Partnerschaft
Baby-Blues bei Männern: eifersüchtig auf das eigene Kind17.08.2011, 11:54 Uhr | rev / dpa, dpa-tmn
Bei Untreue lügen Männer anders als Frauen. (Foto: imago) (Quelle: imago)
Der Baby-Blues trifft nicht nur Mütter. Auch Väter können nach der Geburt an Depressionen erkranken. Schuldgefühle, Ängstlichkeit, Unruhe sowie Antriebslosigkeit sind erste Anzeichen für die Krankheit. Halten die depressiven Verstimmungen an, sollten sich Männer Hilfe bei einem Psychiater suchen, rät die Anette Kersting von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). Je früher die Beschwerden behandelt werden, umso größer ist der Therapieerfolg.
Für Männer ändert sich zwar weder hormonell etwas noch haben sie nach der Geburt mit körperlicher Erschöpfung und Umstellung zu kämpfen. Trotzdem ist die Zeit nach der Geburt für viele Väter sehr schwierig: In dieser Phase dreht sich in der Familie alles um Mutter und Kind. Der Vater wird plötzlich zur Randfigur. Statt, dass er, wie man es erwarten mag, stolz und pflichtbewusst sich seiner neuen Rolle widmet, reagiert er mit Eifersucht auf die Beziehung von Mutter und Baby. Während der Mann in den meisten Fällen nach kurzer Zeit wieder seiner gewohnten Arbeit nachgeht, beginnt für die junge Mutter ein komplett neues Leben, in dem die Partnerschaft künftig nicht mehr absolute Priorität genießen kann.
Dass die Geburt eines Kindes für eine Partnerschaft immer auch eine große Herausforderung bedeutet, wird von vielen werdenden Eltern unterschätzt. Häufig dauert es eine gewisse Zeit, bis die betroffenen Männer sich eingestehen, dass man nach all der Arbeit, die man in die Familienplanung, den Umbau der Wohnung und das Herrichten des Kinderzimmers gesteckt hat, jetzt ausgerechnet wegen des Kindes frustriert ist und sich zunehmend überflüssig fühlt. Die Frauen schenken in dieser Zeit ihre Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit fast ausschließlich dem Kind. Für den Mann bleibt wenig Platz und nicht selten wünscht er sich insgeheim die Frau zurück, die noch vor der Geburt des Babys seine Geliebte war oder denkt sogar ans Fremdgehen.
Gehäuft treten psychische Beschwerden bei Männern etwa drei bis sechs Monate nach der Geburt auf. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine depressive Erkrankung der Partnerin das Risiko für den Vater erhöht, selbst eine Depression zu entwickeln. Die genauen Ursachen sind noch ungeklärt. Experten nehmen jedoch an, dass der aufwühlende Eindruck der Geburt, ein gestiegenes Verantwortungsgefühl und hohe Erwartungen an sich selbst die Erkrankung auslösen können. Hinzu kämen Stressoren wie das das Schlafdefizit und körperliche Erschöpfung. "Wie ein Verlustereignis oder ernste finanzielle Probleme kann auch eine eigentlich erwünschte Veränderung des Lebens seelisch sehr Erschüttern und eine depressive Episode auslösen", sagt Anette Kersting.
Wie der Psychoanalytiker Hans-Geert Metzger gegenüber der schweizerischen Familienzeitschrift "Wir Eltern" erklärt, sind zwei Reaktionen typisch für Männer, die sich in dieser Situation befinden: Entweder sie konkurrieren mit dem Kind um die Aufmerksamkeit der Partnerin beziehungsweise Mutter. Oder aber sie flüchten sich zunehmend in den Beruf und schieben die Karriere vor, um so einen großen Sicherheitsabstand zur Welt des Kindes herzustellen. Oft behaupten Männer auch, dass sie mit einem Kind erst dann richtig etwas anfangen können, wenn es laufen und sprechen kann. Doch bis es soweit ist, könnte es auch schon zu spät sein. Bis dahin könnte die Distanz zur Partnerin und dem Kind schon so groß geworden sein, dass die Beziehung zu scheitern droht. Wie der Mann auf die neue Belastung der Frau nach der Geburt reagiert, beeinflusst in vielen Fällen den weiteren Verlauf der Partnerschaft wesentlich. Darauf haben schon mehrere Studien hingewiesen.
Experten sagen, dass sehr viel davon abhängt, ob der Mann die Entwicklung von der reinen Partnerschaft zur Elternschaft gemeinsam mit der Frau durchmacht. Wird er von Eifersuchtsgefühlen geplagt, sollte er ganz offen und direkt das Gespräch mit seiner Partnerin suchen und aussprechen, wie er sich fühlt - auch dann, wenn er die junge Mutter eigentlich nicht mit den eigenen Problemen belasten will. Ignoriert oder unterdrückt der Vater stattdessen seine eigene Eifersucht wird das nur zur Folge haben, dass er sich übel gelaunt der Partnerin und dem Kind gegenüber verhält und sich so weiter von seiner Familie entfernt. In schweren Fällen ist es womöglich sinnvoll, die Probleme bei einem professionellen Therapeuten oder in einer Selbsthilfegruppe aufzuarbeiten.
Am wichtigsten ist es jedoch, dass der Vater beginnt selbst ein enges Verhältnis zu dem Baby aufzubauen. Hier bewirken Taten meist mehr als Worte: So sollte der Vater gerade Aktivitäten mit dem Kind durchführen, bei denen es zu Hautkontakt kommt wie zum Beispiel Baden, Schmusen, Spielen, Windeln wechseln oder ins Bett bringen. Wenn die stillende Mutter abgepumpt hat, kann der Vater dem Baby beispielsweise auch die Flasche geben. Unabhängig von der Partnerin kann auf diese Weise die Beziehung zum Kind vertieft und die Eifersuchtsgefühle nach und nach verdrängt werden. Außerdem schafft dies für die Mütter ein Stück Freiheit und die Möglichkeit auch einmal nur an sich zu denken.
17.08.2011, 11:54 Uhr | rev / dpa, dpa-tmn
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