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Schrei-Check für gestresste Eltern

| sca; iri, dpa

. Wenn Babys schreien, sind viele Eltern schnell mit den Nerven am Ende.

Wenn Babys schreien, sind viele Eltern schnell mit den Nerven am Ende. (Bild: Archiv)

Unaufhörliches Schreien bei Neugeborenen rührt oft von Bauchkoliken her. Für Eltern ist es schwierig, die Babys zu beruhigen. Das Dauerweinen ihres Nachwuchses verursacht bei ihnen häufig Stress und Frustration. In manchen Fällen sind die Eltern sogar so überfordert, dass sie ihre Kinder verletzen, um sie zur Ruhe zu bringen. Bislang war es schwierig, eine Behandlungsmöglichkeit für Kinder mit Koliken zu finden. Doch nun haben US-amerikanische Forscher von der University of Texas Medical School herausgefunden, dass die Koliken der Kinder von einer bestimmten Bakterienart verursacht werden.

Koliken als Vorstufe für entzündliche Krankheiten

Die Experten konnten die Klebsiella-Bakterien und von ihnen hervorgerufene Infektionen laut dem Magazin "Science Daily" im Darm der von Koliken betroffenen Babys nachweisen. Der Kinderarzt Professor J. Marc Rhoads vermutet, dass die Koliken und Infektionen eine Vorstufe anderer entzündlicher Erkrankungen, darunter das Reizdarmsyndrom, sein könnten. In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher nun klären, ob sich durch das Verabreichen probiotischer Nahrung die Besiedlung des Darms mit Klebsiella reduzieren oder verhindern ließe.

Drei-Monats-Koliken sind ungefährlich

Man weiß heute, dass Koliken bei Frühgeborenen vor allem auf die fehlende Reifung von Verdauungssystem und Darmmuskulatur sowie auf das unbeabsichtigte Luftschlucken bei künstlicher Beatmung zurückgehen können. Bei den Drei-Monats-Koliken nach einer Normalgeburt tappt die Medizin jedoch bisher im Dunkeln. "Wir wissen nicht, was genau Koliken auslöst. Nach heutigem Stand sind sie ungefährlich, plagen jedoch Babys wie auch ihre Eltern ungemein", bestätigt ein, auf Neugeborene spezialisierter Arzt der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Eine der Ursachen könnte die Einnahme blähender Speisen und Getränke durch die Mutter sein, die per Milch an das Neugeborene weitergegeben werden. Kinderärzte empfehlen daher, nach dem Stillen die mitgeschluckte Luft aufstoßen zu lassen.

Hausmittel zur Linderung

Verzweifelte Eltern sind bisher im Bedarfsfall auf Hausmittel angewiesen. "Wärmewickel mit Kirschkernsäckchen entspannen die Darmmuskeln und lösen Krämpfe. Man kann das Baby auf den Unterarm nehmen, mit leichtem Gegendruck halten oder den Bauch im Uhrzeigersinn massieren, was Gase leichter nach außen gelangen lässt. Es gibt zwar Medikamente, die die Schaumbildung im Darm mildern, leider wirken sie jedoch nicht bei jedem Neugeborenen", so der Neonatologe.

Das Kind nicht schütteln

Lässt sich ein schreiender Säugling nicht beruhigen, darf er keinesfalls geschüttelt werden. Denn dies kann schwere Schäden hinterlassen oder sogar zum Tod des Babys führen, warnt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Köln. Bevor Eltern im Affekt handeln und dies später bereuen, sollten sie lieber das Zimmer verlassen oder eine Schreiambulanz aufsuchen.

Schwere Hirnverletzungen

Etwa 100 Säuglinge erleiden hierzulande jedes Jahr schwere Gehirnverletzungen, weil sie von ihren meist überforderten Betreuern geschüttelt wurden. Diese Zahl von Kindern mit Schütteltrauma meldet die Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland. Die Dunkelziffer liegt nach Einschätzung des BVKJ aber vermutlich höher. Als Risikofaktor oder Auslöser für ein Schütteltrauma haben Experten inzwischen das übermäßige Schreien von Babys ermittelt. Hirnverletzungen aufgrund von Gewalteinwirkung sind die häufigste Todesursache im zweiten Lebenshalbjahr eines Säuglings.

Schon kurzes Schütteln kann "reichen"

"Das Baby hat einen überproportional großen Kopf mit relativ hoch sitzendem, stark wasserhaltigen Gehirn, so dass schon etwa fünf Sekunden heftiges Schütteln des Babys ausreichen, um das Gehirngewebe starken Flieh- und Rotationskräften auszusetzen", erläutert Prof. Hans-Jürgen Nentwich, BVKJ-Vorstandsmitglied. Blutgefäße und Nervenbahnen reißen, es kann zu Hirnblutungen und Hirnverletzungen kommen. Auch Blutungen an der Augennetzhaut sind möglich. "Über zwei Drittel der betroffenen Kinder leiden unter Seh-, Hör- und Sprachstörungen beziehungsweise bleibenden Behinderungen, bis zu einem Viertel sterben an den Verletzungsfolgen", warnt der Mediziner.



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