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Frauen: Wenn die beste Freundin Mutter wird

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Frauen  

Freundschaft auf der Ersatzbank: Die beste Freundin wird Mutter

17.05.2011, 16:57 Uhr | dpa, dpa-tmn

Frauen: Wenn die beste Freundin Mutter wird. Junge Mutter küsst ihr Baby auf die Stirn.

Wenn die beste Freundin Mama wird, kann das eine Zerreißprobe für die Freundschaft sein. (Bild: Archiv) (Quelle: t-online.de)

Sie ist Ansprechpartnerin für alle Lebenslagen: die beste Freundin. Ob die Kollegen im Job nerven, die Nachbarin über die vergammelten Blumen auf dem Balkon meckert oder der Freund sich daneben benimmt: Die Freundin versteht einen und hat immer ein offenes Ohr. Das kann sich aber schnell ändern, wenn sie Mutter wird. Wer selbst noch kinderlos ist, fühlt sich schnell aufs Abstellgleis befördert. Dann kann ein Kind für die Freundschaft zweier Frauen zur Zerreißprobe werden. Es kann die Beziehung aber auch beleben. Dafür ist jedoch viel Verständnis und Feingefühl nötig - auf beiden Seiten. Mit der Geburt eines Babys wird sich die Freundschaft zwangsläufig verändern.

Unterschiedliche Lebensmodelle prallen aufeinander

"Das ist eine große Umwälzung", sagt die Psychologin Felicitas Heyne in Herxheim in Rheinland-Pfalz. Für werdende Mütter verschiebe sich der Fokus ihrer Interessen. Und durch die anstehende Geburt hätten sie weniger Zeit und Energie übrig. Ähnlich sieht das die Psychotherapeutin Michaela Huber in Göttingen: "Ein Kind kriegen bedeutet, dass Ähnlichkeiten zwischen Freundinnen schwinden und Lebensentwürfe auseinanderdriften."

Schnell geraten dadurch Lebensmodelle in Konkurrenz. "Viele kinderlose Frauen fühlen ihr Leben durch die Mutterschaft der anderen auf den Prüfstand gestellt und empfinden das als Kritik", erklärt Heyne. Die Reaktion auf die Schwangerschaft der Freundin kann daher auch ein Gradmesser für die eigene Zufriedenheit sein, wie Huber findet: "Wenn die Frau ihr eigenes Lebensmodell bejaht und genug Selbstwertgefühl hat, dann wird sie Verständnis für die andere haben und sich nicht angegriffen fühlen."

Neid und Trauer nicht überspielen

Manchmal kommt aber auch deshalb keine wahre Freude über das Kinderglück der Freundin auf, weil es den eigenen, unerfüllten Wunsch nach Nachwuchs deutlich macht. "Das kann sehr schmerzhaft sein, wenn man selbst keine Kinder kriegen kann oder der passende Partner fehlt", erläutert Heyne. In solchen Fällen helfe es nicht, das überspielen zu wollen. "Man muss sich trauen zu sagen: 'Tut mir leid, ich kann deine Gefühle gerade nicht teilen.'" Wichtig sei vor allem, authentisch zu bleiben.

Entgegenkommen statt Vorwürfe machen

Oft bekommen Freundinnen schon lange vor der Geburt zu spüren, wie sich die Prioritäten der werdenden Mutter verändern. Sie sofort darauf anzusprechen, bringt laut Heyne aber nicht viel: "Für so eine Kritik ist sie nicht empfänglich." Das meint auch Horst Heidbrink, der an der Fern-Uni Hagen Psychologie lehrt: "Ich kann natürlich meine Erwartungen an die andere formulieren und hoffen, dass sich die Freundschaft mit der Geburt nicht verändert". Bei sehr engen Beziehungen werde das aber kaum klappen. Stattdessen müssten beide überlegen, wie sie die Freundschaft verändern können, so dass beide zufrieden sind.

Die Freundin in das Mutter-Werden einbeziehen

Konkret heißt das, dass die Schwangere ihre Freundin schon früh mit einbeziehen sollte - etwa beim Begleiten zum Ultraschall oder beim Einkauf von Babysachen. Im Gegenzug könne die andere fragen "Wie stellst du dir das vor, möchtest du, dass ich eine Art Patentante für dein Kind werde?", schlägt Huber vor. Die kinderlose Freundin müsse sich in das Leben der anderen einfädeln und ein wenig in Vorleistung gehen. Funktionieren kann das natürlich nur, wenn sie grundsätzlich Interesse an Kindern hat. Ist das nicht der Fall, wird es für beide Frauen schwer, die Freundschaft aufrecht zu halten.

Das eigene Erwachsenen-Leben nicht ganz aufgeben

Ist das Baby auf der Welt, ist es mit spontanen Treffen meist vorbei. "Das kann man sich erstmal einige Zeit anschauen. Werden aber auch langfristige Verabredungen ständig abgeblasen, kann man die andere schon mal nach ihren Prioritäten fragen", rät Heyne. Mütter entwickelten schnell den Anspruch, das eigene Kind sei der Nabel der Welt. Alles dreht sich dann nur noch um die frischgebackene Mama und ihren Sprössling. Aus Heynes Sicht ist das langfristig gesehen aber auch das falsche Signal an das Kind. "Das muss lernen, dass Mama ihr eigenes Leben hat."

Gegenseitig zuhören statt nur von sich selbst zu erzählen

Manche Mütter bekommen zwar die Treffen gemanagt, verfallen im Café dann aber in Schnuller- und Windelmonologe. Auch das kann die Geduld der anderen strapazieren. "Da muss man schnell einhaken und konkret formulieren 'Wir haben nur zwei Stunden miteinander, deshalb darfst erst du erzählen, aber dann bin ich dran'", sagt Huber. Sätze wie "Ich kann es nicht mehr hören" seien dagegen die falsche Wahl. "Das sind Killersätze, die eine Freundschaft beenden können."

Eine Bereicherung für die Freundschaft

Trotz aller Veränderungen kann die Freundschaft aber auch mit der Geburt wachsen. "Für die Mutter birgt die andere doch ein riesiges Potenzial. Sie ist der Mensch, der dem Kind etwas anderes geben kann als sie selbst." Gleichzeitig diene sie auch als Korrektiv. "Sie steht für die Themen, die früher wichtig waren", sagt Heidbrink. Und trotz mütterlicher Gefühlswallungen sind viele Frauen dankbar für etwas Abwechslung: "Sie werden heilfroh sein, jemanden zu haben, der ein anderes Leben als ihr eigenes verkörpert", glaubt Huber

Totschlag-Argumente entkräften

Im Streit zwischen Müttern und Kinderlosen fallen schnell Totschlag-Argumente. Dann heißt es etwa: "Du hast ja keine Ahnung, wie es ist, ein Kind zu haben." Oder: "Du bist doch nur neidisch." "Es entsteht eine regelrechte Lagerbildung zwischen Kinderlosen und Müttern", erklärt die Psychologin Felicitas Heyne. Dann hilft nur eins: Den Ärger darüber offen ansprechen. "Ich würde ganz klar sagen: 'Du schließt mich damit aus, und ich fühle mich abgewertet.'"

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