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Trojaner auf Merkel-PC ist ein alter Bekannter

15.06.2015, 17:04 Uhr | AFP, t-online.de

Trojaner auf Merkel-PC ist ein alter Bekannter. T-Shirt mit Merkel-Motiv von "Free Your Data". (Quelle: imago/Archivbild IPON)

T-Shirt mit Merkel-Motiv von "Free Your Data". (Quelle: Archivbild IPON/imago)

Das Schadprogramm, das auf einem Rechner im Bundestagsbüro von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefunden wurde, ist angeblich nicht identisch mit dem Trojaner, der für den Hacker-Angriff auf den Bundestag verantwortlich sein soll. Wie das "Handelsblatt" berichtet, handele es sich bei dem Trojaner auf dem Merkel-PC um "Geodo", einen Banking-Trojaner, der vor allem deutsche Nutzer im Visier hat.

Geodo ist nach Angaben von IT-Experten ein typischer Mail-Trojaner, der seit etwa einem Jahr unterwegs ist. Er verbreitet sich per Botnet über gefälschte, deutsche Anschreiben, etwa angebliche Rechnungen von Telekom-Firmen oder falsche Paketbenachrichtigungen. Folgen Nutzer dem darin hinterlegten Link auf ein als PDF-Download getarntes Zip-Paket, installiert sich Geodo und sucht nach Zugangsdaten etwa für Online-Konten. Zugleich nutzt er Kontakte auf dem Rechner, um sich via E-Mail weiter zu verbreiten.

Sowohl die Unions-Bundestagsfraktion als auch das den Bundestag beratende Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) äußerten sich auf Nachfrage nicht zu dem Bericht. Auch eine Stellungnahme des Bundestages lag am Montag zunächst nicht vor.

Verseuchte Merkel-Mail

Am Wochenende hatte die "Bild am Sonntag" gemeldet, dass von einem Rechner in Merkels Bundestagsbüro ein Trojaner per E-Mail verschickt worden sei und dies als Beleg dafür gewertet, dass die Regierungschefin vom aktuellen Cyber-Angriff auf den Bundestag betroffen ist. Bei Bundestagsabgeordneten sei kürzlich eine Mail mit dem Absender "Angela Merkel" eingegangen. Der Link in der Mail sei infiziert. Die Bundestagsverwaltung warnte die Parlamentarier im Intranet vor den Mails.

Im Mai war ein gezielter Cyberangriff auf das IT-Netz des Parlaments bekannt geworden. Dabei ist nach bislang vorliegenden Angaben ein hochprofessionelles Programm in das System eingedrungen und hat mehrere angeschlossene Rechner infiziert. Es kam offenbar auch zu Datenabflüssen, die nach Angaben der Verwaltung des Bundestags seit zwei Wochen aber wohl gestoppt sind. Es sei aber unklar, ob die Attacke schon beendet sei.

Steckt ausländischer Geheimdienst dahinter?

Nach Darstellung von Bundesinnenminister Thomas de Maizìere (CDU) deuten Indizien auf einen ausländischen Geheimdienst als Urheber dieser Attacke hin. Das BSI und die IT-Abteilung des Parlaments arbeiten daran, das betroffene Server-System zu bereinigen. Laut Bundestagsverwaltung ist zumindest eine teilweise Neuaufsetzung der Rechner notwendig. Geräte müssten dafür nach jetzigem Stand allerdings nicht ausgewechselt werden, hieß es.

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach rief auch die Abgeordneten selbst zu mehr Sorgfalt auf. "Wir müssen uns selbstkritisch fragen, ob wir durch unser Verhalten den Datenabfluss nicht erleichtert haben", sagte er der "Passauer Neuen Presse" vom Montag. So würden häufig auch private Geräte an das Bundestagsnetz angeschlossen.

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz kritisierte in Zusammenhang mit dem Cyber-Angriff erneut die Informationspolitik der Bundestagsverwaltung als unzureichend. "Derzeit kann niemand für die Vertraulichkeit der Kommunikation der Abgeordneten garantieren", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Dies sei ein unhaltbarer Zustand.

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