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Schnapsidee  

Kriminalbeamte fordern Reset-Knopf fürs Internet

19.07.2010, 14:44 Uhr | Spiegel online, Spiegel Online

Kriminalbeamte fordern Reset-Knopf fürs Internet. Der Bund Deutscher Kriminalbeamten fordert den Not-Aus-Knopf für das Internet. (Montage: t-online.de)

Der Bund Deutscher Kriminalbeamten fordert den Not-Aus-Knopf für das Internet. (Montage: t-online.de)

Das Internet sei der größte Tatort der Welt, ein digitaler Angriff potentiell so verheerend wie ein nuklearer: Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert deshalb einen Reset-Knopf für das weltweite Datennetz - und macht sich nach Ansicht von Experten lächerlich.

Was hat man nicht schon alles gehört über die Gefahren, die in den trüben Weiten des World Wide Web lauern. Vor Kreditkartenbetrug, Datendiebstahl, dem Verlust jeder Privatsphäre wird regelmäßig gewarnt, und wenn es ein wenig mehr sein soll, wird das Internet gern auch als bevorzugter Treffpunkt für das organisierte Verbrechen und Terror-Organisationen ins Spiel gebracht.

Internet ist größter Tatort der Welt

Die neuesten Warnungen des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) aber stellen selbst das noch weit in den Schatten. BDK-Chef Klaus Jansen bezeichnete das Internet jetzt als größten Tatort der Welt - und schrieb ihm gar die Zerstörungskraft von Atomwaffen zu.

Um das bedrohliche Netz endlich sicherer zu machen, forderte Jansen in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" einen "verlässlichen Identitätsnachweis im Netz". Wer das Internet für Käufe, Online-Überweisungen, andere Rechtsgeschäfte oder Behördengänge nutzen wolle, müsse sich zuvor bei einer staatlichen Stelle registrieren lassen. Jansen forderte die Bundesregierung auf, "Verkehrsregeln" für das Internet zu schaffen. Außerdem sei es dringend erforderlich, "Spezialeinheiten für Computerkriminalität" in jeder Polizeibehörde einzurichten. "Inzwischen steht das Gewaltmonopol des Staates auf dem Spiel", sagte Jansen.

Umfangreiche Befugnisse gefordert

Der BDK legte der Bundesregierung einen 15-Punkte-Plan mit Sofortmaßnahmen vor. Darin ist nach Angaben der "Neuen Osnabrücker Zeitung" auch die Rede von "gesetzlichen Befugnissen für offene und verdeckte Ermittlungen im Internet, speziell in sozialen Netzwerken wie Facebook, SchülerVZ oder Twitter". Zudem solle die Polizei das Recht bekommen, "Trojaner, Viren und Schadprogramme von privaten Rechnern entfernen zu dürfen", die Kriminelle zuvor dort platziert hätten.

Staatliche Ermittler als Freunde und Helfer, die private Computer nicht nur durchsuchen, sondern gleich auch manipulieren wollen - diese Vorstellung dürfte manchem auf lange Sicht bedrohlicher erscheinen als die Gefahr, beim nächsten Online-Bankgeschäft beklaut zu werden.

Angriff verheerend wie mit Atomwaffen

Doch Jansen ging noch weiter. "Attacken auf die digitale Infrastruktur des Landes können sich ähnlich verheerend auswirken wie atomare Angriffe", sagte er. Deshalb bedürfe es eines "Reset-Knopfs für das Internet", mit dem das Kanzleramt Deutschland im Ernstfall sofort vom Netz nehmen könne.

CCC: "Lächerliche Schnapsidee"

Der Chaos Computer Club (CCC) wies diese Idee als albern zurück. "Der kann mal seine Science-Fiction-Romane wieder einpacken", sagte CCC-Sprecherin Constanze Kurz zu Jansens Vorschlag. "Der Reset-Knopf ist eine lächerliche Schnapsidee." Damit würden sowohl die Menschen vom Informationsfluss abgeschnitten als auch die Wirtschaft generell ausgeschaltet. Die Kriminalitätsstatistik zeige zudem, dass Straftaten im Internet deutlich häufiger aufgeklärt würden als in der nichtvirtuellen Welt. Es sei gefährlich, das Netz als Gefahrenraum zu hysterisieren.

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