Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Baby >

Immer mehr ungewöhnliche Vornamen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Namensrecht  

Der Kampf gegen allzu skurrile Vornamen

09.10.2009, 09:59 Uhr | mmh; www.beliebteste-vornamen.de, dpa

Immer mehr ungewöhnliche Vornamen. Kleinkind schneidet Grimassen.

Ungewöhnliche Namen können Kinder belasten. (Bild: Imago)

Prominente machen es vor, doch auch Normalbürger verspüren immer öfter den Wunsch, ihren Sprösslingen unverwechselbare Markenzeichen in Form extravaganter Vornamen zu verleihen. Birkenfeld oder Lütke als männlicher, Oleander oder Sunshine als weiblicher Vorname. Oder ganz besonders skurrile Namensideen wie Pepsi, Porsche, Judas, Pumuckl oder Hasi - fast alles scheint möglich. Standesbeamte, die den Namen eintragen müssen, fragen angesichts des Strebens nach Individualität immer öfter: Ist das zulässig?

Mehr als 10.000 Rufnamen sind im Umlauf

Es gibt in Deutschland zwar kein Namensgebungsgesetz, aber Verwaltungsvorschriften mit Dienstanweisungen und Rechtsprechungen. Daran können sich die Beamten im Zweifel entlang hangeln. "Paare lassen sich immer häufiger skurrilere Namen einfallen", sagt Joachim Tryba. Er ist Fachberater beim hessischen Landesverband der Standesbeamten. "Die Vielfalt an Vornamen hat sich enorm erhöht", beobachtet Gerhard Müller von der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden. Während man sich vor etwa 50 Jahren noch aus einem Vorrat von bis zu 1000 traditionellen Vornamen bediente, seien mittlerweile weit mehr als 10.000 Rufnamen im Umlauf.

Ungewöhnliche Namen können Kinder belasten

"Viele Eltern machen sich offenbar keinen Kopf darüber, was sie ihren Kindern mit Namen antun können. Viele denken offenbar: je ungewöhnlicher, desto besser", vermutet Tryba. Doch Deutschland ist im Vergleich zu den USA nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. "Es dürfen keine lächerlich wirkenden Namen sein oder welche, die sich wahrscheinlich als lebenslange Belastung erweisen", erläutert Tryba. Andererseits fragten sich einige Eltern, was der Staat bei der Namensgebung mitzureden habe, sagt Müller.

Welche Regeln sind zu beachten?

Es gibt einige allgemeine Regeln: Der Name oder zumindest ein zweiter ergänzender, muss das Geschlecht des Kindes erkennen lassen. Er darf kein Titel wie zum Beispiel "Prinzessin" sein, Orts- oder Markenname (wie "Escada") sein. Auch die Anzahl der Vornamen ist für gewöhnlich nicht unbegrenzt: Es liegt im Ermessen des Standesbeamten, wie viele Namen ein Kind bekommen kann. Als Faustformel gilt: Sieben "normale" Vornamen oder fünf selten gebrauchte sind laut Tryba erlaubt. Zuweilen müssen die Differenzen bei der Vornamensgebung vor Gericht gelöst werden. So wurde vor einigen Jahren entschieden, dass der Vorname "Frieden-Mit-Gott-Allein-Durch-Jesus-Christus" bei allem Respekt vor der Religiosität nicht geht.

Gerichtsverfahren um Vornamen

In Deutschland werden pro Jahr Dutzende Gerichtsverfahren im Streit um Vornamen geführt. Vom Amtsgericht aufwärts kann der Weg theoretisch bis in höchste Instanzen führen. Damit es nicht zum Äußersten kommt, appellierte der Präsident der Standesbeamten, Jürgen Büssow, an seine Kollegen: Sie müssen "viel Fingerspitzengefühl und umfassende Rechtskenntnisse haben", um befriedigende und abgesicherte Lösungen zu finden.

Promis sind sehr einfallsreich

Im Ausland wird bei den Vornamen liberaler verfahren. Das scheinen besonders Promis zu schätzen. Die Schauspieler Angelina Jolie und Brad Pitt entschieden sich beim ersten Töchterchen 2006 für Shiloh Nouvel. Im Juli 2008 erblickten die Zwillinge namens Vivienne Marcheline und Knox Léon das Licht der Welt. Popstar Madonna nannte eines ihrer Kinder Lourdes Maria. Michael Jackson nummerierte seine Söhne: Auf Prince Michael I. folgte Prince Michael II. Der irische Musiker Bob Geldorf nannte seine Töchter Fifi Trixibelle, Peaches und Pixie.

Männlich oder weiblich?

Hierzulande hilft die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden, wenn die Standesbeamten nicht weiter wissen. Die Wissenschaftler und Experten geben Auskünfte und erstellen Gutachten. "Unsere Beamten wissen manchmal schlichtweg nicht, ob der gewünschte Rufname nun männlich oder weiblich ist", sagt Tryba. Der Germanist und Namensforscher Müller schaut in zahlreiche Vornamensbücher und lange Listen der eigenen Dokumentation, in denen mehr als hunderttausend Namen verzeichnet sind. Müller und seine Kollegen können sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. "Wir haben pro Jahr etwa 2000 Anfragen." Noch vor 15 Jahren wurden die Experten im Jahr nur einmal in 100 Fällen schriftlich zurate gezogen.

Namensdatenbank gefordert

Müller wünscht sich von den Standesbeamten, dass sie jeden eingetragenen Namen nach Wiesbaden melden - für den Aufbau einer Namensdatenbank. Die Datenbank hätte Vorteile. Dann würde es nicht mehr vorkommen, dass in der einen Stadt ein seltener Name akzeptiert wird und in der anderen nicht. "Wer weiß schon, dass 'Dior' nicht nur ein Markenname ist, der nicht akzeptiert würde, sondern auch ein albanischer Jungenname."


Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Wahnsinn 
Cleverer Hund überwindet Gartenzaun mit Trick

Kaum zu glauben, wie der Hund es schafft zu seinen Freunden zu gelangen. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal