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"Tatort: HAL": Die Super-Intelligenz in der Realität

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Keine Science-Fiction  

So echt ist die Super-Intelligenz im "Tatort: HAL"

29.08.2016, 14:22 Uhr | Yaw Awuku, t-online.de

"Tatort: HAL": Die Super-Intelligenz in der Realität. Das Erkennungsprogramm in der Lobby von Bluesky scannt alle ein, ob Mitarbeiter oder Besucher, auch seinen Entwickler David Bogmann. (Quelle: SWR)

Das Erkennungsprogramm in der Lobby von Bluesky scannt alle ein, ob Mitarbeiter oder Besucher, auch seinen Entwickler David Bogmann. (Quelle: SWR)

Verbrechen erkennen, bevor sie überhaupt passiert sind: Für die künstliche Intelligenz im "Tatort: HAL" ist das ein Kinderspiel. Das mag sich nach abgehobener Science-Fiction anhören, ist von der Realität aber gar nicht so weit entfernt. Zwei Beispiele.

Die Entwickler des intelligenten Computerprogramms im Tatort taufen ihre Schöpfung auf den Namen "Bluesky". Die künstliche Intelligenz (KI) mit dem Aussehen eines Menschenaffen gibt sich selbst den Spitznamen Lucy – eine Anspielung auf die bisher früheste bekannte Vorfahrin des Homo sapiens.

Aber "Bluesky", beziehungsweise Lucy, besitzt nicht nur einen makaberen Sinn für Humor. Die Software ist lernfähig, kann ihren Programmcode selbstständig erweitern. Für das LKA im "Tatort" ist "Bluesky" besonders attraktiv, weil es Verbrechen vorhersagen kann. Der Science-Fiction-Autor Philip K. Dick nannte diese Art der Kriminalprävention "Precrime". Seine düstere Zukunftsvision "Minority Report" (1956) wurde 2002 von Steven Spielberg verfilmt. 

"Tatort: HAL": Science-Fiction-Thriller statt Krimikost. (Screenshot: t-online.de)
"Tatort: HAL": Science-Fiction-Thriller statt Krimikost

Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz müssen den Tod einer jungen Schauspielschülerin aufklären.

"Tatort: HAL": Science-Fiction-Thriller im Rotlichtmilieu.

(Quelle: Bit Projects)


Beispiel 1: "Minority Report" bei der deutschen Polizei

Inzwischen ist Precrime Wirklichkeit geworden. Computerprogramme, die Verbrechen vorhersagen, werden bereits von mehreren Bundesländern getestet – so zum Beispiel die Software "Precops", deren Name ebenfalls auf "Minority Report" anspielt.

"Precops" ist nicht allwissend wie "Bluesky": Die Software errechnet die Wahrscheinlichkeit, mit der sich Verbrechen in verschiedenen Gebieten wiederholen. Dazu wertet "Precops" unter anderem die Polizeiberichte des Vortages aus. Jahresstatistiken über Stadt- und Bevölkerungsentwicklung helfen dabei, besondere Risikogebiete zu identifizieren.

Die Software Precops des Unternehmens Institut für musterbasierte Prognosetechnik (IfmPt) sagt voraus, wo Verbrechen passieren werden. (Quelle: IfmPt)Die Software Precops des Unternehmens Institut für musterbasierte Prognosetechnik (IfmPt) sagt voraus, wo Verbrechen passieren werden. (Quelle: IfmPt)

Derzeit beschränkt sich der Einsatz von "Precops" noch auf ein Feld: Wurden innerhalb von 72 Stunden zwei Einbrüche in demselben Wohngebiet registriert, liegt ein sogenannter "Near Repeat" vor – liegt die Anzahl von Near Repeats deutlich über dem Durchschnitt, schlägt die Software Alarm.

Die Polizei kann entsprechend mehr Einsatzkräfte in dem Risikogebiet auf Streife schicken. Stuttgart vermeldete nach dem Einsatz von "Precops" 30 Prozent weniger Einbrüche. Die Zahlen beziehen sich allerdings auf 2015 im Vergleich zum Vorjahr.

Beispiel 2: Terroristen aus den Massen fischen

Terroranschläge lassen sich nicht so einfach vorhersagen wie Einbrüche. Aber daran wird gearbeitet. Hoch im Kurs stehen Algorithmen, die verdächtige Personen aus den Menschenmassen an Flughäfen und Bahnhöfen picken. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte jüngst eine solche Software.

Genforschung macht's möglich: Faception will mit einer Genauigkeit von 80 Prozent vom Gesicht auf den Charakter von Personen schließen können. (Quelle: Screenshot: Youtube/ Marketing Faception)Genforschung macht's möglich: Faception will mit einer Genauigkeit von 80 Prozent vom Gesicht auf den Charakter von Personen schließen können. (Quelle: Screenshot: Youtube/ Marketing Faception)

Konkrete Pläne zur Umsetzung sind zwar nicht bekannt. Die israelische Firma "Faception" dürfte bei dieser Meldung jedoch die Ohren gespitzt haben. Das Unternehmen vertreibt eine Gesichtserkennungssoftware, die angeblich ohne jegliche Vorinformationen neun der elf Attentäter von Paris als Bedrohung einstufte. Die Entwickler trainieren ihre KI darauf, in Sekundenbruchteilen von dem Gesicht einer Person auf ihre Persönlichkeit zu schließen: Hat sie einen hohen IQ oder wenig Selbstbewusstsein, ist sie beispielsweise ein Wissenschaftler, Pokerspieler oder Terrorist?

Der genaue Algorithmus, mit dem "Faception" arbeitet, ist ebenso wie bei "Precops" ein wohl gehütetes Geschäftsgeheimnis. Das israelische Unternehmen verrät nur so viel: "Faception" nutzt Erkenntnisse aus der Genforschung, um ihre Persönlichkeitsprofile von vollkommen Fremden zu erstellen. Die Trefferquote liegt angeblich bei 80 Prozent – ein Foto oder Video genügt.

Fazit: Ganz schön nah dran

Science-Fiction-Fans und Technik-Freaks hatten beim "Tatort: HAL" genug Gelegenheit, sich die Haare zu raufen. Echte Ermittler werden, zumindest in naher Zukunft, nicht von einem künstlichen Superschurken an der Nase herumgeführt werden. Bei der Entwicklung echter KI steht die Lösung ganz konkreter Probleme im Vordergrund – nur die wenigsten verfolgen den (Alb-)Traum eines künstlichen Bewusstseins. 

Dennoch vereint "Bluesky" lediglich viele Fähigkeiten, die echte Programme bereits besitzen. Auch hier ist Sorge berechtigt, finden Berühmtheiten wie Stephen Hawking, Bill Gates und Elon Musk: Denn je komplexer lernfähige Algorithmen werden, desto schwerer lässt sich ihre Programmierung kontrollieren.

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