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Plötzlicher Kindstod (SIDS): Risikofaktoren, Anzeichen und Ursachen

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Plötzlicher Kindstod  

Plötzlicher Kindstod - warum stirbt ein gesundes Kind im Schlaf?

11.07.2013, 16:53 Uhr | mmh, t-online.de

Plötzlicher Kindstod (SIDS): Risikofaktoren, Anzeichen und Ursachen. Plötzlicher Kindstod - das Risiko steigt im Elternbett. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Plötzlicher Kindstod - das Risiko steigt im Elternbett. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Plötzlicher Kindstod - unfassbar, aus heiterem Himmel und aus immer noch ungeklärten Ursachen, sterben plötzlich Babys und Kleinkinder im Schlaf, die eigentlich völlig gesund sind. Was ist SIDS - dieses Sudden Infant Death Syndrom? Was sind die Gründe für den plötzlichen Kindstod? Mediziner suchen immer noch nach den Ursachen für dieses Phänomen. Wir stellen die aktuell diskutierte Theorie vor.

Albtraum der Eltern: der plötzliche Kindstod

Betretene Gesichter im Geburtsvorbereitungskurs: Plötzlicher Kindstod. Das will man eigentlich gar nicht hören, dass ein gesundes Baby plötzlich zu atmen aufhört. Angst macht sich breit. Kann man wirklich nichts machen? Sind Eltern wirklich hilflos gegenüber dieser rätselhaften Todesursache? Eltern sollten wissen, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen.

Die wichtigsten Tipps zur Vorbeugung

  • Nicht in der Umgebung des Kindes rauchen - dies gilt als wichtigster Vermeidungsfaktor
  • Wenn möglich sechs Monate stillen
  • Kinder bis zu einem Jahr in Rückenlage schlafen lassen
  • Schlafzimmertemperatur 16 bis 18 Grad
  • Der Kopf sollte nicht von Bettzeug bedeckt sein (Luftzirkulation)
  • feste, luftdurchlässige Matratze
  • Säuglinge im Elternschlafzimmer schlafen lassen
  • Unterkühlung und Überhitzung vermeiden
  • Sich informieren, was im Notfall zu tun ist


Was ist eigentlich SIDS?

Der Name sagt alles, es ist das plötzliche, unerwartete, unerklärliche Sterben eines Babys, meist nachts im Schlaf. Im Englischen heißt es Sudden Infant Death Syndrome, deshalb ist auch die Abkürzung SIDS gebräuchlich. Forschung und Präventivmediziner in der Kinderheilkunde stehen immer noch vor einem Rätsel und vor einer große Herausforderung. Für viele junge Eltern bedeutet es eine Bedrohung, die ihnen Angst macht, für die Betroffenen Schock und Trauer. Denn das Kind ist ganz offensichtlich gesund gewesen, dann finden es die Eltern tot im Bettchen. Deshalb wird in solchen Fällen auch jede andere Todesursache ausgeschlossen, wie zum Beispiel Infektionen, Stoffwechselkrankheiten, Blutungen, Unfälle (Vergiftung, Stromschlag, Sturz) oder vorher bestehende Krankheiten. Nach dem "Triple-Risk Model" kann es zum SIDS kommen, wenn drei Bedingungen gleichzeitig auftreten: Das Kind befindet sich in einem verwundbaren Entwicklungsstadium des Nerven- und Immunsystems, es liegen genetisch bedingte Faktoren vor, und es kommen Stressfaktoren von außen dazu.

Plötzlicher Kindstod: Altersgruppen und Häufigkeiten

Das Risiko für einen Säugling liegt bei 0,04 Prozent, im Jahr 2008 starben in Deutschland 215 Kinder daran, so teilt die Stiftung Kindergesundheit in München mit. Damit sei die Häufigkeit innerhalb von zehn Jahren von 0,79 pro 1000 Babys auf 0,31 pro 1000 gesunken. Es ist im ersten Lebensjahr die häufigste Todesursache für Kinder, etwa eines von 1400 Neugeborenen stirbt in westlichen Industrieländern daran. Das ist deshalb so, weil es dank der guten medizinischen Versorgung und des relativ guten Lebensstandards hier kaum andere Todesursachen gibt. Die größte Häufung liegt zwischen dem zweiten und dem vierten Lebensmonat, selten vor dem zweiten oder nach dem sechsten Lebensmonat, fast nie nach dem ersten Lebensjahr. Jungs sind mit 60 Prozent häufiger betroffen als Mädchen, zwei Drittel aller Todesfälle ereignen sich in den Wintermonaten.

Ursachen von plötzlichem Kindstod ungeklärt

Es gibt einige Theorien über dieses Phänomen, doch abschließend geklärt ist es immer noch nicht. Die Schlafposition, eigenes Bett oder Familienbett, Gifte in Matratzen, Weichmacher, ein gestörter Blutfluss oder Impfreaktionen wurden verantwortlich gemacht. Mediziner und Wissenschaftler versuchen die Ursachen durch Befragungen, durch Statistiken und Ausschlusskriterien zu finden, doch sie stochern im Nebel. Insgesamt gibt es über 200 Theorien. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, beispielsweise eine Infektion (äußerer Faktor) und innere Faktoren, wie eine Veranlagung. Neben der Bauchlage sei derzeit das Rauchen das wichtigste vermeidbare Risiko für den Plötzlichen Kindstod. Raucht die Mutter bis zu zehn Zigaretten am Tag, erhöhe sich das SIDS-Risiko um das Dreifache, bei mehr als 20 Zigaretten sogar um das Neunfache.

Riskante Phase: Übergang von Wachzustand zum Schlaf

Neuere Ansätze gehen davon aus, dass eine Störung der Steuerung von Atmung und Herztätigkeit im Gehirn der Auslöser ist. Hintergrund: Das Gehirn von Säuglingen entwickelt sich im ersten Lebensjahr ziemlich rasch, ständig passiert etwas in der Entwicklung und neu gebildete Strukturen im Gehirn werden "zugeschaltet“. Dazu kommt, dass die Phase zwischen Schlafen und Wachen ein sehr sensibler Übergang ist und für das Gehirn das Umschalten zwischen Tiefschlaf und Traumphase (REM-Schlaf) sehr intensiv ist. In diesen kritischen Phasen arbeitet das Gehirn etwas instabil. Man merkt dies gelegentlich in einem kurzen, aber heftigen Zucken beim Einschlafen oder einer kurzen Atempause. Dieses Stocken oder Zucken ist auch bei Erwachsenen normal.

Atmung und Herzschlag setzen kurz aus

Wenn bei Babys nun diese Übergangsphase und das Zusammenschalten von Gehirnstrukturen zusammentreffen, kann es zu  Anpassungsschwierigkeiten kommen. Diese Anpassungsprobleme wiederum können die Funktion des Gehirns so stark stören, dass die Steuerung der Atmung und des Herzschlags für eine kurze Zeit aussetzt. Normalerweise ist diese Zeit so kurz, dass ein Kind von diesem instabilen Zustand wieder  in einen ungestörten Ablauf findet. Findet es jedoch nicht rechtzeitig zurück, dann setzen Atmung und Herzschlag zu lange aus und es führt dies zum plötzlichen Kindstod. Je älter das Kind ist, desto reifer ist das Gehirn und arbeitet stabiler, damit nimmt das SIDS-Risiko immer weiter ab.

Weitere Faktoren für den plötzlichen Kindstod

Auch Kinder, die zu früh oder unreif geboren wurden, scheinen stärker gefährdet zu sein, vermutlich weil ihr Gehirn auch weniger weit entwickelt ist. Dazu gehören Kinder mit geringem Geburtsgewicht, Mehrlingsgeburten und Babys mit mehreren älteren Geschwistern. Eine erbliche Veranlagung scheint ebenfalls möglich zu sein, genauso wie rauchende Eltern und fehlendes Stillen das Risiko erhöhen. Auch scheint es Kinder drogenabhängiger Mütter öfter zu treffen. Ebenso wird diskutiert, ob das Schlafen in Bauch- und Seitenlage eine Ursache sein könnte oder die Überhitzung des Babys. Allerdings sind nicht alle dieser Erklärungsversuche wissenschaftlich ausreichend belegt.

Familienbett nicht ratsam

Eine niederländische Studie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass das Teilen des Betts mit dem Kind bei Babys im Alter zwischen einem und zwei Monaten das Risiko für den Kindstod um den Faktor neun erhöht, so der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte BVKJ. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rät zum eigenen Kinderbett - insbesondere, wenn ein Elternteil oder beide Raucher sind.

Ein Säugling braucht kein Kissen. Die Ärzte vom BVKJ raten, in den ersten zwei Lebensjahren darauf zu verzichten. Mit einem Kissen besteht der BZgA zufolge das Risiko, dass der Kopf einsinkt und es zu Überhitzung oder Atemrückstau kommt. Am besten übernachte das Baby in einem Schlafsack, wobei der Halsumfang nicht größer als der Kopf sein darf. Eine Decke berge die Gefahr, dass das Kind darunter rutscht. Die Matratze sollte nicht dicker als zehn Zentimeter und eher fest sein, damit das Kind nicht mehr als zwei Zentimeter einsinkt.

Risikogruppen

Rein statistisch gesehen gelten auch Kinder sehr junger Mütter, aus sozial benachteiligten Familien, Kinder Alleinerziehender oder von drogenabhängigen Müttern oder Babys, die im Schlaf stark schwitzen als stärker gefährdet. Jedoch ist der Kindstod nicht vorhersehbar und kommt in allen gesellschaftlichen Gruppen vor. Dies sind nur statistische Häufigkeiten.

Alarmzeichen deuten

Gelegentlich können Symptome einer leichten Erkältung dem plötzlichen Kindstod vorangehen. Das beschriebene Stocken der Atmung ist normal, wenn die Eltern allerdings beobachten, dass dieses gelegentlich länger als 20 Sekunden andauert, dann ist dies ein ernstes Warnsignal. Ebenso wenn ein Kind in dieser so genannten Apnoe-Phase an Armen und Beinen blau anläuft oder schlaff im Bett liegt, sollte es eingehend untersucht werden. Die Atmung und Herzfrequenz dieses Kinder kann - so eine Empfehlung - während des Schlafens mit einem Monitor überwacht werden. Die Eltern würden in solch einem Fall mit dem Gerät vertraut gemacht werden. Der Nutzen dieser Monitor-Überwachung ist allerdings umstritten.

Hilfe im Notfall

Eltern eines gefährdeten Kindes sollten sich mit Wiederbelebungstechniken, beispielsweise Herzmassage oder Mund-zu-Mund-Beatmung auseinandersetzen. Mit dem behandelnden Arzt sollte ein Alarmplan ausgearbeitet und geübt werden. Erster Schritt wäre, das Kind durch Ansprechen oder einen Reiz (Zwicken, Piksen) zu wecken. Erste Hilfe-Kenntnisse sollten sich sowieso alle Eltern aneignen.

Wichtigste Vorbeugung

Stillen, kein Passiv-Rauchen und eine unaufgeregte, möglichst stressfreie Umgebung scheinen die beste Vorbeugung gegen den Kindstod zu sein. Außerdem sollte das Baby nicht in Bauch- oder Seitenlage schlafen, die Rückenlage halbiert das Risiko. Im Bettchen sollte möglichst wenig liegen, keine Kuscheltiere oder dicke Decken oder Kissen. Am besten schläft das Baby im Babyschlafsack, der wie ein Strampler angezogen wird und nicht verrutschen kann. Decken oder Kissen können über das Köpfchen rutschen. Auch Lammfell, Wärmeflasche oder isolierende Decken sollten nicht ins Kinderbett. Seit 1991 wird auch in Deutschland in den Entbindungskliniken und von Hebammen die Rückenlage als Schlafposition empfohlen, das hat zur Folge, dass die Zahl der SIDS-Fälle drastisch abgenommen hat (von 1285 Fällen in 1991 auf 367 Fälle in 2002, also von 1,55 auf 0,51 pro 1000 lebendgeborener Kinder).

Rauchen ist Hauptrisiko

Raucht eine Mutter während der Schwangerschaft, kann sich dies schädlich auf das Blutdruck-Kontrollsystem des heranwachsenden Kindes auswirken. Hierdurch steigt nach der Geburt die Gefahr des plötzlichen Kindstodes, glauben schwedische Forscher vom Karolinska Institut. Sie analysierten Blutdruck und Herzrate von Babys, deren Mütter während der Schwangerschaft durchschnittlich 15 Zigaretten am Tag geraucht haben. Dabei sind unnormale Herzschlagraten und Blutdruckverläufe bei den Babys im Alter von einer Woche aufgefallen. Haben die Wissenschaftler die Säuglinge im Schlaf aufgerichtet, ist der Blutdruck der Kinder um bis zu zehn Prozent in die Höhe geschnellt. Bei gleichaltrigen Neugeborenen von nicht rauchenden Müttern hat der Blutdruckanstieg dagegen nur etwa zwei Prozent betragen. Im Alter von einem Jahr reagieren die Babys der rauchenden Mütter mit einem zu geringen Anstieg des Blutdrucks, was für das Herz-Kreislauf-System ebenfalls schädlich sein kann. Aus diesen Ergebnissen schließen die Experten, dass die Herzen von Raucherkindern stärkeren Belastungen ausgesetzt sind, was offenbar zu einem plötzlichen Versagen der Pumporgane führen kann.

Eltern werden von Schuldgefühlen geplagt

Die betroffenen Eltern werden meist von schrecklichen Schuldgefühlen geplagt. Oft stürzt die gesamte Familie in eine tiefe seelische Krise, bis hin zu schweren Depressionen, auch Geschwister leiden darunter. Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen hilft. Oft kann auch eine psychologische Betreuung wichtig sein. Zur Trauer kommt auch noch die Untersuchung durch die Polizei, die ausschließen muss, dass Misshandlung oder Verwahrlosung zum Tod geführt haben könnte. Die rätselhafte Diagnose "Plötzlicher Kindstod" hilft den Eltern nicht in ihrer Trauer und dem Abschied nehmen, sie bleiben allein mit ihrer Suche nach der Ursache.

Medizinisch spricht nichts gegen eine neue Schwangerschaft nach dem Verlust eines Kindes durch SIDS, auch wenn kein Kind durch ein anderes zu ersetzen ist, bringt eine weitere Schwangerschaft doch vielen Familien wieder neuen Mut.

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