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Internet-Mafia: Die Unterwelt im Cyberspace

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Internet-Mafia  

Die Unterwelt im Cyberspace

24.06.2008, 13:12 Uhr | Sascha Plischke

Internet-Mafia: Die Unterwelt im Cyberspace. Mafia-Banden kontrollieren das Verbrechen im Netz. (Grafik: t-online.de)

Zwielichtige Geschäfte: Das Verbrechen im Internet ist längst in der Hand organisierter Banden. (Grafik: t-online.de)

Die Mafia ist in der Zukunft angekommen: Auch im Internet ist Kriminalität längst professionell geworden. Vom millionenfachen Versand von Spam-Mails über Finanzbetrügereien bis hin zu den ganz großen Datendiebstählen – mittlerweile stecken fast immer organisierte Banden hinter den Verbrechen.

Die unschuldigen Zeiten der Online-Kriminalität sind vorbei, in denen pubertierende Hacker alleine der Herausforderung wegen Viren schrieben und gesicherte Systeme knackten. Heute sitzen vor den Computern echte Kriminelle, und ihnen geht es nicht mehr um den Spaß, sondern um das schnelle Geld. Denn Kriminellen winken in Zeiten von Online-Shopping und Online-Banking satte Profite im Netz: Geschäfte laufen immer häufiger über das Internet und wertvolle Daten werden auf Rechnern mit schlecht gesichertem Internetanschluss gespeichert. Um an diese Profite zu gelangen machen professionelle Gangsterbanden vor nichts Halt – zu ihrem Repertoire gehören Spionage, Erpressung und Terror.

Modernen Hackern geht es um Profit

"Wir sehen einen deutlichen Anstieg der Fälle, bei denen es nicht mehr nur um das Angeben in irgendwelchen Chaträumen geht, sondern tatsächlich um finanziellen Profit", fasst etwa ein Sprecher der amerikanischen Bundespolizei FBI, Paul Bresson, in einem Interview mit dem Branchenmagazin Cnet den neuen Trend zusammen. Wo früher Festplatten gelöscht oder Betriebssysteme beschädigt wurden, stehlen Hacker heute lieber sensible Daten. Mit diesen Informationen lassen sich ganze Konten leer räumen und Kreditkarten täuschend echt fälschen. Um dabei jedoch an das richtig große Geld zu gelangen hat sich die Unterwelt im Netz spezialisiert. Verschiedene Banden bearbeiten jeweils einen kleinen Teil einer ausgeklügelten, kriminellen Wertschöpfungskette.

Banden organisieren große Raubzüge

Im Zentrum stehen dabei die Datenräuber – kleine, straff organisierte Gruppen, die geschickt die Ressourcen der Schattenwelt im Netz für ihre illegalen Machenschaften nutzen. Für das Ausspähen der begehrten Daten benötigen die Gangster spezielle Software: Mit einem sogenannten Trojaner, der sich als ungefährliche Datei tarnt, verschaffen sie sich Zutritt zum System ihrer Opfer. Dieser Trojaner öffnet dann die Tür für kleine Spionage-Werkzeuge, die dann die Festplatte nach verwertbarer Beute durchsuchen – so genannte "Sniffer", die sich auf die Jagd nach gespeicherten Kontodaten machen, oder "Keylogger", die für den Hacker jede Tastatureingabe eines Opfers mitschreiben. Außerdem benötigen die Räuber einen Verbreitungsweg, über den sie ihren Trojaner dann millionenfach an arglose Anwender auf der ganzen Welt verteilen können.

Schwarzmarkt für schädliche Software

Beides lässt sich einfach im Internet einkaufen. So produzieren kleine, illegale Softwareschmieden vornehmlich aus Asien immer neue "Malware", ein Sammelbegriff für Viren und Trojaner, die ihre Programmierer stets aktuellen Schwachstellen in Windows und anderer Software anpassen. Für bisher unbekannte Schwachstellen zahlen diese Entwickler Kopfgelder, um schneller an nutzbare Sicherheitslücken zu kommen. Wie hoch der Untergrund-Preis für eine Schwachstelle werden kann zeigen die Bemühungen von Sicherheitsunternehmen, selbst durch Zahlung eines Preisgeldes an die kritischen Informationen zu kommen. So verspricht der amerikanische Sicherheits-Spezialist iDefense Hackern für die Meldung einer Lücke Prämien von bis zu 50.000 US-Dollar. Der Erfolg solcher Aktionen ist jedoch gering: Im Untergrund verdienen skrupellose Hacker mit ihrem exklusiven Wissen offenbar deutlich mehr.

Internet-Söldner verkaufen Sklavenheere

Auch die Kapazitäten für die Verbreitung einer Malware-Attacke lassen sich problemlos anmieten. Dafür verwenden die Kriminellen Botnetze – riesige Netzwerke heimlich gekaperter Privatrechner. Sie werden von so genannten "Herdern" kontrolliert. Das sind Kriminelle, die sich auf Aufbau und Betrieb dieser Schattennetze spezialisiert haben. Stück für Stück schleusen sie dabei selbst Malware in verschiedenen Wellen auf die Rechner ihrer Opfer. Kommt die Schadsoftware durch, übernimmt sie heimlich die Kontrolle über den Computer und nutzt dessen überschüssige Rechenkraft für den Versand von Spam-Mails, die sich wiederum mit Malware verseuchen lassen. Der geschätzte Marktwert eines solchen Botnetzes liegt bei etwa zwei US-Dollar pro Sklavenrechner - angesichts von Netzwerk-Größen von einigen tausend bis zu einer Million Rechnern ist dies ein überaus lukratives Geschäft.

Online-Shops für geheime Daten

Für die Datenräuber lohnt sich die Investition vieler Tausend Dollar in einzige Attacke jedoch durchaus. Bei einem Raubzug etwa lassen sich tausende von Kreditkartendaten und Zugänge zu Bankkonten stehlen. Die können dann zu stolzen Preisen auf dem Schwarzmarkt verhökert werden – das bringt sofort Geld und setzt die Datenräuber nicht dem Risiko aus, selbst Geld über die Kreditkarten stehlen zu müssen. Der Handel läuft ganz offen: Eine einfache Google Suche führt Interessenten sofort ans Ziel, so genannte "credit card dumps" werden in eigenen Online-Shops wie "rimondumps.cc" gehandelt. Hier landet auch die Beute der Phisher – Trickbetrüger im Netz, die ihren Opfern durch geschickte Manipulation ihre geheimen Daten abjagen. Kreditkartennummern gehen hier im Schnitt für vier bis fünf Dollar über den virtuellen Ladentisch, Mindestbestellwert 300 Dollar. Zugänge zu Bankkonten kosten, je nach Kontostand, bis zu mehreren hundert Dollar. Bezahlt wird anonym über Geldtransferdienste wie Western Union, die Profite können in die Millionen gehen.

Diebstahl an der Ladentheke

Erst am Ende der Verwertungskette stehen die Banden, die das Geld der Diebstahlopfer abräumen. Diese Gruppen stellen aus Kreditkartendaten und Rohlingen reale Kopien des gestohlenen Plastikgeldes her. Damit gehen speziell geschulte Teams dann auf Einkaufstour: Diamantenschmuck, teure Uhren, High-Tech, alles was sich leicht weiterverkaufen lässt. Erst hier, beim Diebstahl am Ladentisch, wird aus dem Spekulationsobjekt Kreditkartennummer bares Geld. Hier entstehen die Millionenumsätze der ständig wachsenden Schattenwirtschaft im Netz.

Allein gegen die Mafia

Bekämpfen lässt sich diese Online-Mafia nur schwer. Weil sich Banden aus den verschiedensten Ländern auf einzelne Bereiche eines Raubzuges spezialisiert haben, fällt es Polizeibehörden besonders schwer, die Organisation auszuhebeln. Gelegentliche Fahndungserfolge gegen einzelne Kreditkartenbetrüger fügen dem Verbrecherkartell keinen nennenswerten Schaden zu. Die einzige Chance, die Kriminalität im Netz zumindest einzudämmen, liegt bei jedem einzelnen Anwender selbst. Wer regelmäßig seine Software aktualisiert und sich mit gesundem Misstrauen im Internet bewegt, bekämpft damit das weltumspannende Netz-Verbrechen – wirkungsvoller als jede Sonderkommission.

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