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Babykoliken: "Unsere Tochter schrie, bis sie blau anlief"

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Babykoliken: "Unsere Tochter schrie, bis sie blau anlief"

08.07.2013, 14:18 Uhr | dapd

Babykoliken: "Unsere Tochter schrie, bis sie blau anlief". Schreikrämpfe können auch durch Allergien ausgelöst und irrtümlich für Koliken gehalten werden.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schreikrämpfe können auch durch Allergien ausgelöst und irrtümlich für Koliken gehalten werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schon allein die Vorstellung ist Eltern unerträglich: Wenn ihr winziges Baby ohne Unterlass aus Leibeskräften schreit, würden sie alles tun, um dem leidenden Kind zu helfen. Angesichts ihrer Verzweiflung greifen viele Mütter und Väter bei solchen Koliken auf jedes Mittel zurück, das Besserung verspricht. Meist vergeblich, wie eine Auswertung von 15 Studien zeigt.

Baby schrie von morgens bis abends

Dieses Ergebnis überrascht Leni Calas aus New York nicht. Als ihre Tochter Roxy sechs Monate lang fast ständig schrie, probierte die 32-Jährige viele jener Mittel aus, die nun auf den Prüfstand kamen. Aber egal ob Fenchelextrakt, Zuckertropfen oder Massagen - nichts half. "Unsere Tochter wachte auf und schrie buchstäblich von morgens bis abends, ohne zwischendurch zu schlafen", erzählt die Mutter. "Sie weinte, bis sie blau anlief, und erbrach sich vor lauter Schreien." Den Rat der Ärzte wollten die Eltern damals nicht akzeptieren: Das Baby sei kerngesund, und die Schreiattacken würden irgendwann von selbst nachlassen. Genau so kam es.

Koliken sind nicht immer die Ursache für Schreikrämpfe

Die sogenannten Dreimonatskoliken plagen bis zu 20 Prozent aller Babys, meist in den ersten Lebensmonaten. Steckt hinter den Schmerzen eine erkennbare physiologische Störung, handelt es sich allerdings laut Definition nicht um eine Kolik, sondern um ein anderes Problem. So können etwa eine Eiweißallergie oder der Rückfluss von Magensaft dem Babybauch heftig zusetzen, Schreikrämpfe auslösen und irrtümlich als Kolik abgetan werden. Das erklärt, warum viele gängige Mittel auf den Verdauungstrakt abzielen, bei einer echten Kolik aber versagen - etwa Fenchel, Kräutertees oder Probiotika. Solche Präparate unterliegen grundsätzlich keiner strengen Zulassung, und weder die Inhaltsstoffe noch der Wirkstoff-Gehalt werden geprüft. Daher sollten Eltern stets einen Arzt konsultieren, bevor sie ihrem Kind etwas verabreichen, rät Jatinder Bhatia. Der Arzt leitet bei der Amerikanischen Akademie für Kindermedizin (AAP) die Arbeitsgruppe für Ernährung.

Effektivität von Alternativpräparaten nicht belegt

In der Studie werteten Forscher der englischen Universität Exeter 15 Untersuchungen aus, die den Effekt von gängigen Alternativpräparaten, Massagen oder Chiropraktik gegen Koliken an insgesamt fast 1000 Babys prüften. "Die Vermutung, dass eine Komplementär- oder Alternativmedizin gegen Kinderkoliken hilft, ist derzeit nicht belegt", schreiben sie im renommierten Fachblatt "Pediatrics". Allerdings richteten die Mittel auch keine Schäden an, abgesehen von gelegentlichem Erbrechen oder Verstopfung.

Größere Studie zu Kolik-lösenden Mitteln sinnvoll

Für manche Präparate wie Fenchelextrakt, Kräutertees oder Zuckerlösung fanden die Forscher allerdings dürftige Hinweise auf eine Wirkung. Dies müsse man sorgfältiger abklären, betont Studienleiterin Rachel Perry. Sie kennt das Thema aus eigener leidvoller Erfahrung: Auch ihre beiden Kinder hatten Koliken. Die Probleme besserten sich etwa um die Zeit, als Perry ihnen eine Kräutermixtur gab, die als Kolik-lösend beworben wurde. Aber weil die Schreiattacken oft von selbst verschwinden, lässt sich schwer nachweisen, ob eine Besserung auf ein Präparat zurückgeht oder nicht. "Als verzweifelte Mutter verstehe ich den Wunsch, alles auszuprobieren", sagt Perry. Zumal sie nicht ausschließt, dass eine größere Studie durchaus bei einer Therapie eine Wirkung finden könnte.

Mögliche Störungen wie etwa Allergien unbedingt abklären lassen

Auch Experte Bhatia warnt vor der Folgerung, dass jedes Mittel bei allen Babys versagt. Manche Eltern hätten durchaus schon gute Erfahrungen gemacht. Vielleicht, so Bhatia, würden Mütter und Väter im Vertrauen auf die lindernde Wirkung eines Mittels ruhiger. Das könne sich dann auf das Kind übertragen. Auch ein solcher Placebo-Effekt ist immer noch besser als gar keine Hilfe. Allerdings sollten Eltern zunächst unbedingt etwaige andere Ursachen wie etwa Allergien abklären lassen und sich auch nur an solche Alternativpräparate halten, die definitiv nicht schaden können. Sicherheitshalber rät der Experte, stets einen Kindermediziner zu konsultieren.

Roxy, das Baby von Leni Calas, ist inzwischen fast zwei Jahre alt. Das anfangs fast ununterbrochene Schreien ließ irgendwann allmählich nach und war bis zum Alter von neun Monaten ganz verschwunden. Fazit der Mutter: "Das einzige, was wirklich heilt, ist Zeit."

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