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Indien lässt seine Töchter sterben

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Indien lässt seine Töchter sterben

05.05.2011, 18:47 Uhr | dapd

. Warum gelten Indiens Mädchen so wenig? (Foto: imago)

Warum gelten Indiens Mädchen so wenig? (Foto: imago)

In Indien herrscht Frauenmangel, denn viele Mädchen werden schon im Mutterleib gezielt abgetrieben oder müssen nach der Geburt verhungern. Mädchen haben dort einen geringeren Stellenwert, auch Geldsorgen der Familien spielen eine Rolle. Ein besorgniserregender Trend in der aufstrebenden Wirtschaftsnation Indien.

Wie ein unwillkommenes Geschenk hält eine alte Frau das neugeborene Mädchen, das in einen schmutzigen Lappen gewickelt ist. Munni verlässt sichtlich unglücklich die Entbindungsstation im indischen Bezirk Morena, ihre Schwiegertochter hat bereits das sechste Mädchen geboren, in zwölf Jahren Ehe. Der männliche Stammhalter fehlt weiterhin.

Viele Mädchen sterben an Unterernährung

Morena, ein ländlicher Bezirk im Herzen Indiens, ist eines der drastischsten Beispiele für einen besorgniserregenden Trend in Indien. Auf 1.000 Jungen kommen nur 825 Mädchen, die bis zu ihrem sechsten Geburtstag überleben. In ganz Indien sind es 1.000 zu 914. Viele der Mädchen sterben an Unterernährung.

In einer Abteilung des Krankenhauses liegen zehn stark unterernährte Kinder - neun davon sind Mädchen. Eines ist 21 Monate alt und hat Arme, die so dürr sind wie Zweige, eine ausgemergelte Einjährige starrt mit riesigen Augen ins Leere. Ohne rasche Hilfe werden sie ihren nächsten Geburtstag nicht erleben.

Indien lässt die Mädchen im Stich

Die aufstrebende Wirtschaftsnation Indien lässt trotz stetig steigender Bevölkerungszahlen ihre Mädchen im Stich. Obwohl Frauen in Politik und Wirtschaft erfolgreich waren - wie die verstorbene Ministerpräsidentin Indira Gandhi oder die Vorstandsvorsitzenden von Pepsi, Indra Nooyi - ist die kulturelle Bevorzugung von Jungen im Land weiter tief verhaftet. Die Regierung gestand im vergangenen Monat das Scheitern aller Bemühungen ein, die in den vergangenen 40 Jahren unternommen worden waren, um dieser Einstellung entgegenzuwirken. In Morena werden zumindest arme Familien mit ein oder zwei Töchtern von der Regierung finanziell unterstützt.

Teure Mitgift für Töchter

Einer der Gründe, warum Inder Söhne bevorzugen, sind die hohen Kosten beim Verheiraten der Töchter. Familien verschulden sich oft für die Mitgift, zudem kann nach hinduistischer Tradition nur ein Sohn nach dem Tod der Eltern die Scheiterhaufen bei deren Verbrennung anzünden.

Viele weibliche Föten werden abgetrieben, obwohl es dem Krankenhauspersonal eigentlich verboten ist, das Geschlecht des Kindes zu nennen. Laut R.C. Bandil, dem Direktor des Krankenhauses in Morena, wird diese Regelung zumindest in seiner Klinik strikt eingehalten. In anderen dürfte das weniger genau gehandhabt werden. Wer Geld hat, sucht sich einen Arzt, der das Gesetz umgeht.

Zu schwache Gesetze

Ein solches Gesetz ist jedenfalls nicht genug, um eine Einstellung zu bekämpfen, nach der Jungen mehr wert sind als Mädchen, glaubt die Soziologieprofessorin Ravinder Kaur vom Indischen Institut für Technologie. Es habe zwar leichte abschreckende Wirkung, doch wer wolle, finde auch einen Weg, das Gesetz zu umgehen, glaubt sie.

Schwiegermütter fordern Söhne

Diejenigen, die geboren werden, landen oft in der Unterernährungsabteilung des Krankenhauses. "Frauen weinen, wenn sie Mädchen bekommen", sagt die Krankenschwester Lalitha Gujar. Alle neun Frauen, deren Töchter derzeit auf der Station liegen, wünschen sich Jungen - weil ihre Schwägerinnen mehr Söhne haben oder weil die Schwiegermütter es fordern. Eine erschöpfte, vernachlässigte und für die Geburt einer Tochter verantwortlich gemachte Mutter vernachlässigt ihrerseits oft das Kind, sagen Sozialarbeiter.

"Meine Schwiegermutter sagt, dass wir einen Jungen brauchen", sagt auch Sanju, die ihre stark unterernährte neun Monate alte Tochter in den Armen hält. Sie gibt nicht zu, das Kind absichtlich hungern zu lassen, aber auf die Frage, was dem Mädchen fehlt, zuckt sie nur mit den Schultern. In ein bis zwei Jahren will sie noch einmal versuchen, einen Jungen zu bekommen.

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