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18-Jähriger findet 190.000 ungeschützte Festplatten im Netz

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Viele Deutsche betroffen  

18-Jähriger findet 190.000 ungeschützte Festplatten im Netz

20.02.2015, 12:49 Uhr | Christian Stöcker, Spiegel Online

18-Jähriger findet 190.000 ungeschützte Festplatten im Netz. Auf den ungeschützten Festplatten liegen vertrauliche Daten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auf den ungeschützten Festplatten liegen vertrauliche Daten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Student kann sich ganz in Ruhe auf Festplatten rund um die Welt umsehen – weil sie völlig ungeschützt am Netz hängen. Auf den Rechnern findet er Erstaunliches: Passwörter, illegale Filmkopien, geheime Dokumente.

Auf dem Internetserver liegen Filme, die schon am Dateinamen offenkundig als illegale Kopien zu erkennen sind. Ein paar Hollywood-Klassiker sind dabei, überwiegend aber vergleichsweise neue Ware von sehr unterschiedlicher Qualität, angesammelt über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren. Es sind Hunderte von Filmen, und im Ordner direkt daneben liegen ergänzend Tausende von MP3-Dateien, säuberlich in Ordner sortiert, von Abba bis The Offspring.

Solche Dateien offen ins Netz zu stellen, ist verboten, nach deutschem Recht gilt das als Verbreitung illegaler Kopien. Und doch hat Pierre Tempel nicht nur einen solchen Server mit Bergen illegaler Kopien gefunden. Sondern Tausende.

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Programm sucht offene Zugänge

Der 18-jährige Informatikstudent hat ein Programm geschrieben, mit dem er das Internet nach offenstehenden Zugängen zu Dateispeichern durchsuchen kann. Dabei zeigte sich, dass sowohl Firmenserver als auch private Netzwerkfestplatten zu Zehntausenden völlig ungeschützt am Netz hängen. Insgesamt umfasst die Liste, die Tempels Software bislang zusammengestellt hat, mehr als 190.000 Einträge. Sie liegt SPIEGEL ONLINE vor. Die betroffenen Rechner und Festplatten sind rund um den Globus verteilt, allein in Deutschland stehen – der IP-Adresse nach zu urteilen – über Zehntausend davon. Auf einem davon fand Tempel zum Beispiel 1,2 Terabyte illegale Filmkopien. Die meisten betroffenen Netzwerkspeicher stehen demnach in den USA, aber auch in Kanada, China, Japan, Russland und in Deutschland stehen viele Laufwerke der ganzen Welt offen.

Auf einem Server, der der Tochter eines großen deutschen Automobilherstellers gehört, lagen sogar Konzeptpapiere und Bewerberunterlagen, völlig ungeschützt. "Es existierte nicht einmal ein Passwortdialog irgendeiner Art", sagt Tempel. "Jeder, der über die entsprechende Adresse verfügte, konnte nach Belieben die kompletten Dokumente herunterladen."

Ausprobieren kann schon reichen

"Zum größten Teil ist das einfach Fahrlässigkeit", sagt Tempel. So ein Netzwerkspeicher, auch Network Attached Storage (NAS) genannt, ist eine praktische Angelegenheit: Man kann damit beispielsweise im Heimnetzwerk Daten hin- und herschieben, Filme oder Musik von dort zum TV-Gerät oder der Stereoanlage streamen – und bei Bedarf auf die eigenen Daten auch aus der Ferne, über das Internet zugreifen. Viele Netzwerkfestplatten bieten dem Eigentümer nämlich die Möglichkeit, einen Fernzugang einzurichten.

Genau da aber liegt das Problem, sagt Tempel: "Die Hersteller müssten die Nutzer eigentlich zwingen, dabei ein Passwort einzurichten." Das aber täten viele augenscheinlich nicht - so dass die Netzlaufwerke einen anonymen Zugang aufweisen, der sich ohne Eingabe eines Passworts ausnutzen lässt. Man muss nur die IP-Adresse des Gerätes kennen – oder, so wie Tempels Software, durch Ausprobieren herausfinden.

Fahrlässigkeit ist gefährlich

Die Fahrlässigkeit von Privatnutzern und Firmen-Administratoren höre aber bei der Einrichtung solcher Zugänge nicht auf, so der Student: "Man darf natürlich auch keine Passwörter im Klartext auf einem Server ablegen." Genau das aber tun sehr viele Menschen offenbar. Da war zum Beispiel der deutsche Elektrohandwerksbetrieb, dessen Netzwerkadministrator eine Liste mit den E-Mail-Nutzernamen und Passwörtern der eigenen Mitarbeiter in einem Textdokument gesichert hat - in einem offen am Netz hängenden Netzlaufwerk. Das Beispiel ist nur eins von sehr vielen.

Auch Login-Daten und Passwörter für weitere Cloud-Speicher wie Dropbox oder Google Drive fand Tempels Suchprogramm im Netz, "etwa 15.000 Zugänge", sagt Tempel.

Abhilfe ist einfach

Für Besitzer solcher Netzwerkspeicher gibt es einen einfachen Ratschlag: Bei der Einrichtung eines Web-Zugangs unbedingt sicherstellen, dass der mit einem entsprechend schwer zu knackenden Passwort ausgestattet ist – und kein weiterer, anonymer Zugang ohne Passwortschutz besteht. Geheim ist die Tatsache, dass diese simple Lücke existiert, nicht, beim Hackerkongress 31C3 zum Jahreswechsel in Hamburg etwa war sie bereits Thema.

Tempel warnt: "Ich bin nicht der Einzige, der das macht. Und andere haben womöglich die Absicht, das zu missbrauchen."

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