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Darknet: Ein Spiel zwischen Freiheit und Verbrechen

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Ermittler schließen "Alpha Bay" und "Hansa"  

Das Darknet hat auch gute Seiten

20.07.2017, 16:58 Uhr | Christoph Dernbach, Michael Donhauser, dpa, t-online.de

Darknet: Ein Spiel zwischen Freiheit und Verbrechen. Die Hälfte der rund 30 000 Darkweb-Seiten sollen illegal sein. (Quelle: imago/Christian Ohde)

Die Hälfte der rund 30 000 Darkweb-Seiten sollen illegal sein. (Quelle: Christian Ohde/imago)

Das "Darknet" ermöglicht Internetnutzern fast vollständige Anonymität. Diese Technik bietet auch einen sicheren Hafen für Kriminelle. Eine  TV-Doku nähert sich dem "Mythos Darknet". Die Betreiber der Plattformen "Alpha Bay" und "Hansa" wurden am Donnerstag festgenommen.

Wer viel Wert auf Privatsphäre im Netz legt, der macht sich kundig, wo man sich sicher und anonym bewegen kann. Ob politische Aktivitäten oder Kauf illegaler Waffen – im Darknet ist alles möglich. Ursprünglich für Menschenrechtsaktivisten entwickelt steht die Technologie immer wieder für Kritik.

Ein 18 Jahre alte Amokläufer tötete 2016 Jahr in München neun Menschen und sich selbst. Die Waffe hatte er im dem Darknet bestellt. Nicht nur zu diesem Anlass fragen sich viele Menschen, welche Dimensionen dieser Netz-Marktplatz für menschliche Abseitigkeiten tatsächlich hat.

Das Zwiebelschalen-Prinzip

Die TV-Dokumentation "Mythos Darknet – Verbrechen, Überwachung, Freiheit", die am Donnerstag (20. Juli) auf ZDF info lief, beleuchtet die dunkle Seite des Internets. Sie lässt dabei auch die Unterstützer der Technologie zu Wort kommen, die den positiven Nutzen erläutern, den das Darknet mit sich bringt.

Um ins Darknet zu gelangen, benötigt man die kostenlose Software "Tor". Damit werden Daten nach dem Zwiebelschalen-Prinzip zwischen Tor-Servern verschlüsselt weitergeleitet. Jeder Server kennt so nur seinen Vorgänger und seinen Nachfolger, aber nicht die gesamte Kette. Damit bleibt der Nutzer getarnt.

Umsatz mit Drogen – rund 21 Millionen Dollar im Monat

Anwender können über das Tor-Netzwerk und den Tor-Browser öffentliche Websites anonym ansteuern. Im Tor-Netz werden aber auch sogenannte ".onion-Sites" bereitgestellt, bei dem auch die Anbieter anonym bleiben. Experten schätzen, dass die Hälfte der rund 30 000 Darkweb-Seiten illegale Inhalte haben. Auf Marktplätzen wie "Alpha Bay" wurden gestohlene Kreditkartennummern, Falschgeld und Waffen angeboten.

Der Umsatz allein mit Drogen soll dort  21 Millionen Dollar im Monat betragen haben. Dennoch sei die Darknet-Kriminalität "nur ein Nischenphänomen". Der illegale Drogenmarkt in Europa mache insgesamt einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro im Monat.

Ermittler verhaften Betreiber von "Alpha Bay" und "Hansa"

Den Ermittlungsbehörden in Europa und den USA ist am Donnerstag (20. Juli) der bisher größte Schlag gegen illegale Machenschaften im Darknet gelungen. Mit "Alpha Bay" und "Hansa" seien zwei der größten und bekannten Darknet-Vertriebsstruktur ausgehoben worden, so US-Justizminister Jeff Sessions in Washington. Die Administratoren seien festgenommen worden. 

In Zusammenarbeit mit dem FBI legte die niederländische Polizei den Marktplatz "Hansa" still, einen weiteren der größten illegalen Handelsplätze des Darknets. Auf "Hansa" seien vor allem Drogen, Juwelen und gefälschte Waren gehandelt worden, teilte die Polizei am Donnerstag in Den Haag mit.

"Eine der größten Ermittlungen im Bereich Cyber-Crime"

An den Ermittlungen waren Polizeieinheiten in mehreren Ländern beteiligt, darunter in den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Thailand, Kanada und Litauen. Es handele sich um "eine der größten und ausgefeiltesten Ermittlungen im Bereich Cyber-Crime in der Kriminalgeschichte", sagte Europol-Direktor Rob Wainwright.

Über "Alpha Bay" seien vor allem illegale Drogen, falsche Ausweispapiere und Waffen vertrieben worden. Mehr als 200 000 Kunden seien so mit Zehntausenden illegalen Produkten bedient worden, oft auf dem Postweg. Darunter waren auch harte Drogen wie zum Beispiel Heroin.

Verbrechen, Überwachung und Freiheit

In Deutschland kursierten 20 Millionen illegale Waffen, deren Herkunft nichts mit dem Darknet zu tun habe. "In Erinnerung bleiben aber Fälle wie des Münchner Amokläufers David S., der sich seine Waffe im Darknet beschafft hatte", heißt es in dem Film.

In der TV-Doku erläutern Tor-Unterstützer wie Moritz Bartl vom Verein "Zwiebelfreunde", warum sie sich trotz eines möglichen Missbrauchs der Technik für das Tor-Netzwerk engagieren: "Ich will jetzt nicht, dass mein Telekom-Provider Statistiken darüber sammelt, welche Seiten ich abgreife. Google soll nicht mitkriegen, über welche Krankheiten ich mich jetzt gerade informiere."

Christian Mihr, Geschäftsführer von "Reporter ohne Grenzen". (Quelle: imago)Christian Mihr, Geschäftsführer von "Reporter ohne Grenzen". (Quelle: imago)

Christian Mihr, Geschäftsführer von "Reporter ohne Grenzen", verweist in dem Film darauf, dass Journalisten, Blogger und Fotografen in Ländern wie Bahrain drangsaliert und willkürlich festgenommen werden. Das Tor-Netzwerk helfe dabei, der staatlichen Willkür zu entgehen.

In der Dokumentation stellen aber auch Experten die Sicherheit des Tor-Netzwerks in Frage. Der Oldenburger Computerwissenschaftler Jürgen Geuter, verweist darauf, dass das Tor-Netzwerk nicht so groß sei, wie viele Anwender sich vorstellten. "Im Vergleich zum Internet ist das winzig." Wer einen Tor-Server bereitstelle, bekomme auch mit, was in dem Netzwerk läuft.

Das Tor-Projekt wird aus den USA staatlich gefördert

Andy Müller-Maguhn, Internet-Aktivist und langjähriger Sprecher des Chaos Computer Clubs, stört sich daran, dass das Tor-Projekt aus den USA staatlich gefördert wird. Über die Geldgeber bekämen die Geheimdienste dann auch Antworten auf Fragen – Wer sind die beteiligten Akteure? Wo laufen bestimmte Informationen zusammen?

"Das sind ja aus der Sicht von Nachrichtendiensten alles hochinteressante Informationen, die die Aufgabe haben, solche Informationsnetzwerke unter ihre Kontrolle zu bringen.", so Müller-Maguhn.

Thomas Rid, IT-Sicherheitsexperte am Londoner King's College, war anfänglich der Überzeugung, dass das "Darknet" über das Ziel hinaus schießt, weil es den Missbrauch zu einfach macht. Jetzt ist er anderer Meinung. "Ich habe einfach Angst, angesichts der politischen Entwicklung der vergangenen zwei Jahre, dass wir irgendwann in die Situation kommen, in der wir Verschlüsselungstechnologie und das Darknet brauchen, um die Freiheit am Leben zu erhalten."

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