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Medizinforschung: Viele Krankheiten werden schon im Mutterleib "programmiert"

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Medizinforschung  

Viele Krankheiten schon im Mutterleib "programmiert"

05.10.2010, 11:50 Uhr | rw, t-online.de, dapd

Medizinforschung: Viele Krankheiten werden schon im Mutterleib "programmiert". Schwangere bedient sich am Kühlschrank.

Wichtig für die gesundheitliche "Programmierung" ist das Essverhalten. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Für die Medizinforschung war und ist es oft ein Rätsel. Warum sind einige Menschen anfälliger für bestimmte Krankheiten als andere? Bislang hat sich die Wissenschaft ganz überwiegend darauf konzentriert die Ursachen dafür in der genetischen Vererbung oder dem persönlichen Lebenswandel zu suchen. Immer mehr rückt nun aber ein weiterer Aspekt in den Fokus der Mediziner: Mehrere Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Einflüssen, denen ein Fötus im Mutterleib ausgesetzt war und der späteren Anfälligkeit für Krankheiten wie Diabetes, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Offenbar wurde die Bedeutung der neun Monate im Mutterleib für die lebenslange Gesundheit eines Menschen lange unterschätzt.

Die Mutter gibt fast alle Einflüsse ans Baby weiter

Wer sich dauerhaft ungesund ernährt, riskiert Diabetes und bei wem sich in der Familie bestimmte Krebserkrankungen häufen, der muss auch für sich selbst mit einem größeren Krankheitsrisiko rechnen. Dass mit den Genen auch eine besondere Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten vererbt wird, ist allgemein bekannt. Ebenso verbreitet ist die Erkenntnis, dass der persönliche Lebenswandel, also Stress, Nikotin- und Alkoholkonsum sowie eine schlechte Ernährung verschiedene Krankheiten begünstigen können. In zahlreichen wissenschaftlichen Studien konnten solche Zusammenhänge belegt werden. Weitaus weniger erforscht ist aber, welchen Einfluss die neun Monate im Mutterleib auf die lebenslange Gesundheit eines Menschen haben.

"In den neun Monaten vor der Geburt geschieht weit mehr als eine starr vorgegebene Entwicklung, an deren Ende die Geburt eines Babys steht", wird der Vorsitzende der Stiftung Kindergesundheit Professor Dr. Berthold Koletzko auf der Online-Plattform schwangerundkind.de zitiert. "Die Nährstoffe, Spurenelemente und Stresshormone, die von der Mutter über die Plazenta in den Kreislauf des Kindes gelangen, entscheiden nach unseren heutigen Erkenntnissen maßgeblich darüber, ob ein Mensch im Laufe seines Lebens an Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes erkranken wird, Übergewicht oder gefährlich hohe Cholesterinwerte entwickelt und deshalb für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels anfällig wird."

Denn nicht nur die zurecht als besonders schädlich geltenden Genussdrogen Alkohol und Nikotin gelangen über den mütterlichen Stoffwechsel in den Organismus des Ungeborenen. Fast alle Einflüsse und Reize, denen sich eine werdende Mutter während ihrer Schwangerschaft aussetzt, wirken sich auch auf das Kind aus. Der überwiegende Teil der Forschung geht inzwischen davon aus, dass es genau diese Einflüsse sind, welche die Gesundheit und die Krankheitsanfälligkeit der Menschen ein Leben lang mitbestimmen.

Der "programmierende" Einfluss der Ernährung

Als "fetal programming" bezeichnen Mediziner diese gesundheitliche Vorprogrammierung im Mutterleib. Zu keiner Lebensphase wächst und entwickelt sich der Mensch schneller als in den neun Monaten bis zu seiner Geburt. Aus diesem Grund wirkt sich jede kleinste Störung auch viel stärker aus. Bekannt ist zum Beispiel die Auswirkung der Ernährung während der Schwangerschaft. Kinder, die zu klein zur Welt kommen, weil die Mutter nicht ausreichend ernährt war oder gar Hunger litt, haben im Alter ein deutlich erhöhtes Herzinfarktrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des englischen Epidemiologen David Baker. Danach steige das Risiko, später einen Herzinfarkt zu erleiden, bei Neugeborenen, die weniger als 2,5 Kilo wiegen, um 50 Prozent an.

"Die programmierenden Einflüsse der Ernährung in der frühesten Lebensphase auf die Gesundheit im späteren Leben sind heute ein besonders wichtiges Thema der biomedizinischen Forschung," betont auch Professor Koletzko. Dabei wirkt sich nicht nur Mangelernährung auf die lebenslange Gesundheit des noch Ungeborenen aus. Auch wenn die werdende Mutter deutlich zu viel isst und übermäßig zunimmt, hat das Folgen. Denn in der Regel wird dann auch das Kind überversorgt und kommt zu schwer auf die Welt. Dicke Babys neigen später eher zu Asthma, Allergien oder Diabetes und entwickeln sogar eher Krebserkrankungen. Es gilt also, bei der Ernährung den goldenen Mittelweg zu finden. "Wenn Mütter nicht aufpassen, können sie bei ihren Kindern schon vor der Geburt die Weichen auf Übergewicht und Diabetes stellen," warnt auch Ernährungswissenschaftler Arne Astrup von der Universität Kopenhagen.

Stresshormone übertragen sich auf das Kind

Doch nicht nur die Ernährung während der Schwangerschaft hat Auswirkungen auf die gesundheitliche "Programmierung" der Kinder. Auch wenn werdende Mütter häufig unter starkem Stress leiden, scheint sich dies dauerhaft im Gesundheitszustand des Kindes niederzuschlagen. Die ausgeschütteten Stresshormone gelangen nämlich auch in den Organismus des Fötus. Auswirkungen sind meist nicht direkt nach der Geburt zu beobachten und oft nicht einmal im Kindesalter - sie zeigen sich Jahre später. So haben Studien in den Niederlanden gezeigt, dass Kinder, die sich während des Panzerkriegs 1940 noch im Mutterleib befanden, im Laufe ihres Lebens besonders anfällig für Diabetes, Bluthochdruck und Schizophrenie waren.

Stressfaktoren wie Angst, Ärger sowie berufliche und private Überlastung einer Schwangeren wirken sich also ebenso negativ auf die Gesundheit des Kindes aus wie eine ungesunde Ernährung. Trotzdem hat natürlich nicht jede kleine Aufregung gleich dramatische Konsequenzen für das Baby und seine spätere Entwicklung. Deshalb wäre es wenig hilfreich, sich mit der ständigen Sorge um die Folgen des eigenen Verhaltens für das Kind noch zusätzlich zu stressen. Denn am besten für die Entwicklung ist das Heranwachsen des ungeborenen Kindes im Leib einer möglichst ausgeglichenen, liebevollen und entspannten Mutter, die sich zufrieden fühlt und sich auf das neue Leben freut.

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