Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Baby >

Kinderhilfswerk übt Kritik an Babyklappe

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Kinderhilfswerk gegen Babyklappe

14.01.2010, 12:31 Uhr | dapd

Kinderhilfswerk übt Kritik an Babyklappe. Weiße Babyklappe mit rotem Nottelefon.

Irrweg oder Ausweg: Stehen die Babyklappen vor dem Aus? (Bild: Imago)

Traurige Erkenntnis: Babyklappen nützen nichts. Das Kinderhilfswerk terre des hommes legt jetzt Zahlen vor, demnach seien Babyklappen ein Irrweg, aber kein Ausweg für verzweifelte Mütter. Kein gefährdetes Baby werde vor dem Aussetzen oder Töten geschützt. Ist diese Forderung des Kinderhilfswerks nur eine mögliche Interpretation der Zahlen oder Fakt? Die Diskussion in Politik und Gesellschaft um Babyklappen hält also weiterhin an.

Zahl ausgesetzter oder getöteter Neugeborener nimmt nicht ab

Das Kinderhilfswerk "terre des hommes" spricht sich gegen Babyklappen aus. Im vergangenen Jahr sind in Deutschland nach Erkenntnissen der Organisation etwa so viele Neugeborene getötet oder ausgesetzt worden wie 2008. Demnach sind es 36 Fälle: 24 Babys wurden tot und zwölf lebend aufgefunden, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet. Bernd Wacker, ein Experte der Organisation, bezeichnete das Modell der Babyklappen demnach als "Irrweg". Mütter, die Neugeborene aussetzten, seien so nicht zu erreichen. Sie litten in der Regel unter schweren psychischen Störungen und reagierten nicht rational. 2008 waren es laut "terre des hommes" insgesamt 37 Fälle, darunter 29 tote und acht ausgesetzte Säuglinge. Zu den Ergebnissen kommt das Kinderhilfswerk durch die Auswertung von Medienberichten über die Fälle. Seit 1999 registriert "terre des hommes" nach eigenen Angaben Jahr für Jahr mehr als 30 Fälle. Lediglich 2005 lag die Zahl mit 29 etwas niedriger. "Die Situation ist seit Jahren bedrückend, trotz Einführung von Babyklappen im Jahr 1999 sind die Zahlen konstant hoch geblieben", sagte Wacker. Er warf der Politik vor, "das Wächteramt des Staates sträflich zu missachten". "Wir wissen nicht, wie viele Babyklappen es gibt, wie viele Neugeborene dort landen oder wie viele Babys anonym in Kliniken zur Welt kommen."

Grauzone: getötet, ausgesetzt, anonym geboren

Auch die Zahl getöteter oder ausgesetzter Säuglinge werde nicht offiziell erfasst. "Das ist eine riesige Grauzone", beklagte Wacker. Es bedürfe endlich einer gesicherten Daten-Basis, um das Problem gezielter angehen zu können. Wacker forderte den Gesetzgeber auf, die Empfehlungen des Deutschen Ethikrats von November 2009 zügig umzusetzen. Das Gremium dringt etwa auf ein 24-Stunden-Notruftelefon für Mütter oder eine bessere Aufklärung über Hilfsangebote via Internet und Fernsehen.

Rechtsgutachten: Babyklappen sind erlaubt

Juristen des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) haben die umstrittenen Babyklappen in einem Rechtsgutachten als legal bezeichnet. "Babyklappen sind in einem engen rechtlichen Rahmen erlaubt", sagte DIJuF-Leiter Thomas Meysen. Demnach sind die Betreiber einer Babyklappe vor allem dazu verpflichtet, das Auffinden des Kindes spätestens am folgenden Tag der Gemeinde zu melden. In Auftrag gegeben hatte das Gutachten die Hamburger Sozial- und Familienbehörde. Die Debatte über Babyklappen entbrannte im November vergangenen Jahres, als der Ethikrat eine anonyme Abgabe von Findelkindern für rechtswidrig erklärte. Kinder hätten einen Rechtsanspruch auf die Kenntnis ihrer Herkunft und auf Beziehung zu den Eltern. Der Ethikrat forderte die Abschaffung aller etwa 80 Babyklappen in Deutschland. Betreiber, Kirchen und Wohlfahrtsverbände kritisierten diese Forderung.

Rechtliche Grauzonen

Nach Angaben der Hamburger Sozial- und Familienbehörde sollten mit dem DIJuF-Gutachten die "rechtlichen Grauzonen im Zusammenhang mit der Abgabe von Kindern in einer Babyklappe" geklärt werden. Die Untersuchung zeige den Rahmen dafür auf, wie die Rechte und das Wohl von Findelkindern gesichert werden könnten, sagte der Hamburger Familiensenator Dietrich Wersich. Gleichzeitig könnten die Mütter dazu motiviert werden, sich doch noch für ein Leben mit ihren Kindern zu entscheiden, ohne strafrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Passant entlarvt angeblichen Beinamputierten

Misstrauisch werden die vermeintlichen Beinstümpfe befühlt. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal