22.11.2012, 17:01 Uhr | Simone Blaß, t-online.de
Für das Baby nur das Teuerste - oder das Praktischste? Was brauchen Eltern und Kind wirklich? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Es gibt eine ganze Menge Sachen zu kaufen, die eindeutig unter die Kategorie "Dinge, die die Welt nicht braucht" fallen. Sie sind meistens irgendwie ganz witzig, manchmal sogar ganz praktisch - wie das Katzenklo, das sich in einem Pflanzenübertopf versteckt - und häufig auch schön. Doch gerade, wenn man zum ersten Mal Eltern wird, dann kann einen das Angebot regelrecht erschlagen und man weiß gar nicht mehr, was wird tatsächlich gebraucht und was ist einfach völlig überflüssig.
Man sagt ja, ein Kind kostet seine Eltern bis zum 18. Geburtstag rund 120.000 Euro. So alles in allem also eine schöne Eigentumswohnung. Und wenn man all dem, was einem allein die Baby- und Kleinkindindustrie als sinnvoll vorstellt, glaubt, dann dürfte auch noch ein Garten drin sein. Denn die Ausgaben beginnen lang bevor das Kind auf der Welt ist. Bereits während der Schwangerschaft kann man bei der Umstandskleidung in Fachgeschäften ein Vermögen loswerden: Büromode, festliche Mode, Nachtwäsche vom Feinsten oder gar ein spezieller Morgenmantel nur für ein paar Wochen - ob das alles wirklich notwendig ist, ist oft einfach eine Frage des Geldbeutels und der Vernunft. Und nicht selten des Status, den man ausdrücken möchte.
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Ähnliches gilt für die liebevolle Einrichtung des Kinderzimmers. Auch hier kann man sich austoben und die tollsten Möbelstücke kaufen. Die ausgefallensten Wippen, Betten in Form von Rennautos oder komplett durchgestylte Prinzessinnenträume - auch hier wieder eine Frage des Geschmacks der Eltern. Dass all diese Dinge genau wie ein Schlabberlätzchen mit Sixpackmuskelabbildung, ein versilberter Babyschnuller, Wickeltaschen von bekannten Labels, die ein Vermögen kosten oder auch der Gläschenwärmer fürs Auto nichts als der pure Luxus sind, ist jedem klar und dass nicht alles, was schön aussieht, sich auch wirklich als praktisch erweist, meist relativ schnell auch.
Doch woher soll man in der ersten Schwangerschaft sicher wissen, ob man einen speziellen Windeleimer, einen extra Einsatz für die Badewanne oder einen Badeeimer, einen Milchumrührer für das Babyfläschchen oder einen aus raumfahrtgetesteten, so genannten intelligenten Stoffen genähten Schlafsack wirklich benötigt? Beziehungsweise, was man wirklich braucht, wenn das erste Baby auf die Welt kommt. Alexandra Mück ist seit zwanzig Jahren Hebamme und sie hat festgestellt, dass viele Eltern fast schon ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht alles Mögliche für ihr Kind anschaffen. "Doch wirklich notwendig ist ehrlich gesagt das Wenigste davon. Ein Baby braucht weder einen Nasensauger noch ein Schnullerthermometer, keine Windeln mit Feuchtigkeitsnachweis, die anzeigen, ob sie voll sind und es braucht auch kein Babypuder, keine Sonnenbrille und keinen Helm, wenn es laufen lernt. Am schlimmsten aber sind die Lauflernhilfen, denn die sind nicht nur völlig unnötig, sondern auch noch gefährlich."
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Klar ist, das Kind muss irgendwie transportiert werden. Ob man sich hierbei für Tragetuch oder Kinderwagen entscheidet, das ist auch ein bisschen eine Frage des Typs. Zieht man den Kinderwagen vor, dann kann das teuer werden, denn speziell hier gibt es einiges an Luxus, den die Welt und vor allem das Baby wirklich nicht braucht. Aber auch das Tragetuch kann mit zusätzlichen Extras ergänzt werden. Wie zum Beispiel speziellen Jacken, die über das Tuch oder die Bauchtrage passen und bei denen teilweise sogar die Babymützchen schon integriert sind. Mehrere hundert Euro muss einem das allerdings wert sein, wenn man nicht einfach die Jacke des Papis zum Warmhalten tragen möchte. Umgerechnet auf die relativ kurze Tragezeit, im wahrsten Sinne des Wortes, eine Menge Geld.
Doch die Hersteller spielen nicht nur mit der Eitelkeit, sie reagieren auch auf den Faktor Angst. Gerade der plötzliche Kindstod steht bei jungen Eltern immer irgendwie drohend im Raum und da liegt es nahe, über ein Babyphon mit Videoüberwachung oder gar eine Sensormatte nachzudenken, die man unter die Matratze legt und die Atmung, Bewegung und manchmal auch die Temperatur ständig kontrolliert und Alarm schlagen kann. "Bei Eltern, in deren Freundes- oder Verwandtenkreis es einen Fall von plötzlichem Kindstod gab oder solchen, die ein krankes Kind haben, da kann ich eine solche Anschaffung verstehen und drücke als Hebamme auch beide Augen zu", meint die Erlangerin. "Aber bei einem gesunden Säugling rate ich absolut davon ab. Denn erstens gibt einem auch ein solches Gerät keine Garantie und zweitens löst es durch häufige Fehlalarme nur unnötigen Stress aus: bei den Eltern und beim Kind."
Ob man will oder nicht, man bekommt, sobald man schwanger ist, eine Menge Ratschläge von allen Seiten. Andere Eltern, Mütter und Schwiegermütter geben in der Regel sehr gerne ihr "Fachwissen" preis und erzählen über ihre Erfahrungen mit den diversen Babyartikeln. Dabei muss man allerdings damit rechnen, dass das eigene Baby manches anders sehen wird. Denn was das eine mag, gefällt nicht automatisch auch dem anderen. Und so manches hat man einfach auch früher anders gehandhabt. Aber eine grobe Richtung lässt sich sicher ausmachen und mit dem ein oder anderen Tipp lässt sich auf diese Weise so mancher Euro sparen.
Quelle: Simone Blaß, t-online.de
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