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Babys: Zeichensprache statt Gebrabbel

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Babyzeichensprache  

Zeichensprache statt Babygebrabbel

13.01.2012, 16:51 Uhr | nw, t-online.de, dapd

Babys: Zeichensprache statt Gebrabbel. Kleiner Junge verständigt sich mit Gesten. ( Bild: imago)

Noch bevor sie sprechen lernen, können Babys sich mit Zeichensprache verständigen. (Bild: imago)

Die ersten Worte sagen Babys frühestens mit neun Monaten, die meisten mit etwa einem Jahr. Und diese Vokabeln reichen kaum aus, um den Eltern sämtliche Bedürfnisse mitzuteilen. Deshalb geht es dann meist auch sehr schnell, dass sich das niedliche Gebrabbel der Kleinen in herzzerreißendes Weinen verwandelt. Doch um solche sprachlichen "Missverständnisse" zu vermeiden, haben Eltern die Möglichkeit mit ihrem Nachwuchs eine Zeichensprache zu trainieren, mit denen eine klarere Kommunikation möglich wird. Denn etwa ein halbes Jahr bevor der Sprachapparat entwickelt ist, können Babys bereits ihre Händchen koordiniert bewegen. Dies haben sich amerikanische und deutsche Psychologen und Pädagogen zunutze gemacht und eine einfache Zeichensprache entwickelt, bei der eine klare Verständigung zwischen Klein und Groß möglich wird: "Babysch" für Anfänger und Fortgeschrittene.

Idee aus den USA

Zum Lernen ist es offenbar nie zu früh: In "MalenaÆs Mini School" setzt Lehrerin Robyn Gates die drei Babys in Hochstühle und der Unterricht beginnt. "Könnt ihr `danke´ sagen?" fragt sie. Die Kinder quieken, lachen und winden sich. Dann führt Baby Haley ihr Händchen zum Mund und berührt ihre ausgestreckte Handfläche. "Gut gemacht", lobt Gates. Schon seit langem verwenden Psychologen bei der Arbeit mit kleinen Kindern die Zeichensprache. Aber seit einigen Jahren nutzen auch Eltern diese Kommunikation - und Kurse, Bücher und DVDs über Baby-Zeichen finden reißenden Absatz. Auch in Deutschland hat dieser Trend inzwischen Einzug gehalten.

Kritik an Vermarktung

Dieses wachsende Interesse beobachtet die New Yorker Kinderpsychologin Rahil Briggs mit Sorge. "Das wird als Allheilmittel für die Kindererziehung vermarktet", klagt sie. "Die Anbieter nützen den unschuldigen Wunsch unerfahrener Eltern aus, ihren Kindern Gutes zu tun." Nach Ansicht der Expertin müssen Eltern nicht große Mengen Geld ausgeben, um ihre kleinen Zwerge in Zeichensprache zu unterrichten. Stattdessen genügen ein paar einzelne Gebärden. Die können den Kleinen aber durchaus helfen, gezielt ihre Bedürfnisse und Wünsche auszudrücken, bevor sie sprechen können. "Das klappt tatsächlich", sagt die Pädagogin Mary Benson McMullen von der Indiana Universität, die das Thema seit über 30 Jahren erforscht.

Einfache Handzeichen für Grundbedürfnisse

Schon einige Wochen nach der Geburt beginnen Babys, einen Teil der Wörter in ihrer Umgebung zu verstehen. "Mit sechs Monaten lernen sie noch mehr, und nach einem Jahr kennen sie schon Hunderte Wörter", sagt McMullen. Aber deutlich sprechen können die meisten Kinder erst mit zwei Jahren. Lernen sie schon vorher Zeichen für "Hunger" oder "Milch", können sie sich wesentlich zeitiger verständlich machen. "Babys können ihre Hände viel früher einsetzen, als sie ihre Bedürfnisse verbal artikulieren können", erläutert McMullen. Monta Briant aus San Diego lernte die Zeichensprache im Jahr 2000, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war.

Hauptsache: Spaß haben

Die Kommunikation klappte so gut, dass Briant sie auch anderen Müttern beibringen wollte. "In den ersten Jahren zahlte ich für meine Kurse drauf", erzählt sie. "Ich mietete einen Raum an, und es kamen nur ein paar Menschen." Im Jahr 2003 schrieb sie dann ein Buch über Baby-Zeichen. Diese Anleitung wurde inzwischen in sechs Sprachen übersetzt und verkauft sich blendend. Inzwischen hat Briant weitere Bücher verfasst, und ihre Kurse sind voll. Zu jeder ihrer sechswöchigen Sitzungen strömen bis zu 70 Eltern mit ihrem Nachwuchs. Aber McMullen ermahnt Eltern und Lehrer, nicht zu übertreiben. In erster Linie sollte das Erlernen der Zeichensprache Spaß machen. Angesichts des unüberschaubaren Angebots warnt sie Eltern davor, wahllos Produkte zu kaufen. Auch solle niemand sein Kind in solche Kurse bringen, nur weil es im Freundeskreis gerade Mode sei.

Stress und Frust wird bei Babys und Eltern reduziert

Chloey Lisk fing mit dem Lernen im Alter von zehn Monaten an. Seit über einem Jahr verständigt sich die Zweijährige nun schon mit ihren Eltern. "Ich bin da ganz eigennützig", gesteht Vater Bill Lisk. "Das hat meinen eigenen Frust verringert." Denn wenn Chloey quengelt, teilt sie oft den Grund für ihr Unbehagen mit, etwa "Hunger" oder "Schmerz". Die Gebärden können sich sogar als nützlich erweisen. Ein Kind aus Briants Kursen schüttete sich brühend heißen Kaffee über den Fuß und musste im Krankenhaus behandelt werden. Per Zeichen teilte es dem Ambulanz-Personal mit, dass der Vater noch kurz im Auto hinter dem Gebäude war. "Manchmal haben Babys so viel mehr zu mitzuteilen als nur ihre Bedürfnisse", sagt Briant. "Zeichensprache kann dazu eine schöne Möglichkeit bieten."

Mit Gebärdensprache früher kommunizieren

Vorreiter der Baby-Zeichensprache ist die Gebärdensprache für Gehörlose: Amerikanische Sprachforscher zeigten an einer Studie mit mehreren gehörlosen Familien einen zeitlichen Vorteil der Gebärdensprache: Die hörenden Babys der gehörlosen Eltern begannen im Schnitt mit sieben Monaten ihre ersten Wörter zu gebärden. Also circa drei Monate bevor sie ihr erstes Wort sprachen. Dieser zeitliche Vorsprung im Vokabular hielt noch eine Weile an, bis der Wortschatz rund 50 Worte umfasste. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass die Kleinkinder, die sich früh in Gebärdensprache verständigen konnten, auch früher sprechen lernten und einen größeren Wortschatz besaßen, als ihre Altersgenossen, die ohne "Zeichensprache" aufwuchsen.

"Zwergensprache" aus Deutschland

Auch Vivian König entlehnt die von ihr entwickelte "Zwergensprache" der Deutschen Gebärdensprache der Gehörlosen - allerdings in vereinfachter Art und Weise, so dass auch kleine Hände damit gut zurecht kommen. Sie entwickelte die gestische Kommunikation mit ihren eigenen Kindern, als diese wenige Monate alt waren. Was die Babys lernen, sind einzelne Handzeichen für bestimmte Dinge - analog zu Wörtern. Syntax und Grammatik der Gebärdensprache bleiben unberücksichtigt. Dass das Konzept der "Zwergensprache" die Kleinen nicht überfordert, zeigen Studien zur kindlichen Entwicklung: Danach können Kleinkinder schon mit sieben Monaten Dinge ihrer Umwelt klar voneinander unterscheiden. Die ersten Worte verstehen und Gegenstände zuordnen können sie schon mit elf Monaten.

Wie sollte man beginnen?

Anfangs sollte man Zeichen wählen, die die Grundbedürfnisse der Kinder ausdrücken, so wie beispielsweise "Milch", "essen" oder "mehr". Dabei ist es ratsam dem Kind immer das Zeichen für Milch zu zeigen, bevor es gestillt oder das Fläschchen gegeben wird. Zusätzlich zum Gestikulieren sollte trotzdem gesprochen werden. Zum Beispiel: "Möchtest du deine Milch trinken?" Wichtig dabei ist, dass die "Zeichen-Begriffe" so oft es geht wiederholt werden. Je häufiger das Baby die Gesten sieht, desto schneller lernt es zu verstehen, wofür Worte und Zeichen stehen.

Beispiele

Das Zeichen für "Milch" dürfte jedem bekannt vorkommen: Die rechte Hand auf Brusthöhe zur Faust ballen, Daumen nach oben abgespreizt, Faust dreimal öffnen und schließen. So wird eine unsichtbare Kuh in der "Zwergensprache" gemolken. "Ich bin fertig" oder "alle-alle" ist auch ganz einfach: Dabei werden beide Fäuste vor dem Körper aneinander gehalten. Dann bewegen sich beide Arme seitlich nach unten und die Fäuste werden geöffnet, als ob jede Hand etwas nach unten wirft.

Alle "Vokabeln" der "Zwergensprache" kann man in Vivian Königs ausführlichen Werk "Das große Buch der Babyzeichen" nachlesen, erschienen im Verlag Karin Kestner für 27,90 Euro. Grundlagen vermittelt auch das Buch "Kleines Wörterbuch der Babyzeichen", erschienen im selben Verlag für 17,50 Euro. Es eignet sich für alle Eltern, die sich einen ersten Eindruck verschaffen wollen.

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