Beikosteinführung
Baby Led Weaning: die Revolution der Kinderernährung04.09.2013, 14:38 Uhr | Simone Blaß, t-online.de
Beim Baby Led Weaning ist die Sauerei eingeplant. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Die Zeit des Fütterns mit dem Löffel scheint vorbei. Denn eine neue Methode aus den USA beginnt sich auch in Deutschland durchzusetzen: das Baby Led Weaning (BLW). Bei dem das Kind im wahrsten Sinne des Wortes das Essen selbst in die Hand nimmt - und dabei auch selbst bestimmt, wann, was und wie viel davon es isst. Hier finden Sie Tipps, wie sich diese "revolutionäre" Methode erfolgreich umsetzen lässt.
Das Gesicht komplett verschmiert, die Hände voller Essensmatsch und rund um den Hochstuhl sieht es aus, als wäre irgendetwas Essbares explodiert - die sechs Monate alte Lucy aber strahlt über das ganze Gesicht. "Ein bisschen Geduld braucht man schon für diese Methode der Beikosteinführung", stöhnt ihre Mutter und verdreht lächelnd die Augen. "Doch wenn man sieht, wie sehr die Kleine diese Form des selbstbestimmten Essens genießt und wenn ich daran zurückdenke, was das Breifüttern bei ihrem großen Bruder für ein Kampf war - da ist mir das bisschen Putzen eindeutig lieber."
Zugegeben, es ist nicht jedermanns Sache, dieses "vom Baby geführte Abstillen", wie es frei übersetzt heißt. Ein entscheidender Faktor ist, die Konsistenz des Essens mit den Fingern zu erforschen, zu zermatschen, es in den Mund zu stopfen und auch mal wieder auszuspucken - und zwar ab dem Zeitpunkt, an dem das Baby beginnt, sich für das Familienessen zu interessieren, in etwa also mit fünf, sechs Monaten. Im Gegensatz zu den Zeiten, in denen man aus Angst vor Allergien nur vorsichtig ein Lebensmittel nach dem anderen einführen sollte, ist jetzt gerade die Vielfalt angesagt. Weich gekochtes Gemüse oder Obst, Nudeln, Käse, gekochte Eier, Couscous, weiches Fleisch oder auch grätenfreier Fisch - die Stücke müssen lediglich groß genug sein zum Lutschen, Kauen oder Knabbern.
Die Grundlagen der Baby-gesteuerten Beikosteinführung sind Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie eine Studie von Gill Rapley, die sich unter anderem für die Unicef-Initiative "Baby Friendly" engagiert und den BLW-Eltern nahelegt, die Mahlzeiten als Spielzeiten zu betrachten. Man nutzt die Neugier und die Lust des Babys am Imitieren und hilft so dem Kind nicht nur dabei, die unterschiedlichen Formen, Farben und Geschmacksrichtungen kennenzulernen, sondern fördert auch die motorischen Fähigkeiten wie das gezielte Greifen, die Koordinationsfähigkeit sowie den Pinzettengriff. "Es ist eine Freude, Lucy dabei zuzusehen, wie sie erstaunt feststellt, dass Weintrauben oder Erbsen schwerer zu greifen sind als zum Beispiel Mango. Die dafür aber glitschiger ist als Gurke und aus dieser wiederum der Saft tropft, wenn man sie zusammendrückt."
Im Gegensatz zum Breiessen lernt das Kind erst zerdrücken beziehungsweise kauen und dann das Schlucken. "Beim Kauen, Schlucken, Lecken und Saugen trainieren Babys die koordinierte Bewegung des Mundapparates und der Zunge sowie die Muskulatur - und machen sich dabei fit für das Sprechenlernen", schreibt die Ernährungswissenschaftlerin Susanne Klug in ihrem Buch "Die neue Babyernährung" und weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in dieser Hinsicht vor allem eine unterschiedliche Konsistenz der Nahrung und damit das BLW förderlich sei.
Am einfachsten umzusetzen ist das Baby Led Weaning bei gestillten Kindern, da diese erstens verschiedene Geschmäcker bereits durch die Muttermilch kennen und man zweitens Stillbabys bei Bedarf anlegen und so sicher sein kann, dass das Kind immer satt wird. Möchte man das BLW bei Flaschenkindern anwenden, so kann man entweder eine Mischform mit Brei wählen oder sich mit seinem Kinderarzt besprechen, wie man am besten vorgeht. Auch bei Kindern, bei denen die Gefahr einer Lebensmittelallergie besteht, sollte man vorher entweder das Gespräch mit dem Arzt suchen oder auch beim BLW nur ein Lebensmittel nach dem anderen einführen.
In vielen Familien wird eine etwas abgeschwächtere Form des BLW gelebt und zwar, ohne je zu wissen, dass es einen Namen dafür gibt. Vor allem Kinder mit Geschwistern bestehen schnell darauf, das Gleiche zu essen oder zumindest zu probieren, was die Großen auf dem Teller haben. Allein die Angst vor Lebensmittelallergien oder Unverträglichkeiten hat diese natürliche Neugier in den letzten Jahren eingedämmt. Wie gut, dass man inzwischen weißt, dass gerade Vielfalt beim Essen sowohl in der Schwangerschaft als auch beim Kleinkind vor Allergien aller Art schützen kann.
Zunächst scheint alles nach Plan zu verlaufen. Doch dann nimmt die Kleine den Mund zu voll.
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04.09.2013, 14:38 Uhr | Simone Blaß, t-online.de
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