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Sollten Babyklappen verboten werden?

19.01.2012, 09:24 Uhr | AFP, dapd

Sollten Babyklappen verboten werden?. Mehr als 970 Kinder sind einer Studie zufolge anonymer Herkunft. (Quelle: imago)

Mehr als 970 Kinder sind einer Studie zufolge anonymer Herkunft. (Quelle: imago)

Mindestens 973 Kinder wurden seit 1999 in Deutschland bei anonymen Geburten zur Welt gebracht oder in Babyklappen abgelegt. Zwei Drittel (652 Kinder) wurden anonym geboren, knapp ein Drittel (278) wurde in eine Babyklappe gelegt. Weitere 43 Kinder wurden Mitarbeitern dieser Einrichtungen anonym übergeben, wie "Die Welt" unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Jugendinstituts im Auftrag des Bundesfamilienministeriums berichtete. In Hamburg war vor zwölf Jahren bundesweit die erste Babyklappe eingerichtet worden. Nun fordert der Ethikrat deren Verbot.

Vermittlung an Adoptivfamilien

Die Hälfte der Kinder aus Babyklappen und ein Drittel der Säuglinge aus anonymen Geburten seien laut Studie schnell in Adoptivfamilien vermittelt worden. Für 376 Kinder seien laut den beteiligten Jugendämtern Adoptionsvormundschaften erteilt worden, von denen 45 durch die leiblichen Eltern zurückgenommen wurden.

Informationen über weiteres Schicksal fehlen bei einem Fünftel

Befragt wurden den Angaben zufolge 591 Jugendämter, von denen sich 466 beteiligten. Von den 344 angeschriebenen Trägern der Angebote von Babyklappen oder anonymen Geburten beteiligten sich 272 an der Befragung. Allerdings gebe es "sehr große (Qualitäts-)Unterschiede innerhalb der Trägerlandschaft", hieß es. So hätten die Träger nur zum Teil Angaben über das weitere Schicksal der Kinder machen können. "Bei den Anbietern und Trägern fehlen für ein gutes Fünftel der anonym abgegebenen Kinder Informationen über deren Verbleib", zitiert die Zeitung die Autoren. Diesen Zustand bezeichnete die Vizechefin des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen, als "außerordentlich erschreckend" und "nicht hinnehmbar".

Kommt das Verbot der Babyklappen?

Deshalb spricht sich die Medizinethikerin für ein Verbot der Babyklappen aus. Eine gesetzliche Regelung "vertraulicher Geburten" hatte der Deutsche Ethikrat schon in einer Stellungnahme vor zwei Jahren gefordert und zugleich mehrheitlich die Schließung von Babyklappen empfohlen. Nach Ansicht des Ethikrats sind die Angebote ethisch und rechtlich problematisch, unter anderem weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will nach Informationen der "Welt" noch in dieser Legislaturperiode Konsequenzen aus den Ergebnissen der Studie mit den Koalitionsfraktionen besprechen.

"Zielgruppen werden nicht erreicht"

In der Expertise des Deutschen Jugend-Instituts heißt es einem Vorab-Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" zufolge: "Die Ursprungsidee der Angebote zur anonymen Kindesabgabe war die Lebendrettung von Neugeborenen, die in Gefahr waren, durch Tötung nach der Geburt oder Aussetzung zu versterben. Dies ist vielfach nicht mehr das vorrangige Motiv zur Weiterführung der Angebote zur anonymen Kindesabgabe." Weiter kritisierten die Experten, dass die "Zielgruppen, die bei der Einrichtung der Angebote vielfach im Fokus standen (Prostituierte, Drogenabhängige, sehr junge Mädchen, Frauen, die ihre Neugeborenen töten oder aussetzen) nicht erreicht werden." Auch Woopen sagte gegenüber der Zeitung "Die Welt", den Frauen werde durch die anonymen Angebote nicht geholfen. Stattdessen würden sie in eine Anonymität entlassen, "in der sie mit ihrer Not unverändert allein bleiben". Woopen forderte, die Empfehlung des Ethikrates nun umzusetzen, die Hilfsangebote für Schwangere in Notlagen auszubauen und die Informationen über bestehende legale Hilfsangebote zu verstärken.

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