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Stillen  

Lassen Sie sich bei Stillproblemen nicht beeinflussen!

08.02.2013, 10:59 Uhr | Simone Blass, t-online.de

Stillen: Lassen Sie sich bei Stillproblemen nicht beeinflussen!. Oft fehlt Müttern die richtige Unterstützung, wenn das Stillen nicht richtig klappt. (Quelle: imago)

Oft fehlt Müttern die richtige Unterstützung, wenn das Stillen nicht richtig klappt. (Quelle: imago)

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt und die optimale Art, sein Baby zu ernähren. Theoretisch. Praktisch aber handelt es sich um eine Kunst, die sowohl Mutter als auch Kind erst erlernen müssen. Sind Stillprobleme sind deshalb ganz normal, aber sie können Mütter an den Rand der Verzweiflung bringen. Wichtig ist, sich nicht unter Druck setzen zu lassen.

Nur jede dritte Mutter stillt ihr Kind wie empfohlen ein halbes Jahr lang überwiegend oder ausschließlich. Viele Frauen geben wegen Schwierigkeiten frühzeitig auf und bedauern dies im Nachhinein. Manche machen sich sogar Vorwürfe, das eigene Kind nicht satt bekommen zu haben. Dabei könnte kompetente Hilfe im richtigen Moment einiges bewirken. Jeder Frau steht nicht nur im Wochenbett, sondern während der gesamten Stillzeit eine Hebamme zu. Zusätzlich kann man das Angebot von Stillgruppen in der Umgebung nutzen, bei denen man sich mit anderen Müttern austauschen kann. Man kann sich aber auch gezielt an eine Stillberaterin wenden. Das sind stillerfahrene Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren, um Müttern zu helfen, indem sie ihnen unter anderem Ängste und Unsicherheiten nehmen.

Stillprobleme wegen schlechter Vorbereitung

"Es gibt zu viele Frauen, die zu wenig über das Stillen wissen und dann unsicher werden, wenn es nicht so klappt, wie sie es sich vorstellen. Oft aber fehlt es nur an der nötigen Information oder ein wenig Unterstützung", so Melanie Krüger, Stillberaterin bei La Leche Liga. "Es wäre sinnvoll, wenn Frauen in der Geburtsvorbereitung oder auch beim Frauenarzt bereits im Vorfeld ausführlicher über das Stillen informiert werden würden. Viele Probleme gäbe es nicht, wenn die Frauen von vornherein genauer wüssten, was auf sie zukommt."

Frauen werden unnötig verunsichert

Denn Stillen ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Das eine weiß sofort, was es zu tun hat, das andere braucht eine Weile, um die richtige Technik zu erlernen. Das eine ist hektisch, das andere gehört zu den Genießern und benötigt unglaublich viel Zeit. Aber auch die Mutter braucht oft ein wenig Übung bzw. Unterstützung, um z.B. verschiedene Anlegetechniken sicher anwenden zu können und bei Schwierigkeiten mit der Brust richtig zu reagieren. "Die Frauen kommen meist dann auf uns zu, wenn die Hebamme nicht mehr weiter weiß. Oder wenn der Kinderarzt sie verunsichert. Und fast immer können wir helfen.“

"Sie wollen doch Ihr Kind nicht verhungern lassen?"

Viele Mütter lassen sich mangels Erfahrung durch ihre Umgebung sehr beeinflussen, vor allem dann, wenn sie das Gefühl haben, das Kind habe dauernd Hunger. Einfach ist es nicht, in einer solchen Situation keine Hektik aufkommen zu lassen. "Das Wichtigste, um die Milchmenge zu steigern, ist Ruhe bewahren. Am besten mit dem Kind ins Bett legen, vom Beginn an gerechnet alle zwei Stunden stillen und zwar immer mit beiden Brüsten, viel Hautkontakt halten, warme Tücher auflegen und keine künstlichen Sauger wie Schnuller verwenden, dann kommt die Milch schon in Gang." Die LLL-Beraterinnen geben übrigens nur fundierte und wissenschaftlich belegte Informationen weiter. Tipps wie das Verwenden von Milchbildungsöl, das Trinken bestimmter Tees und das Anwenden von homöopathischen Mitteln bekommt man dann eher von Mutter zu Mutter. Und wenn das Kind in den ersten Wochen fünf- bis sechsmal am Tag eine nasse Windel hat, regelmäßig zunimmt, eine feste Haut hat und vor allem in seinen Wachphasen aufmerksam und aktiv ist, dann kann man sicher sein, dass es genug abbekommt.

Einsatz einer Milchpumpe kann bei Stillproblemen helfen

Auch eine gute Milchpumpe kann dabei helfen, den Milchfluss in Gang zu bringen. Sie löst den Milchspendereflex aus, was dem einen oder anderen Baby manchmal noch nicht so gut gelingt. Und daher nehmen viele Mütter diese Möglichkeit vor allem zu Beginn der Stillzeit auch wahr. Eine repräsentative infas-Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat ergeben, dass jede vierte Mutter sich eine Milchpumpe im Fachhandel ausleiht. Wie viele eine Handpumpe zuhause haben, beziehungsweise sich eine leihen, wurde nicht untersucht, es dürften aber deutlich mehr sein.

Zuviel stillen kann schmerzhaft sein

Doch die meisten Frauen produzieren am Anfang sowieso nicht zu wenig, sondern zu viel Milch und es dauert eine Weile, bis sich Brust und Kind aufeinander eingespielt haben. Das kann durchaus schmerzhaft sein. "Hier kann man warten, man kann aber auch etwas dagegen machen und zum Beispiel immer nur eine Brust pro Mahlzeit anbieten und die andere etwas ausstreichen. Wenn die Brust nicht entleert wird, dann könnte es nämlich zu einem Milchstau und schlimmstenfalls zu einer Brustentzündung kommen." Aber selbst eine Mastitis, wie der Fachausdruck heißt, ist kein Grund zum Abstillen.

Das Prinzip von Angebot und Nachfrage

Prinzipiell ist es kein Problem, auch Zwillinge und selbst Drillinge voll zu stillen. Der Körper stellt sich, wenn man die Kinder von Anfang an häufig genug anlegt, auf die erhöhte Nachfrage ein. Da Mehrlinge aber häufig Früh- oder Kaiserschnittgeburten sind, braucht die Mutter oft etwas Unterstützung. Durch Abpumpen erhalten die Babys trotzdem die wertvolle Muttermilch und die Milchproduktion wird angeregt. Entscheidend für den Stillerfolg ist bei Zwillingen oft die richtige Stillposition. Man kann sie nacheinander stillen, aber auch gleichzeitig. Das hat für den trinkschwächeren Zwilling den Vorteil, dass der saugkräftigere für ihn den Milchspendereflex auslöst.

Hilfe, mein Baby befindet sich im Streik

Von einem Stillstreik redet man dann, wenn ein Kind unter einem Jahr die Brust verweigert. Auch dann heißt es, Ruhe bewahren und dem Baby ohne Zwang die Brust immer wieder anbieten. Viel Kuscheln, das Baby im Halbschlaf stillen, verschiedene Positionen und Orte wie auch mal die Badewanne ausprobieren, das alles kann helfen, Mutter und Kind innerhalb weniger Tage wieder auf eine Linie zu bringen. "Manchmal hat die Frau auch einfach nur ein anderes Pflegeprodukt als sonst verwendet oder etwas gegessen, was sie noch nie zuvor gegessen hat, gelegentlich sind es auch die Zähnchen, die dem Kind zu schaffen machen. Hier hilft es, vorübergehend abzupumpen und dem Baby mit einem Löffel oder einem biegsamen Becher die Milch anzubieten."

Auch eine erneute und oftmals während der Stillzeit unbemerkte Schwangerschaft kann das Baby zum Streiken bringen. In diesem Fall allerdings wird es etwas schwieriger. Geschmack und Zusammensetzung der Milch verändern sich, der weibliche Körper stellt sich auf die neue Schwangerschaft ein und wenn man trotzdem weiterstillen möchte, sollte in diesem Fall das Gewicht des gestillten Babys etwas engmaschiger kontrolliert werden, um sicherzugehen, dass es auch genügend abbekommt.

Stillen nach der Uhr?

Immer wieder hört man, es sei wichtig, bestimmte Pausen zwischen den Stillmahlzeiten einzuhalten. Das Argument: Unverdaute Milch treffe sonst auf verdaute und das könne zu Bauchschmerzen führen. Doch davon halten Melanie Krüger und ihre Kolleginnen gar nichts. "Muttermilch ist sehr leicht verdaubar. Das Gehirn des Babys befindet sich in einem Wachstumsprozess und braucht dafür Nahrung. Damit das Kind sich optimal entwickeln kann, sollte man sich nach dem Bedarf des Babys richten. Und die Befürchtung, es könne dabei zu dick werden ist völlig unnötig. Im Gegenteil, je länger ein Kind gestillt wird, desto eher ist es vor späterem Übergewicht geschützt." Hinzu kommt, dass es sich beim Stillen nicht um eine reine Nahrungsaufnahme handelt. "Es heißt ja auch stillen und nicht füttern. Stillen bedeutet, dass das Kind alle seine Bedürfnisse stillen kann, die es hat. Nähe, Liebe und Hunger. Gerade deswegen ist es sinnvoll, nach Bedarf zu stillen."

Die eigene Verfassung ist beim Stillen wichtig

Stillen ist das Beste für Ihr Baby. Diesen Satz liest man überall und er kann Mütter ziemlich unter Druck setzen. Denn es gibt Situationen im Leben, die die Mutter aus dem Tritt bringen. Die es kaum zulassen, die nötige Ruhe zu schaffen. Nervosität und Stress können dann den Milchfluss deutlich verringern und es der Frau auch psychisch erschweren, ihr Baby auf diese Weise zu ernähren. Auch gibt es medizinische Gründe, die es Frauen unmöglich machen, zu stillen. Und es gibt Frauen, die sich einfach nicht damit anfreunden können. Dann ist es besser für Mutter und Kind, das Stillen zu lassen und die Nähe auf andere Weise zu schaffen. Inzwischen bietet der Markt in Form von Pre-Milch auch eine Ernährung an, die der Muttermilch extrem gleicht. Sie ist zwar eigentlich als Ernährung für die ersten Lebenswochen gedacht. Doch laut dem Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund können Babys damit auch problemlos das gesamte erste halbe Jahr ernährt werden.

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