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Digitaler Nachlass: Verwaltung von Online-Konten eines Toten

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Digitaler Nachlass  

Verwaltung von Online-Konten eines Toten

24.09.2016, 08:56 Uhr | Tom Nebe, dpa-tmn

Digitaler Nachlass: Verwaltung von Online-Konten eines Toten. Smartphone an Grabstätte (Quelle: imago/Stefan Zeitz)

Smartphone an Grabstätte (Quelle: Stefan Zeitz/imago)

Facebook, Amazon, Ebay, E-Mails: Viele Menschen organisieren ihr Leben immer mehr im Internet. Was aber passiert nach dem Tod mit den Online-Accounts? Die meisten Internetnutzer machen sich darüber keine Gedanken – was ihre Hinterbliebenen vor einige Probleme stellen kann.

Wer bekommt das Auto? Wer das Haus? Wer kümmert sich um die Haustiere? Viele Menschen regeln solche Fragen vor ihrem Tod. Doch beim digitalen Nachlass herrscht Nachlässigkeit. Kaum jemand beschäftigt sich mit der Frage, was mit seinen Online-Konten im Todesfall passiert. Was Hinterbliebenen dazu wissen sollten:

Wo war der Verstorbene überall angemeldet?

Facebook, Ebay, Freemail, Amazon, Twitter oder Dating-Portale: Die meisten haben eine Vielzahl von Online-Accounts. Wenn der Verstorbene keine Liste hinterlegt hat, kann es schwierig werden, alle Konten zu finden. Dann ist Detektivarbeit gefragt. Gibt es Vermutungen über Konten bei einzelnen Anbietern, etwa im Bereich Social Media, können Hinterbliebene dort den Namen des Verstorbenen suchen. "Das gibt Hinweise auf Accounts, auch wenn man erstmal nicht darauf zugreifen kann", sagt Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

In Verträgen und Rechnungen finden Angehörige unter Umständen Hinweise auf Online-Konten, etwa bei Internet-Versandhändlern wie Amazon. Besonders hilfreich ist der Zugriff auf das E-Mail-Konto. Hier können sich Spuren zu anderen Online-Accounts finden, etwa in Form von Bestätigungsmails zur Anmeldung. Auch unbekannte Passwörter lassen sich häufig über die E-Mail-Adresse zurücksetzen. Im Browser-Verlauf finden sich vielleicht weitere Spuren.

Wie bekommen Angehörige Zugriff auf E-Mail-Konten?

Glück haben Hinterbliebene, wenn der Verstorbene seine E-Mails mit Programmen wie Thunderbird oder Outlook direkt auf dem Rechner bearbeitet. Wurde immer die Webseite des Mail-Anbieter genutzt, wird es schwieriger, wenn die Zugangsdaten nicht im Browser gespeichert wurden. Bei Web.de und GMX zum Beispiel benötigen Angehörige für den Zugriff dann einen Erbschein. Der Antrag muss handschriftlich unterschrieben gestellt werden. "Das E-Mail-Postfach eines Verstorbenen ist Teil der Erbmasse", erklärt Unternehmenssprecher Christian Friemel. Die Erben können den Account weiterführen, Mails abrufen oder den Account löschen lassen. Zur Kündigung eines kostenpflichtigen Kontos genügt die Vorlage der Sterbeurkunde.

Wie verfahren andere Anbieter mit den Zugriffsrechten?

Anbieter verlangen oft einen Erbschein für den Zugriff auf Konten, das gilt aber nicht für alle. Manch ein internationale Anbieter verlangt beglaubigte Übersetzungen von Nachweisdokumenten.

Warum verlangen so viele Anbieter einen Erbschein?

Generell sei es richtig, dass immer der Erbschein verlangt wird, sagt Rechtsanwältin Stephanie Herzog, die beim Deutschen Anwaltverein (DAV) in der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht tätig ist. "Streng genommen ist eine Sterbeurkunde auch nicht ausreichend, um ein Konto zu löschen", sagt sie, auf die Praxis bei GMX angesprochen. Denn es kann sein, dass die nächsten Angehörigen, die die Sterbeurkunde haben, nicht die vom Toten eingesetzten Erben sind.

Eine Alternative zum Erbschein ist eine Vorsorgevollmacht, die der Verstorbene einem Hinterbliebenen ausgestellt hat und in der er diesem unter anderem die Verwaltung der Online-Konten überträgt. Wichtiger Vorteil der Vollmacht: Im Gegensatz zum Erbschein ist hier keine Annahme des Erbes – und damit möglicher Schulden – verbunden.

Was passiert mit nicht entdeckten Online-Konten?

Kostenpflichtige Accounts entdecken Angehörige spätestens mit der ersten Mahnung - und können sie kündigen. Was ist aber zum Beispiel mit unentdeckten Freemail-Accounts? Bei GMX oder Web.de wird ein Konto nach sechs Monaten ohne Nutzung inaktiv gestellt, erklärt Unternehmenssprecher Friemel. Danach kann die Adresse ein halbes Jahr reaktiviert werden, bis sie freigegeben wird. In dem Fall werden die Daten auf dem Account unwiderruflich gelöscht.

Google etwa bietet Nutzern einen Inaktivitätsmanager. Diesen müssen sie allerdings vor dem Tod einrichten. Wenn der Nutzer für einen bestimmten Zeitraum inaktiv war, kontaktiert Google eine oder mehrere vorher festgelegte Vertrauenspersonen. Diese können - je nachdem, wie viel Zugriff der Nutzer gewährt hat - auf Daten zugreifen.

Wie können Hinterbliebene ein Facebook-Konto stilllegen?

Es ist nicht ratsam, Facebook einen Todesfall direkt mitzuteilen. Denn dann sperrt Facebook das Konto, Hinterbliebene haben anschließend keinen Zugriff mehr. Sind Login und Passwort bekannt, sind dagegen noch "Aufräumarbeiten" möglich, persönliche Dokumente oder Bilder können entfernt werden. Facebook reicht ein Scan der Sterbeurkunde als Nachweis, um das Konto löschen oder in einen Gedenkzustand zu setzen. Alternative Nachweise sind etwa ein Testament oder ein Nachlassbrief, in Kombination mit einer Todesanzeige oder Trauerkarte.

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