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Frühgeburt: Reportage aus der Frühchenstation

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Frühgeburt  

Frühchen-Station: Eine Handvoll Leben

08.10.2009, 15:36 Uhr | dpa

Immer mehr Kinder kommen heute zu früh auf die Welt, vor der 37. Schwangerschaftswoche-Woche, als sogenannte "Frühchen", vor allem Mehrlinge sind betroffen. Bei guter kindermedizinischer Versorung haben die Babys gute Chancen, doch ein Restrisiko für eine gesunde Entwicklung bleibt immer. Die folgende Reportage gibt Einblicke in den Klinik-Alltag einer Frühchen-Station.

Frühgeburten auf der Krankenhaus-Station

Sonnenstrahlen tauchen den Raum in ein freundliches Licht. Doch der kleine Timm liegt im Halbdunkel, abgeschirmt durch ein dunkelrotes Tuch über seinem Inkubator. Timms winziger Brustkorb hebt und senkt sich ruckartig, ab und zu reckt er einen Fuß in die Höhe, der kaum länger ist als der Zeh eines ausgewachsenen Menschen. Timm ist neun Wochen zu früh zur Welt gekommen, wiegt noch keine zwei Kilogramm und muss beatmet werden. Dennoch zählt er damit fast schon zu den "Großen", die auf der Neugeborenen-Intensivstation des Virchow-Klinikums an der Berliner Charité versorgt werden.

Glaskasten statt Mutterleib

In dem Glaskasten, der Timm nun den Mutterleib ersetzt, ist es feucht und warm: 37 Grad Celsius, 85 Prozent Luftfeuchtigkeit. Neben den Behandlungsklappen, durch die er komplett versorgt wird, baumelt ein Frottee-Mond als Spieluhr. Aufgereiht an der Wand dahinter: Beatmungsgerät und Monitore, die Atmung, Herzschlag und Sauerstoffsättigung kontrollieren. Es blinkt und leuchtet permanent, doch völlig lautlos. Es wirkt still, fast friedlich an diesem Nachmittag auf der Station 20i. Die Dramen, das wissen diejenigen, die hier arbeiten, spielen sich vor allem im Innern der Eltern ab, die Wochen und Monate hier ein- und ausgehen ­ immer in der Hoffnung, schließlich ein gesundes Kind mit nach Hause nehmen zu können.

Eltern durchleiden Dramen

"Ich war überhaupt noch nicht richtig auf die Situation vorbereitet", erzählt Sandra B. von der Zeit, als ihre heute dreijährige Tochter zwei Monate zu früh auf die Welt kam. "Wir hatten weder einen Vorbereitungskurs gemacht noch hatte ich Ahnung von Säuglingspflege." Obwohl sie wegen einer Schwangerschaftsvergiftung bereits in einem Perinatalzentrum lag, kam die Entscheidung zum Kaiserschnitt von jetzt auf gleich. "Und mein Mann war gerade im Flieger nach London." Im Nachhinein sagt sie: "Wir haben sehr großes Glück gehabt." Anna Louise musste weder beatmet noch längere Zeit per Sonde ernährt werden, gedieh prächtig und ohne Zwischenfälle. "Trotzdem musste ich erstmal einen Zugang zu ihr finden", erinnert sich die Mutter. "Und es war ein komisches Gefühl, dass ich durch meine Krankheit die Frühgeburt ausgelöst hatte."

Berührungsängste

Eltern, deren Kinder noch viel früher und zarter zur Welt kommen, stellen sich die Schuldfrage, oft noch viel unerbittlicher. Konfrontiert mit den winzigen Wesen, die so gar nichts von einem properen Neun-Monats-Baby haben, wachsen Berührungsängste ­ angesichts des filigranen Menschleins sowohl körperlich als auch emotional. "Oft sind es die Männer, die gar nicht ins Krankenhaus wollen und sagen 'Ich ertrag das nicht'", berichtet Katharina Eglin, selbst Mutter eines Frühchens und engagiert im Verband "Das frühgeborene Kind". "Wir haben uns von Tag zu Tag gehangelt. Es war ein ständiges Wechselspiel der Gefühle", erinnert sich Ursula Lock an die dramatische Zeit nach der Geburt ihrer Zwillinge Vincent und Malte. In der 29. Woche kamen die beiden per Kaiserschnitt in einem Perinatalzentrum in Krefeld zur Welt, Vincent wog gerade 1090 Gramm, sein Bruder Malte sogar nur 690 Gramm. "Die ersten Tage waren ganz kritisch. Und auch danach gab es immer wieder unvorhergesehene Krisen", erzählt die Mutter. Heute weiß sie kaum noch, wie sie die Serie aus Infektionen, Blutvergiftung, Leisten- und Hodenbrüchen, Atemproblemen, Netzhautablösungen durchgestanden hat.

Monatelang in der Klinik

"Ich war so froh, als ich wenigstens die kleinen Hände streicheln konnte. Ans Herausnehmen aus dem Inkubator war die ersten Wochen gar nicht zu denken." Zehn Wochen Intensivstation, danach noch vier Wochen normale Neugeborenenstation. Über ein Vierteljahr gingen Ursula Lock und ihr Mann in der Klinik ein und aus. "Jeden Tag war ich ab mittags im Krankenhaus. Ich hatte das Gefühl, wenigstens da sein zu müssen, wenn ich sonst schon nicht viel tun konnte." Stück für Stück kehrte schließlich das Selbstvertrauen zurück, unterstützt von Ärzten und Schwestern, die sich Zeit für die Eltern nahmen und sie unterstützten. "Wir sind da richtig reingewachsen und haben unsere Kinder schließlich fast allein versorgt." Heute, neun Jahre später, ist Ursula Lock davon überzeugt, dass damals der Grundstein für den festen Zusammenhalt der Familie gelegt wurde, der bis heute durch alle Probleme trägt.

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