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Die Cyberarmee der Bundeswehr startet

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Kampf gegen Hacker  

Bundeswehr stellt mehr als 13.000 Soldaten für Deutschlands Cyber-Verteidigung bereit

01.07.2017, 16:21 Uhr | Nico Pointner, dpa

Die Cyberarmee der Bundeswehr startet. Die Verteidigungsministerin beim Abschreiten der Cyber-Soldaten. (Quelle: imago/Sepp Spiegl)

Ursula von der Leyen (re), Bundesverteidigungsministerin, General Volker Wieker (mitte) und Generalinspekteur der Bundeswehr und Generalleutnant Ludwig Leinhos (li) Inspekteur CIR, beim Abschreiten der Soldaten Kommando des Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr am 05.04.2017 in Bonn. (Quelle: Sepp Spiegl/imago)

Eine Armee zu Lande, zu Wasser, in der Luft  und nun auch im Internet: Die Cyberarmee der Bundeswehr erlangt im Juli ihre vorläufige Schlagkraft. Mehr als 13.000 Soldaten sind nun offiziell der neuen Truppe unterstellt. Die IT-Krieger sollen Deutschland im Schlachtfeld Internet verteidigen.

Bei der Cyber-Abwehr hinkt Deutschland den USA, China und Russland hinterher. Die Bundeswehr will sich damit für das Schlachtfeld der Zukunft rüsten. Die neue Organisationseinheit Cyber- und Informationsraum steht auf einer Ebene mit Heer, Marine und Luftwaffe. Das Heer aus Hackern soll künftig die Waffen- und IT-Systeme der Truppe schützen. Die Cyber-Streitkraft gilt als Lieblingsprojekt der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen – sie reagiert damit auf zunehmende Attacken auf die Netze der Truppe.

Wie gefährlich sind die Bedrohungen auf dem Cyberschlachtfeld?

Cyberangriffe auf die Bundeswehr sind nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums längst keine Fiktion mehr, sondern bittere Realität. Allein 280.000 Attacken zählten die Streitkräfte in den ersten beiden Monaten diesen Jahres. Das Thema wird laut von der Leyen die nächste Dekade beherrschen. Das zeigt auch die hybride Kriegsführung in der Ostukraine oder Fake-News-Angriffe auf die deutschen Soldaten in Litauen. Aber auch die Systeme und die Infrastruktur der Truppe sind verwundbar: Der Eurofighter allein hat 80 Computer und 100 Kilometer Kabel an Bord. Die zunehmende Vernetzung macht die Truppe angreifbar. Die Abwehr von Angriffen wie die aktuelle Attacke mit der Erpressersoftware Petya auf Firmen weltweit fallen aber weiter in die Zuständigkeit des Innenministeriums.

"Cyber Days" bei der Bundeswehr (Quelle: dpa/Bernd Settnik)"Cyber Days" bei der Bundeswehr: Mit der Veranstaltung wirbt die Truppe um IT-Spezialisten für den Militäreinsatz am Computer. (Quelle: Bernd Settnik/dpa)

Sind die IT-Soldaten schon voll einsatzfähig?

Noch nicht ganz. Von der Leyen gab den Startschuss für das Cyber-Kommando bereits im April. Am 1. Juli werden der neuen Organisationseinheit offiziell 13.500 Soldaten und zivile Kräfte unterstellt. Dafür werden verschiedene Bereiche zusammengelegt, etwa das Militärische Nachrichtenwesen oder das Geoinformationswesen. Die Bundeswehr bündelt einfach bereits vorhandene IT-Strukturen, für die Soldaten ändert sich erstmal wenig - außer, dass sie einem neuen Chef unterstellt sind: Generalleutnant Ludwig Leinhos ist der erste Inspekteur der Cyber-Streitkraft. Er gilt als Experte für elektronische Kampfführung. Voll einsatzbereit soll die Truppe aber erst 2021 sein - dann mit 15.000 Soldaten und zivilen Kräften.

Darf die Truppe nur abwehren, oder auch angreifen?

Ja, auch wenn die Bundeswehr darüber nur ungern redet: Auch Cyber-Attacken gehören klar zu den Fähigkeiten der neuen Armee. Die Bundeswehr übt seit Jahren Cyber-Attacken in einer geheim agierenden Einheit in Rheinbach bei Bonn. Diese knapp 80 Mann starke Einheit soll bis 2021 auf 200 Mann aufgestockt werden. Die IT-Soldaten könnten etwa in einem Auslandseinsatz Kommunikationskanäle des Gegners stören, um ihn zu isolieren. Die Opposition kritisiert eine unklare Rechtslage, was die parlamentarische Kontrolle angeht. Denn das Eindringen ins Datennetz eines Gegners müsste - wie Einsätze mit Jets, Schiffen und Panzern auch - vom Bundestag genehmigt werden. "In dem Moment, in dem wir aktiv eingreifen wollen, geht das nur unter parlamentarischem Vorbehalt", sagt ein Sprecher des Ministeriums.

Ein Werbebild der Bundeswehr (Quelle: Bundeswehr)Mit aufwendigen Kampagnen versucht die Bundeswehr junge IT-Fachleute für den Dienst am Computer zu rekrutieren. (Quelle: Bundeswehr)

IT-Experten sind heißt begeht. Wie kommt die Truppe an den Nachwuchs?

Die Bundeswehr konkurriert im Kampf um die "Nerds" mit der freien Wirtschaft. Bereits 2016 seien 60 Prozent mehr Informatiker eingestellt worden als im Vorjahr, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. 1.330 Bewerbungen gingen im IT-Bereich im ersten Quartal 2017 ein, im Gesamtjahr 2016 waren es gut 3.000. Die Bundeswehr braucht trotzdem händeringend noch mehr IT-Fachkräfte. Deshalb will die Truppe auch selbst ausbilden. Von der Leyen eröffnete erst vor einer Woche ein neues Cyber-Zentrum auf dem Gelände der Bundeswehr-Universität in Neubiberg bei München - inklusive eines neuen Master-Studiengangs, der im Januar 2018 mit zunächst 70 Studierenden starten soll.

Wer sich bei der Bundeswehr für den Cybereinsatz bewerben will findet auf der Webseite mehr Informationen dazu.

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