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Stillen: Muttermilch kann gespendet werden

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Stillen  

Muttermilch kann man spenden

23.10.2016, 07:40 Uhr | Simone Blaß, tze, t-online.de

Stillen: Muttermilch kann gespendet werden . Durch Muttermilchspenden können auch Babys die nahrhafte Kost trinken, deren Mütter nicht stillen.  (Quelle: dpa)

Durch Muttermilchspenden können auch Babys die nahrhafte Kost trinken, deren Mütter nicht stillen. (Quelle: dpa)

Stillende Mütter, die sehr viel Milch haben, schütten diese bei uns oft notgedrungen und schweren Herzens weg. Dabei könnte die überschüssige Muttermilch so manchem früh geborenen Baby helfen, gesund durch die erste schwere Zeit zu kommen.

Aus diesem Grund gibt es Frauenmilchannahmestellen, auch Milchbanken oder Milchküchen genannt, bei denen Muttermilch gesammelt und aufbewahrt wird. In den USA floriert der Handel mit Muttermilch über das Internet – ein Trend, der früher oder später auch Deutschland erreichen dürfte.

Seit rund hundert Jahren sammelt man Frauenmilch

Das Spenden von Muttermilch ist nichts Neues. Allerdings, vor allem in den alten Bundesländern, wenig bekannt. Bereits im Jahr 1919 gründete die Kinderärztin Marie Elise Kayser die erste Frauenmilchsammelstelle in Magdeburg. Sie sammelte überschüssige Muttermilch, um diese dann schwachen Säuglingen und Frühgeborenen zu geben.

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Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich in Deutschland nämlich wieder die Erkenntnis durch, dass Muttermilch vielleicht doch das Beste für die Babys wäre. Und aus damaliger Sicht war das ganz bestimmt so, denn ein Fünftel aller Kinder starb, die meisten an Magen-Darm-Erkrankungen. Was nicht verwundert, denn Babys bekamen bis ins 20. Jahrhundert hinein nicht nur Milch eingeflößt.

Muttermilch galt lange Zeit als unhygienisch

In dieser Zeit war Stillen nicht populär. Im Gegenteil, es galt sogar als animalisch und würdelos. Und man zweifelte außerdem den Nahrungsgehalt der Muttermilch an. Diese Einstellung änderte sich erst, als klar wurde, dass sie wertvollen Immunschutz bietet und damit fürs Überleben sorgt.

Einen wahren Boom erlebten die Frauenmilchsammelstellen im Dritten Reich, hervorgerufen durch die Verherrlichung der Mutterschaft. Später verlief die Entwicklung ganz unterschiedlich. Im Westen hatte man schon Probleme mit der Muttermilch an sich und Milch einer Fremden galt als absolut unhygienisch. Deshalb griff man lieber auf Ersatz-Produkte zurück. Seit 1972 gibt es in den alten Bundesländern keine Sammelstellen mehr.

Spendermütter werden gründlich untersucht

Ganz anders in der DDR. Hier wurde per Gesetz in jeder Stadt über 50.000 Einwohner eine Sammelstelle errichtet. So gelang es, pro Jahr um die 200.000 Liter zu sammeln. Nach der Wende ging aber auch in den neuen Bundesländern die Zahl der Frauenmilchannahmestellen stark zurück. Einige gibt es aber noch: Das Klinikum Frankfurt sammelt jährlich zum Beispiel 500 Liter Milch.

Hier profitieren vor allem Frühgeborene von der gespendeten Milch. "Allerdings ist es natürlich notwendig, dass die Spenderinnen vorher untersucht werden“, erklärt die Leitern, der Sammelstelle, Frau Fettke: "Es wird Blut abgenommen und genau untersucht. Hinzu kommt, dass die Spendermuttis nicht rauchen, keinen Alkohol zu sich nehmen und auf bestimmte stark blähende Lebensmittel verzichten. Aber wer spendet, der macht das ja automatisch. Denn was man dem eigenen Kind nicht antun will, möchte man einem Fremden ja auch nicht antun."

Manchmal werden die Vorräte knapp

Unbehandelt wird die Muttermilch jedoch nicht konserviert. Die Milch wird pasteurisiert und auf Vorrat tiefgefroren. Auf diese Weise hält sie sich über ein Jahr. Erst in diesem Sommer rief das Potsdamer Klinikum "Ernst von Bergmann"‘ wieder zu einer Muttermilchspende auf, da die Vorräte knapp wurden. Gezahlt wurden immerhin 30 Euro pro Liter.

Auch in Leipzig, wo sich die größte Frauenmilchbank Deutschlands befindet, lässt man sich das wertvolle Gut etwas kosten. Allerdings legt man hier wie in den meisten deutschen Sammelstellen Wert darauf, dass es sich um eine Spende handelt. Gezahlt werden lediglich 5,63 Euro pro Liter als Aufwandsentschädigung. Schließlich gibt es Frauen, die ihre Milch täglich in die Klinik bringen.

Frühgeborene profitieren von einer Spende

"Eine solche Spende sollte von Herzen kommen,“ so Dr. Corinna Gebauer, "schließlich wollen wir ja kein Geschäft mit der Muttermilch machen." Gerade für Frühchen ist es besonders gut, wenn sie Milch bekommen, die ebenfalls von Frauen stammt, deren Kinder zu früh geboren wurden. „Die Milch dieser Frauen, wenn es sich um eine Geburt vor der 36. Schwangerschaftswoche handelt, hat in den ersten vier Wochen eine andere Zusammensetzung und einen höheren Proteingehalt. Und Frühgeborene brauchen mehr Eiweiß zum Wachsen.“

In der Leipziger Klinik werden pro Jahr rund 1500 Liter verwertbare Muttermilch gesammelt. Da es sich hier um keine sterile Nahrung handelt, gibt es nämlich strenge Richtlinien was Keime und Bakterien angeht. Ein Teil der gespendeten Milch wird von Leipzig aus an andere Kliniken und ambulante Patienten verkauft. Ein Transport von gespendeter Milch aus den alten Bundesländern zu den Annahmestellen in den neuen Bundesländern ist aber leider nicht möglich, denn, so die Leipziger Ärztin, die Kühlkette dürfe nicht unterbrochen werden.

Zum Wegschütten zu schade

Frauen in den alten Bundesländern bleibt also aufgrund des zu hohen Aufwands und der zu hohen Transportkosten weiterhin eine Spende verwehrt. Um die Muttermilch aber trotzdem nicht wegschütten zu müssen, gibt es aber immerhin noch die Möglichkeit, die Milch einzufrieren und damit später den Brei für das Kind anzurichten.

Ein Gastwirt aus der Schweiz ist sogar auf die Idee gekommen, seinen Gästen Speisen anzubieten, die mit Muttermilch hergestellt werden. Da sie süßer und fetthaltiger sei als Kuhmilch schmecke sie besonders gut, so der Gastronom. Die Behörden sehen allerdings in einem solchen Fall einen Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz. Schließlich stehe der Mensch nicht auf der Liste der zulässigen Milchlieferanten wie zum Beispiel Kuh, Ziege oder Schaf.  

Handel mit Muttermilch im Internet

In den USA verkaufen Mütter überschüssige Milch über das Internet, beispielsweise über die Seite onlythebreast.com. Die Preisspanne reicht von umgerechnet 1 Euro bis 2,50 Euro für 100 ml - ein lukratives Geschäft. Bei Facebook hat sich eine Gruppe namens Human Milk 4 Human Babies mittlerweile global etabliert.

Doch während die Muttermilchbanken an den Kliniken in Fragebögen die Lebensgewohnheiten der Spenderinnen erfragen und sicherstellen, dass die Milch keimfrei ist, gibt es keine Sicherheit für die Qualität von privat gehandelter Muttermilch.

Milchbanken in Deutschland

StadtAnschrift
ChemnitzKlinik für Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum Chemnitz GmbH
Muttermilchannahme
Flemmingstr. 4
Postfach 948
09009 Chemnitz
Tel.: 0371-33324223
CottbusKlinik für Kinder- und Jugendmedizin im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus
Milchküche/Frauenmilchsammelstelle
Thiemstr. 111
03048 Cottbus
Tel.: 0355-462797
DresdenKlinik und Poliklinik für Kinderheilkunde
Universitätsklinikum Carl-Gustav-Carus
Milchküche
Fetscherstr. 74
01307 Dresden
Tel.: 0351-4582074
EisenachKlinikum St. Georg GmbH i.G.
Milchküche
Mühlhauser Str. 94
99817 Eisenach
Tel.: 03691-6982621
Frankfurt/OderKlinikum Frankfurt/Oder
Frauenmilchsammelstelle/Speisenversorgung
Müllroser Chaussee 7
15236 Frankfurt an der Oder
0335-5482125
GörlitzKinderklinik im Klinikum Görlitz
Milchküche/Frauenmilchsammelstelle
Girbigsdorfer Str. 1/3
02828 Görlitz
Tel.: 03581-371457
LeipzigUniversitätsklinik für Kinder und Jugendliche
Milchküche
Liebigstraße 20a
04103 Leipzig
Tel.: 0341-9726354
PotsdamKlinikum Ernst von Bergmann
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Milchküche
Charlottenstr. 72
14467 Potsdam
Tel.: 0331-2415927/28
München
Klinikum Großhadern
Marchioninistraße 15
81377 München
Tel.: 089/-095-0

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