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"Tatort: Echolot" im Faktencheck: Kann eine Tote digital weiterleben?

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"Tatort"-Faktencheck  

Kann eine Tote digital weiterleben?

31.10.2016, 12:44 Uhr | Angela Gruber, Spiegel Online

"Tatort: Echolot" im Faktencheck: Kann eine Tote digital weiterleben?. "Tatort"-Ermittlerin mit digitaler Assistentin Nessa. (Quelle: ARD/RB)

"Tatort"-Ermittlerin mit digitaler Assistentin Nessa. (Quelle: ARD/RB)

Eine junge Firmenchefin stirbt in ihrem vernetzen Auto, ist aber weit über ihren Tod hinaus präsent: Der "Tatort" aus Bremen versucht sich am Thema künstliche Intelligenz – und übertreibt stellenweise.

Die Jalousien bleiben ein Problem, auch im aktuellen Bremer "Tatort". Dort existiert zwar die Digitalversion einer Toten, die ihr menschliches Vorbild dank massig Daten so perfekt zu lesen gelernt hat, dass der Tod der Frau erst einmal gar nicht auffällt. Die computergesteuerten Jalousien in ihrem Haus machen aber immer noch, was sie wollen.

Am helllichten Tag machen sie erst mal dicht, während Kommissarin Inga Lürsen im Fall eines mysteriösen Autounglücks auf Spurensuche ist. Bei dem Unfall kam Start-up-Gründerin Vanessa Arnold (Adina Vetter) ums Leben.

Foto-Serie mit 12 Bildern

Man kann das als frühen filmischen Fingerzeig auf die Fehlbarkeit von Technik werten. Der Bremer "Tatort" präsentiert ein Szenario, das ohne jede Menge neue Gadgets und Software nicht denkbar ist. Realistisch ist das alles nicht unbedingt.

Kann ein Mensch nach dem Tod als künstliche Intelligenz weiter existieren?

Während Vanessa Arnolds Leichnam längst in der Gerichtsmedizin liegt, unterhält sich ihr digitales Alter Ego weiter per App und Tablet mit der Familie, den Geschäftspartnern und Kommissarin Lürsen. Die digitale Assistentin namens Nessa spricht mit der Stimme ihres analogen Vorbilds und wirkt auf Projektionen genauso echt.

Hinter Nessa steckt eine künstliche Intelligenz (KI), die basierend auf allen Lebensdaten ihres Vorbilds lernt und Arnold mit der Zeit immer besser imitieren kann. Das Programm arbeitet im "Tatort" selbstständig weiter, nachdem sein Lernobjekt stirbt - eine Art digitaler Nachhall. "In dieser Perfektion ist Nessa ziemlich einzigartig", sagt ein Geschäftspartner von Arnolds Start-up Golden Bird Systems über die KI.

Außerhalb der "Tatort"-Welt muss man sagen: In dieser Perfektion existiert eine KI wie Nessa noch nicht. Die Forschung in Sachen KI und maschinellem Lernen macht aktuell große Fortschritte. Digitale Assistenzsysteme wie Alexa von Amazon oder der künstliche Go-Spieler der Google-Tochter DeepMind sind Projekte, die andeuten, zu was eine KI in Zukunft fähig sein könnte.

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Die Idee der "Tatort"-Macher erinnert auch an ein reales Experiment von Eugenia Kuyda, das Anfang Oktober bekannt wurde. Als Kuydas bester Freund bei einem Verkehrsunfall starb, versuchte sie, ihn mithilfe einer KI nachzubilden. Kuyda stellte einem künstlichen neuronalen Netzwerk zahlreiche SMS und Nachrichten des Toten zur Verfügung, um es zu unterrichten. Fortan sollte die KI ihr so schreiben, wie ihr Freund es getan hätte. Der Chatbot lieferte tatsächlich Antworten, die vom Verstorbenen stammen könnten.

Komplexe Konversationen wie Nessa sie im "Tatort" führt, etwa mit der Tochter der Toten, sind so aber noch nicht möglich. Die perfekte digitale Kopie eines Menschen, die vielleicht sogar eigene Gefühle entwickelt, hat noch keiner geschaffen – und sie wäre, das zeigt der "Tatort", ethisch höchst problematisch.

Kann eine Software Nutzer an der Stimme erkennen?

Nessa lässt sich im "Tatort" nicht austricksen, weil sie sogar bei einer abgeklebten Tablet-Kamera weiß, wer mit ihr spricht. Es erkenne die Ermittlerin an der Stimmfrequenz wieder, teilt das System einer skeptischen Kommissarin Lürsen mit.

Tatsächlich arbeiten Forscher auf dem Feld der Sprachbiometrie daran, Menschen anhand ihres Stimmabdrucks zu erkennen. Die Stimme könnte dann das Passwort ersetzen und Nutzern bei der Authentifizierung in der Bank oder beim Log-in ins E-Mail-Postfach helfen.

Aus der eingesprochenen Audiodatei eines Kunden kann ein erster Stimmabdruck erstellt werden. Daraus extrahierte mathematische Werte werden gespeichert. Das System berechnet dann beim Authentifizierungsversuch, wie hoch die Übereinstimmung ist.

Noch sind solche Sprachbiometrie-Systeme selten im Einsatz und werden häufig mit einem zweiten Authentifizierungsverfahren kombiniert, um ihre Sicherheit zu erhöhen. Aber sie haben Potenzial, das zeigt zum Beispiel ein Forschungsprojekt der internationalen Polizeiorganisation Interpol. Auch Interpol setzt dabei auf Sprachbiometrie-Verfahren, um Verdächtige zu identifizieren.

Würde ein selbstfahrendes Auto seinen Besitzer in den Tod steuern, ohne dass er das verhindern kann?

Die KI-Pionierin Arnold stirbt in ihrem smarten Auto: Die Software des selbstfahrenden Wagens wurde per WLAN manipuliert. Das Programm hat die Airbags ausgeschaltet und seine Besitzerin in den Tod gesteuert.

Das ist gar nicht so abwegig, denn autonomes Fahren ist keine bloße Zukunftsvision mehr. Mit dem Internet verbundene Fahrzeuge können zudem durchaus Ziel von Hackern werden: Zwei amerikanischen Tüftlern ist es 2015 beispielsweise gelungen, erstmals ein Auto in voller Fahrt zu hacken. Aus einem Wohnzimmer heraus übernahmen sie die Kontrolle - nur per Internet. Die Hacker konnten beispielsweise die Bremsen des Jeep Cherokee deaktivieren.

Im Sommer erregte ein tödlicher Unfall mit einem Tesla in den USA großes Aufsehen: Bei einer Fahrt mit der Autopilotfunktion eines elektrischen Model S war damals erstmals ein Fahrer tödlich verunglückt. Eine Software-Manipulation hatte es hier aber nicht gegeben, das Programm erkannte einen kreuzenden Laster mit weißer Plane nicht.

Der Unfall mit dem Tesla hätte aber wohl durch Eingreifen des Fahrers verhindert werden können. Denn Tesla setzt auf ein sogenanntes teilautomatisiertes Fahrsystem. Fahrer werden von Tesla darauf hingewiesen, die Hände niemals vom Steuer zu nehmen – den Input des Systems kann der Fahrer somit in jedem Fall korrigieren.

Auch deutsche Gesetze erlauben derzeit nur Systeme, die zeitweise autonom fahren. Der Mensch muss sie jederzeit übersteuern oder ausschalten können – vorausgesetzt natürlich, kein böswilliger Hacker hat den Wagen zuvor unter seine Kontrolle gebracht.

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