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Eizellenspende: Illegale Handel mit Eizellen boom

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Eizellenspende aus dem Ausland

01.02.2010, 09:59 Uhr | ZDF, mmh

Eizellenspende: Illegale Handel mit Eizellen boom. Schnuller an einem Baum.

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, erscheint eine Eizellenspende oft als letzte Hoffnung. (Bild: Imago)

Fremde Eizellen kaufen, damit der eigene Kinderwunsch doch noch erfüllt wird: Eine verlockende Aussicht für kinderlose Paare in Deutschland, die nicht natürlich schwanger werden können und oft die letzte Chance auf - fast - eigene Kinder. Doch hier tut sich eine Schattenwirtschaft auf, die arglose Frauen aus armen Ländern ausbeutet und die Diskussion überschattet, denn Eizellenspende kann auch legal funktionieren, mit professioneller medizinischer Betreuung und Risiko-Aufklärung. In Deutschland ist das Verfahren der  Eizellenspende aber generell verboten. Das ZDF-Magazin „ML Mona Lisa“ hat Spenderinnen in Rumänien befragt.

Eizellenspende aus dem Ausland

In Rumänien boomt ein riskantes Geschäft: Der illegale Handel mit Eizellen. Das ZDF-Frauenmagazin „ML Mona Lisa“ ist diesem Handel nachgegangen und hat in Bukarest drei junge Frauen begleitet. Diese jungen Frauen erfüllen durch ihre Eizellenspende anderen, kinderlosen Frauen aus dem westeuropäischen Ausland ihren Kinderwunsch. In Rumänien ist die Eizellenspende gegen Geld verboten, in Deutschland ist dieses Verfahren der Befruchtung einer gespendeten Eizelle ebenfalls nicht erlaubt, doch der Handel boomt. Europaweit ist dies uneinheitlich geregelt, im Nachbarland Tschechien wiederum ist die Eizellenspende, beziehungsweise das Einpflanzen fremder Eizellen nämlich erlaubt. Rund 15.000 Euro zahlen die Paare für eine Eizelle, sie kommen aus Italien, Deutschland oder Israel. Nur rund 200 Euro erhalten die Frauen in Rumänien, der Durchschnittslohn dort beträgt 400 Euro. Sie riskieren dabei ihre Gesundheit und Unfruchtbarkeit. Doch sie tun es oft aus wirtschaftlicher Not heraus.

Die Kinderwunsch-Industrie boomt

Es ist eine Art Schattenwirtschaft. In Bukarest blüht inzwischen eine regelrechte Klinikindustrie, die legale Methoden der künstlichen Befruchtung anbietet, darüber hinaus wächst jedoch der illegale Handel mit Eizellen, die laut Gesetz nicht bezahlt werden dürften. Doch trotzdem fließe Geld, erzählt die 24-jährige Anastasia. Sie studiert Veterinärmedizin und vermittelt Spenderinnen an eine der Kliniken, auch dafür erhält sie Geld, etwa 150 Euro pro Mädchen. 15 junge Frauen hat sie schon dazu gebracht. Sie selbst hat schon dreimal gespendet. Medizinische Aufklärung über mögliche Komplikationen und Nachsorge – Fehlanzeige.

Irgendwie illegal

Alle Freundinnen hat sie schon vermittelt, jetzt deren Freundinnen. Es ist ein organisiertes Netz von Vermittlern, Spendern, Händlern und Abnehmern. Vor allem die Ärzte scheinen daran zu verdienen. Anastasia erzählt offen über ihre illegalen Geschäftspraktiken, sie will aber nicht erkannt werden. Sie selektiert die Spenderinnen: Nur Studentinnen, nicht zu dick, nicht zu dünn, nicht zu klein, nicht zu groß. „Ich wusste, dass es irgendwie nicht legal ist“, gibt Anastasia zu. „Im Vertrag steht nirgendwo, dass man dafür Geld erhält, obwohl es so ist. In der Klinik sagte man mir, dass ich nichts von dem Geld sagen soll, sondern dass alles um der guten Sache willen geschehe, freiwillig und umsonst.“

Heuchelei und Profit

Professor Dr. Vasile Astarastoaie vom Rumänischen Ärztekollegium kritisiert die verantwortlichen Kollegen scharf: "Die Verletzung dieser Berufsregeln macht mich traurig und zornig. Wir hören immer, es werde gespendet, um einem kinderlosen Paar zu helfen. Es handelt sich hier um hochgradige Heuchelei, hinter der sich nichts anderes als die Gier nach Dollar und nach Euro versteckt", so der Arzt.

Ablauf der Behandlung

Die Frauen werden drei Wochen mit Hormonen stimuliert, in einer OP werden ihnen die Eizellen entnommen. Danach ist ihr Part vorbei. Jetzt erhält das westeuropäische Paar die Eizelle, beziehungsweise eine Befruchtungsklinik oder ein Reproduktionsmedizinisches Zentrum. Es gibt einen regelrechten „Befruchtungstourismus“. Die Eizelle wird der „Käuferin“ eingepflanzt, das Paar zieht das entstehende Kind wie ein eigenes auf. „Einerseits macht mir diese Vorstellung zu schaffen“, gesteht Alina, eine der Spenderinnen, „aber vielleicht geht es diesem Kind ja gut dort bei seinen Eltern. Ich bin jedenfalls zufrieden, dass ich einer Frau helfen konnte.“

Mögliche Komplikationen werden ignoriert

Die Schwestern Mirella und Alina haben mehrfach gespendet, um die Ausbildung zu Laborassistentin und Krankenschwester zu bezahlen und Schulden zu begleichen, je 600 Euro erhielten sie. Als die 22jährige Mirella zum dritten Mal spenden wollte, kam es zu Komplikationen, der Eileiter entzündete sich, die Behandlung wurde abgebrochen. Die Angst um ihre Gesundheit hatte sie zuvor ignoriert, jetzt will sie nicht mehr spenden.

Risiko Unfruchtbarkeit

Die Frauen riskieren, zu stark mit Hormonen stimuliert zu werden, um möglichst viele Eier zu produzieren. Thrombosen und Embolien können die Folge sein. Prof. Dr. Heribert Kentenich sitzt dem Arbeitskreis "Offene Fragen der Reproduktionsmedizin" vor und warnt als Gynäkologe vor den Folgen einer Eizellenspende: " Es kann im schlimmsten Fall dazu kommen, dass die Eierstöcke operiert werden müssen oder dass die Frauen die Eierstöcke verlieren. Mit anderen Worten dass sie selbst, obwohl sie junge Frauen sind, einen Schaden haben, der ihr Leben betrifft und der ihre eigene reproduktive Gesundheit betrifft, dass sie später schwieriger Kinder bekommen können, das ist ein ernsthaftes Problem."

Geködert und nicht versorgt

Ein schöner Köder lockte eine 21-Jährige in diese Gesundheitsfalle: Sie hatte sich in einem Schönheitszentrum für eine dauerhafte Haarentfernung interessiert, die sie sich nicht leisten konnte. Die kostenlose Behandlung sowie Geld wurden ihr in Aussicht gestellt, sollte sie ihre Eizellen spenden. Nach der Entnahme der Eizellen traten bei der jungen Frau Komplikationen auf, als sie wieder zu Hause war. Die Familie durfte nichts erfahren, erst als sich ihr Zustand sehr verschlechtert hatte, ging sie mit starken Blutungen in die Notaufnahme. Die Ärzte konnten nur noch die Eierstöcke entfernen. So kann sie mit 21 Jahren nie mehr Kinder bekommen.

In das Ausland ausweichen

Doch auch wenn Kliniken geschlossen werden, scheinen die Ärzte Wege zu finden, ihr Geschäft fortzuführen. Aufnahmen eines deutsch-rumänischen Fernsehteams belegen, dass eine Krankenschwester, die vor Jahren bereits in einer Bukarester Klinik arbeitete, heute für denselben Arzt Frauen anwirbt und sie dann zur Eizellenspende nach Zypern bringt, wo das Gesetz die Eizellspende nicht eindeutig regelt. Eine Journalistin gibt sich als potentielle Spenderin aus. Die Krankenschwester preist ihr gegenüber den zweitägigen Aufenthalt wie einen Urlaub an, mit einem schönen Hotel nahe der Klinik und einem Honorar von 600 Euro, das die potentielle Spenderin erhalten soll. Einen Urlaub, den sich die Frauen nie leisten könnten. Viele würden aus finanzieller Not heraus immer wieder tun, auch wenn sie von möglichen Risiken gehört haben.

Pro und Contra

Eizellenspende ist nicht nur ein Thema für das „Armenhaus“ Europas. In Spanien ist sie legal, Spenderinnen werden in der Uni-Klinik betreut und aufgeklärt. Hier hat man gute Erfahrungen gemacht, wie der Reproduktionsmediziner Dr. Gerhard Leyendecker vom Darmstädter Kinderwunschzentrum im Gespräch mit t-online.de ausführt. „Vor allem für ältere Frauen, deren Eierstockreserven erschöpft sind, ist dies interessant. Manche haben sogar schon zwei Kinder auf diesem Weg bekommen.“  Wichtig ist jedoch die gute medizinische Betreuung der Spenderinnen, auch in der Nachsorge, gute Aufklärung und Freiwilligkeit, so betont Leyendecker.

Heftige Diskussion

Die Diskussion um das Thema erinnert an den illegalen Handel mit Spender-Organen, an illegale Auslands-Adoptionen und an Leihmutterschaft. Es geht um Hoffnungen auf der einen Seite und finanzielle Ausbeutung auf der anderen Seite. Es geht um die Kluft zwischen Arm und Reich. Das überschattet die Diskussion um das Thema, nämlich darum: Soll Eizellenspende, die medizinisch begleitet wird - bei Spenderin und Empfängerin - legalisiert werden? Darf für die Spende offiziell ein Honorar bezahlt werden? Was ist mit dem Recht des Kindes aus dieser Befruchtung, seine eigentliche Mutter kennen zu lernen? Dem Recht auf die eigene Identität? Warum kann es innerhalb Europas hier so große Unterschiede geben?

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