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BKA: Zahl der Skimming-Angriffe in Deutschland gestiegen

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Deutsche Bankkarten beliebt  

Wieder mehr Skimming-Angriffe in Deutschland

12.12.2016, 13:51 Uhr | Jörn Bender, dpa

BKA: Zahl der Skimming-Angriffe in Deutschland gestiegen. Kriminelle beobachten mit Mini-Kameras das Tastenfeld eines Bankautomaten. (Quelle: dpa/Archivbild)

Kriminelle beobachten mit Mini-Kameras das Tastenfeld eines Bankautomaten. (Quelle: Archivbild/dpa)

In Deutschland hat die Zahl der Skimming-Versuche im Jahr 2016 wieder zugenommen. Der Grund: Die Daten deutscher Bankkunden stehen bei Kriminellen hoch im Kurs. Die mit Abstand meisten Fälle gab es in Berlin. Der Schaden für die Banken sinkt aber von Jahr zu Jahr.

Mitte Oktober schlagen die Ermittler am Frankfurter Flughafen zu: Die Bundespolizei nimmt zwei Asiaten fest, die gerade aus der Karibik eingeflogen sind. In deren Gepäck: Eine professionelle Ausrüstung zum Ausspähen von Kreditkartendaten, 11 manipulierte Kreditkarten und etwa 100 Kreditkartenrohlinge.

Daten deutscher Bankkunden stehen bei Kriminellen hoch im Kurs. Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) liegt das daran, dass die Inhaber von deutschen Zahlungskarten im internationalen Vergleich über eine hohe Bonität verfügen. "Daher sind deren Karten bzw. Kartendaten bevorzugtes Ziel von Straftätergruppierungen", so das BKA in seinem jüngsten Bericht zum Thema "Skimming" ("Lagebild Zahlungskartenkriminalität 2014").

Berlin liegt bei Skimming-Versuchen vorn

Das erklärt nach Einschätzung von Branchenkennern, warum Datendiebe wieder häufiger an Geldautomaten in Deutschland zuschlagen – obwohl es für sie immer schwieriger wird, ausgespähte Kartendaten und Geheimnummern (PIN) von Bankkunden zu Geld zu machen. Nach aktuellen Zahlen von Euro Kartensysteme manipulierten Kriminelle bis einschließlich November dieses Jahres bundesweit 153 Geldautomaten. Im Gesamtjahr 2015 wurden 118 Fälle registriert. Die Skimming-Angriffe verteilen sich wie folgt auf die Bundesländer:

  • Berlin 108
  • Hamburg 15
  • Nordrhein-Westfalen 7
  • Hessen 6
  • Niedersachsen 4
  • Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern je 3
  • Schleswig-Holstein 2
  • Brandenburg und Rheinland-Pfalz je 1

Mehr Skimming-Versuche, aber weniger Schaden

Gleichzeitig sinkt der Bruttoschaden durch solche Skimming-Angriffe seit Jahren stetig: Ende November 2016 lag er auf dem Rekordtief von rund 1,6 Millionen Euro. Im Dezember gibt es erfahrungsgemäß kaum noch Veränderungen. Im Gesamtjahr 2015 waren es 2,7 Millionen Euro, 2014 noch 3,1 Millionen, 2013 gar 11,3 Millionen Euro.

"Wir nehmen an, dass die Attacken zunehmen, weil es nicht mehr so einfach ist, an verwertbare Kartendaten zu kommen", erklärt Margit Schneider von Euro Kartensysteme. Die Einrichtung kümmert sich im Auftrag der deutschen Kreditwirtschaft um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten. An Fahrkartenautomaten oder Türöffnern von Banken versuchten sich Datendiebe in Deutschland zuletzt nicht mehr.

Neue Technik macht Skimming schwieriger

Vor allem die Einführung der EMV-Technik hat nach Einschätzung der Branche Kriminellen das Handwerk erschwert. EMV-Karten sind mit einer Art Mini-Computer ausgestattet: Der Datensatz wird verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft – und zwar bei jedem Einsatz sowohl am Geldautomaten als auch an der Ladenkasse. In Deutschland sind seit Ende 2010 alle inzwischen gut 100 Millionen Girocards mit EMV-Chip ausgestattet, ebenso sämtliche knapp 60.000 Geldautomaten und 720.000 Terminals im Handel.

Weil sich die EMV-Technik weltweit zunehmend durchsetzt, müssen Kriminelle weit reisen oder gut vernetzt sein, um in Deutschland gestohlene Bankdaten zum Bezahlen oder Einkaufen zu missbrauchen. Kartendubletten funktionieren im Grunde nur noch dort, wo Bezahlkarten nach wie vor mit leicht kopierbaren Magnetstreifen ausgerüstet werden. Bis einschließlich November stellte Euro Kartensysteme vor allem in den USA (39 Prozent Schadensanteil) und Indonesien (27 Prozent) Umsätze mit hierzulande geklauten Daten fest.

Banken kommen für den Schaden auf

Gut für die deutsche Kreditwirtschaft: Wegen internationaler Abkommen müssen die Länder mit den niedrigsten Sicherheitsstandards für Schäden aus betrügerischen Geschäften mit geklauten Kartendaten aufkommen. Daher bleibt nach Branchenschätzungen von dem aktuellen Schaden durch Skimming an Geldautomaten in Deutschland höchstens eine Million Euro an heimischen Banken und Sparkassen hängen.

Gut für Skimming-Opfer: In der Regel ersetzen Banken und Sparkassen den Schaden in voller Höhe – vorausgesetzt Bankkunden sind sorgfältig mit Bezahlkarte und PIN umgegangen. Das gilt auch, wenn die Originalkarte gestohlen wird und Kriminelle dann damit Geld abheben oder einkaufen, wie Sicherheitsexpertin Schneider erläutert. Mit 14,2 Millionen Euro Schaden (Stand Ende November 2016) schlägt der Diebstahl von Zahlungskarten weitaus kräftiger zu Buche als "Skimming" – ein Trend, den Schneider seit Jahren beobachtet.

Viele Verbraucher machten es Taschendieben zu leicht, sagt die Expertin, weil sie die Geheimnummer zusammen mit der Bankkarte im Geldbeutel bei sich tragen. Die Branche habe Milliarden in höhere Sicherheit beim Plastikgeld investiert, resümiert Schneider: "Es liegt jetzt an der Achtsamkeit des einzelnen Bürgers."

Der englische Begriff "Skimming" bedeutet "abschöpfen" oder "absahnen". Er steht für eine Methode, bei der illegal Daten von Bankkarten ausgespäht werden. Dazu manipulieren Kriminelle den Schlitz am Geldautomaten – oder sie versuchen, über gefälschte Türöffner an die Daten zu gelangen. Mitunter wird die Eingabe der Geheimnummer (PIN) auch mit Mini-Kameras gefilmt oder über einen gefälschten Tastaturaufsatz gespeichert. Mit den geklauten Daten erstellen die Täter eine Kartendublette und versuchen dann, damit Geld abzuheben oder einzukaufen.

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