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Frühchen: Felix heißt die mobile Intensivstation für Neugeborene

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"Felix" heißt die mobile Intensivstation für Neugeborene

19.03.2012, 09:58 Uhr | mmh

Frühchen: Felix heißt die mobile Intensivstation für Neugeborene. "Felix" im Einsatz: Im Baby-Notarztwagen "schweben" die kleinen Patienten mit Blaulicht in die Klinik. (Foto: Daimler)

"Felix" im Einsatz: Im Baby-Notarztwagen "schweben" die kleinen Patienten mit Blaulicht in die Klinik. (Foto: Daimler)

Das sicherste Transportmittel für ein Baby ist der Bauch der Mutter. Doch was tun, wenn ein Baby zu früh kommt? Wenn ein Frühchen gleich nach der Geburt dringend in eine Spezial-Klinik verlegt werden muss? Dann gibt es "Felix", den wahren "Baby-Benz". Dieser Baby-Notarztwagen ist eine mobile Neugeborenen-Intensivstation, mit höchster Sicherheit. Doch die hat ihren Preis. Die Björn-Steiger-Stiftung hat den Rettungswagen jetzt präsentiert. Ein emotionales Thema, das auch Technik- und Autofreaks fasziniert.

Neue Generation von Baby-Rettungswagen

Wenn ein Kind in Not ist, muss es schnell gehen - hat deshalb Mika Häkkinen, ehemaliger Formel-1-Rennfahrer, den neuen Baby-Notarztwagen "Felix" vorgestellt? Es ist ein völlig neues Konzept, das in dieser Generation von Rettungswagen steckt, ein Gesamtsystem aus Fahrzeug- und Medizintechnik, mit dem die Kinder so schonend, erschütterungsfrei und ruhig wie möglich transportiert werden. Den ersten "Felix" erhält die Kinder- und Jugendklinik in Datteln, Vechta den zweiten, Oldenbourg und Fulda folgen.

Alles spendenfinanziert

Der Preis beträgt fast 450.000 Euro pro Fahrzeug. Insgesamt plant die Björn Steiger Stiftung innerhalb der kommenden fünf Jahre 60 Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen. "Mit etwa 60 Fahrzeugen erreichen wir annähernd eine Flächenvollversorgung in Deutschland. Wir hoffen, dass sich nun immer mehr Kliniken für den Fortschritt entscheiden, um von den Vorteilen des modernen Systems beim Hospitaltransfer von Frühchen und Babys profitieren zu können. Das ist im Interesse der kleinen Patienten unser definiertes Ziel. Die Anschaffung ist allerdings nur dann möglich, wenn sich viele Spender finden, die das Projekt unterstützen“, sagte Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung.

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Quer statt längs und andere sanfte Neuerungen

Lärm, Stöße, Fliehkräfte - so vieles stürmt auf die zarten Wesen ein, wenn sie verlegt werden. Auf den ersten Blick ist es die nur Fahrtrichtung, die anders ist. Anders als in Erwachsenen-Rettungswagen, liegt das Baby nicht längs zur Fahrtrichtung, sondern quer. Für eine Art „Schwebezustand“ für die Frühchen sorgt ein Inkubator, der durch mehrere Elektromotoren gesteuert, einen erschütterungs- und vibrationsfreien Transport ermöglicht. Um die Babys vor Umgebungs- und Fahrgeräuschen zu schützen, ist der Rettungswagen zudem extra isoliert und gedämmt.

Sicherere Transport reduziert Sterblichkeit

Mediziner bestätigen, dass außerhalb des Bauchs der Mutter dies die schonendste Transportmöglichkeit für Babys sei. Leider bedeutete nämlich bisher ein Transport mit den veralteten Systemen höhere Schädigungen für die Kinder und somit schlechtere Ausgangswerte, Spätschäden und eine eine bis zu dreifach höhere Sterblichkeit.

Dahinter steht ein neues Denken: Kündigt sich eine Frühgeburt an, so versucht man heute Mutter und Kind vor der Geburt in ein Perinatalzentrum zur bestmöglichen Versorgung zu transportieren, während man früher die Mutter erst entbunden, dann das Kind in eine Spezialklinik verlegt hat. "Felix" startet im Notfall von seiner Basis im nächstgelegenen Frühgeborenen-Zentrum und holt das Baby ab.

30.000 Babys müssen transportiert werden

Mehr als 30.000 kleine Patienten müssen jedes Jahr in Deutschland von einer Geburtsklinik in eine Spezialklinik transportiert werden. Die Belastungen einer solchen Verlegungsfahrt durch äußere Einflüsse wie Erschütterungen und Lärm sind für Frühchen enorm und können ihre Gesundheit gravierend schädigen. Darüber hinaus benötigen sie während der Fahrt eine kontinuierliche intensivmedizinische Betreuung. Erfordernisse, die herkömmliche Notarztwagen in vielen Fällen nicht oder nur unzureichend erfüllen, weil sie auf den Transport von erwachsenen Patienten ausgerichtet sind.

Schon 1974 entwickelte die Björn-Steiger-Stiftung den ersten Baby-Rettungswagen überhaupt. Einige Autos sind noch im Einsatz, sollten aber gar nicht mehr verwendet werden, so Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. Die Babytransporte sind ein speziell deutsches Phänomen, da in anderen Ländern keine so strenge Trennung zwischen Entbindungsklinik und Perinatalzentrum besteht.

Herzblut, Engagement, Geld und Entwicklungsleistung

Es stecken viel Herzblut, Engagement, Geld und Entwicklungsleistung in diesem neuen Baby-Rettungswagen. Investitionen, an denen die Björn-Steiger-Stiftung beinahe zerbrochen wäre. Aus dem einen Jahr geplanter Entwicklungszeit wurden drei Jahre, aus 0,5 Millionen Euro Entwicklungskosten wurden fünf Millionen. Die Mitarbeiter der Stiftung verzichteten über einen längeren Zeitraum auf 25 Prozent ihres Gehalts. Umso wichtiger waren starke Partner aus der Industrie, wie Daimler, die auch die gesamten Tests für diesen eigentlich wahren "Baby-Benz" durchführten: Fast 20.000 Ingenieursstunden, rund 10.000 Test-Kilometer, diverse Crash-Tests und über fünf Millionen Euro Entwicklungskosten waren für die Systemlösung erforderlich.

Emotionale Diskussionen

Steiger kennt die Fragen, ob so hohe Kosten wirtschaftlich gerechtfertigt seien, ob das wirklich alles nötig sei. "Es ist das teuerste fahrende Rettungsauto, aber günstiger als Hubschrauber, die keiner in Frage stellt", gibt Steiger zu bedenken. Allein in Stuttgart - der Heimat der Stiftung - ist der Baby-Rettungswagen 800 mal pro Jahr im Einsatz, der Hubschrauber 1200 mal, der in der Anschaffung fünf Millionen kostet. "Ich will diese Diskussion nicht führen, wie viel ein Baby-Leben wert ist", erklärt Steiger nachdrücklich.

Neues, aktives Dämpfungssystem

Die kleinen Patienten reagieren sehr empfindlich auf Stöße, Erschütterungen und Fliehkräfte, die auf die zarten Körper wirken. Die lebensbedrohenden Probleme, die herkömmliche Rettungswagen bei einem Transport verursachen, löst dieser Rettungswagen: Er hat ein völlig neues, aktives Dämpfungssystem unter dem neu konstruierten Intensiv-Transportinkubator. Fahrbahnunebenheiten von bis zu zehn Zentimetern Tiefe werden mit dem extrem reaktionsschnellen Federungs- und Dämpfungssystem ausgeglichen. Dies ermöglicht einen erschütterungsfreien Transport, reduziert die Belastungen für die kleinen Patienten bereits erheblich und bietet damit eine deutlich höhere Überlebenschance.

Ausgefeilte Technik: Quer zur Fahrtrichtung verbauter Transportinkubator

Der transportable Brutkasten für Neugeborene ist das Herzstück. Er ist direkt hinter der Trennwand zum Fahrerhaus quer zur Fahrtrichtung eingebaut. Damit ist der Inkubator genau zwischen den Achsen montiert, wo die geringsten physikalischen Kräfte wirken. Der entscheidende Vorteil: Die Gefahr einer lebensbedrohlichen Verletzung der empfindlichen Blutgefäße und der nicht verwachsenen Fontanelle werden in dieser Liegeposition drastisch gesenkt und damit die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich erhöht. Dieser Quertransport ist die medizinisch beste Transportart für Neugeborene, was zahlreiche Studien bereits seit den 70er Jahren belegen. Deshalb setzt die Björn Steiger Stiftung diese Transportmethode seit 1974 konsequent in ihren Fahrzeugen ein. Allerdings fahren in vielen Teilen Deutschlands herkömmliche Rettungswagen die Frühchen immer noch längs zur Fahrtrichtung und ohne aktives Federungssystem. Bei starken Bremsmanövern oder starken Unebenheiten der Straße schwebt das Frühchen damit permanent in Lebensgefahr.

Mobiler Intensivarbeitsplatz mit Transportinkubator

In der fahrenden Intensivstation können die Frühchen unterwegs optimal intensivmedizinisch betreut werden. Dafür ist rund um den neu konzipierten, lebenserhaltenden Transportinkubator ein intensiv-medizinischer Arbeitsplatz eingerichtet worden. Dazu gehören das integrierte
Beatmungsgerät einschließlich Luftbefeuchter, das Monitoring-System zur Überwachung aller Vitalwerte, das CO2-Messgerät, die speziell auf Neugeborene abgestimmte Absaugpumpe, bis zu zwölf Perfusoren (Spritzenpumpen) und bis zu zwei Sauerstoff- und zwei Druckluftflaschen oder optional Stickstoffmonoxid.
Das System beinhaltet zudem eine eigene Stromversorgung, die außerhalb der Klinik und außerhalb des Fahrzeugs über zwei Stunden alle Geräte mit Strom versorgt. Im Fahrzeug selbst gibt es eine eigene permanente Stromversorgung sowie zusätzliche Sauerstoff- und Druckluftflaschen. Damit ist die Versorgung im Notfall auch für mehrere Stunden gewährleistet. "Felix“ bietet zudem den Rettungskräften und dem medizinischen Begleitpersonal mehr Sicherheit, eine verbesserte Handhabung der Geräte sowie zusätzliche Möglichkeiten der Überwachung und Betreuung.

Spezielle Schulungen für Fahr- und Klinikpersonal

Durch die speziellen Schulungs- und Simulationstrainings erhalten Fahrer und Klinikpersonal die notwendige Sicherheit für den Noteinsatz unter realitätsnahen Bedingungen. Diese Schulungen in Kombination mit der modernsten Fahrzeug- und Medizintechnik machen "Felix“ zu dem weltweit ersten ganzheitlichen Baby-Notarztwagen-System. "Im Sinne der Eltern kann ich nur hoffen, dass der von unserer Stiftung bereits 1974 eingeführte Quertransport in Deutschland endlich der verbindliche Standard für den Transport der Neugeborenen wird“, betonte Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung.

Björn Steiger Stiftung

Am 7. Juli 1969 nach dem Unfalltod von Björn Steiger als gemeinnützige Organisation gegründet ist die Björn Steiger Stiftung federführend in der Entwicklung der deutschen Notfallhilfe. Seit über 40 Jahren unterstützt und entwickelt die Stiftung viele Initiativen, die die Notallhilfe in Deutschland kontinuierlich verbessert haben. Dazu gehören beispielsweise die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der zivilen Luftrettung, die Einführung der kostenlosen Handyortung im Notfall und die Entwicklung und Finanzierung der Baby-Notarztwagen.

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