewehre gefachsimpelt, Klatsch sowie Jägerlatein ausgetauscht und Whisky getrunken. So weit, so romantisch. Wenn Manfred Eckhardt diese TV-Klischees hört, muss er schmunzeln. Denn Eckhardt ist seit vielen Jahren Jäger und Förster.

Er gehört zur Leitung des hessischen Landesbetriebs Hessen-Forst, der über 330.000 Hektar Wald und Natur bewirtschaftet und auf 240.000 Hektar für die Jagd verantwortlich ist.

"Für uns ist das kein elitäres Privileg, sondern ein gesellschaftlicher Auftrag, zu dem sehr viel Naturschutz gehört", betont er. Denn natürliche Feinde fehlen dem Wild, vor allem Wildschweine vermehren sich dank des starken Anbaus von Mais für Biodiesel rasant. Bei Füchsen ist es ähnlich, da etwa in Luxemburg die Jagd verboten ist - und nun sind nach Warnung von Jagdverbänden Bodenbrüter wie Kiebitz, Rebhuhn oder Brachvogel in Gefahr.

"Jagd wird in Deutschland niemals einen Bestand an Wildtieren gefährden. Uns werden Quoten erteilt, die wir streng einhalten." Doch die Jagd hat viele Gegner - viele Initiativen wollen nur eines erreichen: Sie umgehend abschaffen. Doch das steht hier derzeit nirgends zur Debatte. Für Pazifisten sorgen vor allem die Waffen für Aufregung - dabei sind auch sie historisches Kulturgut. >>

Manfred Eckhardt geht regelmäßig mit einem seltenen, 100 Jahre alten Drilling auf den Hochsitz, das ist eine Waffe mit drei Läufen, meist sind dies zwei für Schrotladungen und einer für eine Patrone. Für Eckhardt sei das jedes Mal ein besonderes Ereignis mit hohem Respekt vor der Natur. Und hohem handwerklichem Faktor: Viele Waffen seien handwerkliche Kunstwerke mit gravierten Mustern, edlen Hölzern und hochpräziser, zeitloser Mechanik.

Einen großen Schrank voller Gewehre braucht kein Jäger: "Viele besitzen nur wenige Waffen, meist dabei ist eine Repetierbüchse". Damit lassen sich mehrere Schüsse ohne Nachladen abgeben, die neue Patrone wird durch Zurückziehen des sogenannten Kammerstängels aus dem Magazin in den Lauf geführt. "Solide Modelle sind schon ab etwa 700 Euro zu haben", sagt Eckhardt. Dazu kommt das Zielfernrohr – ein hochpräzises und lichtstarkes etwa von Swarovski, Leica oder Zeiss kostet bis zu 2500 Euro. Leuchtpunkt-Zielgeräte eignen sich zum schnellen Schießen, denn sie zeigen aus jedem Blickwinkel das Ziel an.

Edle Jagdwaffen von Heym, Beretta, Borovnik Der Maßstab dabei ist: "Man muss auf 100 Metern Distanz ein Zwei-Euro-Stück treffen." Das schaffen dank Ziel-Fernrohr selbst Anfänger, da die Büchse bei der Jagd aufgelegt wird. Viele Jäger setzen zudem leichte Kipplaufbüchsen ein. Bei ihnen wird der Lauf zum Nachladen gekippt – es ist also nur jeweils ein Schuss möglich, bei der Doppelbüchse sind es zwei. Wohlhabende Jäger investieren für edel hergestellte Gewehre viel Geld – und die erinnern stark an die Büchsen im Jugendroman. Die 150 Jahre alte Manufaktur Wilhelm Heym in Franken etwa fertigt edle Einzelstücke mit feinsten Verzierungen und Ornamenten, mit traditionellen Jagdmotiven und aufwändig gravierten Reliefs für 70.000 Euro. Weitere renommierte Hersteller mit langer Handwerkstradition sind beispielsweise Ludwig Borovnik aus Österreich, Krieghoff, Streitmeier, Blaser, Merkel und Beretta aus Italien. Die Fabbrica d’Armi Pietro Beretta wurde 1526 erstmals in einer Urkunde erwähnt und gilt als der älteste Waffenhersteller der Welt. Ihre luxuriösen Jagdwaffen sind ab etwa 60.000 Euro zu bekommen. Ein Jagdschein kostet Zeit und Geld

Wer sich den Jungstraum erfüllen will, lässt sich zum Jäger ausbilden. Das dauert bei einem Jagdverein oder einer privaten Schule zwischen einem halben und einem Jahr und kostet zwischen 2000 und 3000 Euro. Vor der Zulassung zur staatlichen Prüfung ist eine festgelegte Stundenzahl an Theorie

zu allen Aspekten der Jagd zu absolvieren. Dann folgen ein Test mit Gesetzeskunde und eine separate Schießprüfung. Doch ihr Bestehen ist noch keine ewige Lizenz zur Jagd, betont Manfred Eckhardt: "Man erwirbt damit nur die Jagdausübungsberechtigung, die alle ein bis drei Jahre neu erteilt werden muss." Jagen dürfen Jäger in Deutschland aber nur in einem Revier, für das sie eine Berechtigung erwerben müssen – oder sind Grundbesitzer oder Pächter. Daher haben sich viele Jäger zu regionalen Gemeinschaften zusammengeschlossen und gemeinsam ein Revier gepachtet. Das kostet viel Geld: "In Hessen liegt das bei 15 bis 30 Euro pro Hektar. Da kommen schnell ein paar tausend Euro pro Jahr zusammen", erklärt Manfred Eckhardt. Dazu kommt die Jagdsteuer, die meist zwischen 15 und 40 Prozent des Pachtpreises beträgt. Wildschäden - etwa das Zertrampeln von Feldern oder das Abfressen und Schälen der Triebe von jungen Bäumen im Wald – sind zudem privat zu ersetzen. Hierfür gibt es eine Pflichtversicherung in der Berufsgenossenschaft bei Jagdunfällen: Pächter und Waldeigentümer zahlen, je nach Revier, meist zwischen fünf und 60 Euro pro Hektar und Jahr. Jedes Bundesland als Eigentümer riesiger Jagdreviere erteilt Jägern aber auch eine individuelle Erlaubnis für einen abgegrenzten Pirschbezirk. Das kostet in Hessen fürs Jahr meist zwischen 700 und 1000 Euro, für eine Woche sind 350 Euro fällig.

Filigrane Gewehre sind meist nur für Sammler

Wer sich zur Jagd mit anderen trifft, packt übrigens nur selten eine besonders luxuriöse Waffe aus: "Edle Büchsen sind doch viel zu schade, um sie im Wald zu verschrammen", betont Manfred Eckhardt und lacht. Bis zum Beginn der Jagd bleiben die Waffen aus Sicherheitsgründen ohnehin im verschlossenen Etui im Auto. "Jäger mit viel Geld lassen sich eine Waffe manchmal nur für einen besonderen Jagdanlass anfertigen", weiß Eckhardt. Oft würden rare und alte Gewehre zuhause im dafür vorgeschriebenen Waffentresor gesammelt, ohne mit ihnen jemals auf den Hochsitz zu steigen: "Ein Sammler mit 25 Waffen kann sie innerhalb eines Jahres niemals zum Einsatz bringen." Doch immerhin braucht eine gute Büchse kaum noch Pflege. Anders als in den Karl-May-Romanen ist sie fast wartungsfrei. Reinigen und etwas ölen, damit kein Rost entsteht – mehr benötigt sie nicht. Bis man mit ihr hinaus in die Wildnis geht. Irgendwann. Oder auch nicht. Impressionen sehen Sie in unserer Fotoshow.

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