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Falsche Test-Sieger und schwarze Schafe

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"Vergleichsportale" im Netz  

Gefälschte Tests und wertlose Siegel

02.05.2017, 12:30 Uhr | Dirk Averesch, AS, dpa

Falsche Test-Sieger und schwarze Schafe. Einige Vergleichsseiten führen mit Pseudo-Tests in die Irre. (Quelle: dpa)

Einige Vergleichsseiten führen mit Pseudo-Tests in die Irre. (Quelle: dpa)

Testberichte im Netz stehen hoch im Kurs. Doch die Suche nach seriösen Produkttests führt oft zu schwarzen Schafen. Die urteilen anhand technischer Daten, hatten die Geräte aber nie in der Hand. Mit guten Bewertungen verdienen die vermeintlichen Tester häufig mit.

Smartphone-Tests, Kaffeemaschinen-Tests, sogar Seiten für Betonmischer-Tests finden sich im Netz: Scheinbar gibt es kaum etwas, was Experten noch nicht auf Herz und Nieren geprüft haben - aber nur auf den ersten Blick. Denn oft sind es nur Vergleichsseiten mit Fotos und Tabellen voller Produktdaten, die den Anschein eines Tests erwecken. Einen Wert haben die Ergebnisse solcher Seiten nicht, warnen Verbraucherschützer. Denn sie dienen den Betreibern nur dazu, Verkaufsprovisionen einzustreichen.

Manche Seiten haben die Auszeichnung "Testssieger" ihrer "Tests" geändert und bezeichnen sie nun als Vergleichssieger und versuchen das Wort "Test" zu vermeiden und durch scheinbar unverfänglicher Begriffe zu ersetzen, erläutert Daniel Brückner, Betreiber der kritischen Webseite toptestsieger.de.  

Keine Tests sondern Geldmacherei

"Man weiß nicht, welche Kriterien zugrunde gelegt wurden", erläutert Kerstin Hoppe, Referentin im Team Rechtsdurchsetzung beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) das Problem der Pseudo-Tests und ihrer Bewertungen. Fünf solcher Seiten hat der VZBV schon wegen Vortäuschung von Produkttests abgemahnt. "In den meisten Fällen haben die nicht ein Produkt in den Händen gehalten, alles hübsch aufbereitet und einen Link hinterlegt", so Hoppe. Der führt zu Online-Marktplätzen und Händlern, die eine Provision zahlen, wenn das Produkt bei ihnen gekauft wird.

Keine seriösen Tests

Bei der Handvoll Abmahnungen wird es wohl nicht bleiben. "Ich glaube, das Problem ist sehr viel größer", sagt Hoppe. Mindestens 15 Seiten, die vorgeben zu testen, hat sie gerade auf ihrer Prüfliste: "Ein versteckter Hinweis, dass es sich nur um einen Vergleich oder eine Zusammenstellung handelt, reicht nicht."

Die abgemahnten Vergleichsseiten machen weiter mit ihren Daten-Tabellen und intransparenten Fantasie-Urteilen. Nur küren sie nun eben keine Testsieger mehr, sondern Vergleichssieger. Auffällig, aber wenig überraschend: Das teuerste Produkt erhält meist die beste Note. Schließlich winkt der Seite so eine höhere Provision. Zudem finden sich nur "sehr gute" oder zumindest "gute" Noten - es geht ja tatsächlich auch ums Verkaufen. Das Perfide: "Dem Verbraucher wird vorgegaukelt, dass das Produkt gut ist", kritisiert Hoppe.

Weniger Test, mehr Verkauf

Immer wieder ist auf solchen Portalen auch von "Warentests" die Rede: "Wir gehen dagegen vor, wenn jemand unseren guten Namen nutzt, um seine Seite zu promoten", sagt aber Heike von Laak von der Stiftung Warentest. "Im Grunde sind es Verkaufs-Shops." Mit Tests hätten die Seiten am Ende gar nichts zu tun. "Ausgenutzt wird der Wunsch von Verbrauchern, möglichst schnell und umsonst im Netz an Informationen zu kommen. Das ist der Anker."

Eine andere Kategorie sind "Test-Sammler", die verschiedene Testergebnisse zusammenfassen. Mit solchen Angeboten hat sich die Stiftung Warentest abfinden müssen, sagt van Laak: "Man kann rechtlich nicht dagegen vorgehen, das fällt unter das Zitatrecht." Die Aussagekraft sei begrenzt, weil allen Tests andere Kriterien zugrunde liegen. "Manchen Leuten reicht das aber schon."

Sammel-Tests oft veraltet

Auch den Vergleichsseiten kann man oft nur schwer aus dem Weg gehen. Sie werden so für Suchanfragen optimiert, dass sie ganz oben in den Ergebnissen auftauchen - zusammen mit dem Erfassen der Produkte ein erheblicher Aufwand. "Nur wenn Provisionen fließen, kann das funktionieren", kritisiert van Laak. "Es gehören immer zwei dazu, einer der wirbt und einer der zahlt."

Herstellerangaben statt Vergleichstests

Gerade bei der Nachvollziehbarkeit bei vielen "Tests" hapert es, bemängelt Brückner. Oft würden von den "Test-Seiten" nur die Herstellerangaben wiedergegeben und auf eigene Untersuchungen verzichtet. Das sollte ein klares Alarmsignal für den Verbraucher sein, rät Brückner. Man sollte immer auf die Details der Bewertung achten und schauen, ob diese Sinn machen - oder nur Allgemeinsätze sind. Auch bei Siegeln sollte man vorsichtig sein und nur seriösen Anbietern trauen und nicht irgendwelchen Fantasie-Urteilen, erläutert er.

Es schadet auch nie, mehrere Tests miteinander zu vergleichen. "Es gibt enorme Unterschiede, wenn etwa verschiedene Zeitschriften dasselbe Produkt testen." Und längst nicht alle Test-Organisationen seien seriös. "Es gibt einige wenige, an denen ich mich orientieren sollte", sagt Tryba. "Stiftung Warentest etwa. Die kaufen die Produkte im Handel und arbeiten nach wissenschaftlichen Kriterien."

Händler-Partnerprogramme und Affiliate-Links

Ihre sogenannten Partnerprogramme verstecken die Händler nicht - im Gegenteil. Sie werben mehr oder weniger offensiv um werbende Seitenbetreiber. Genaue Anleitungen zum Setzen der sogenannten Affiliate-Links stehen ebenso offen im Netz wie die Provisionen. Amazon etwa zahlt je nach Warengruppe zwischen 1 und 10 Prozent des Warenwertes, Otto-Werber dürfen sich über 4 bis 15 Prozent Provision freuen und Produkt-Promoter für Mediamarkt beispielsweise über 4 bis 6 Prozent. Affilinet oder Zanox heißen Netzwerke, bei denen sich Seitenbetreiber gleich als Partner für viele verschiedene Händler anmelden können.

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