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Ein rätselhafter Patient: Blase hinter dem Herz

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Ein rätselhafter Patient  

Blase hinter dem Herz

30.11.2014, 10:39 Uhr | Von Heike Le Ker, Spiegel Online

Ein rätselhafter Patient: Blase hinter dem Herz. So sieht die Röntgenaufnahme eines gesunden Kindes aus. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

So sieht die Röntgenaufnahme eines gesunden Kindes aus. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nach einer Woche mit Geschrei und Erbrechen bringen Eltern ihre acht Monate alte Tochter ins Krankenhaus. Auf Röntgenbildern entdecken die Ärzte im Brustkorb eine Blase. Wenig später liegt das Mädchen auf dem OP-Tisch.

Das kleine Mädchen ist reizbar und aufgeregt. Es weint viel, hustet und muss sich immer wieder übergeben, zuletzt sieht das Erbrochene dunkelbraun, fast schwarz aus. Seit sieben Tagen schon isst und trinkt das acht Monate alte Kind weniger als üblich. Sorgenvoll bringen die Eltern ihre Tochter in die Notfallambulanz des Midland Regional Hospitals im irischen Mullingar.

Die Ärzte dort untersuchen das Kind, das sich lethargisch bewegt und auf Berührungen mit Weinen reagiert. Es hat kein Fieber, ist durchschnittlich groß und war nach einer natürlichen Geburt zum errechneten Termin bislang noch nie krank. Die Mutter hat das Mädchen sechs Monate lang gestillt, danach hat es bereits Brei gegessen und gut vertragen, Allergien sind nicht bekannt.

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Verrutschtes Organ

Die Kinderärzte nehmen die kleine Patientin zur Beobachtung ins Krankenhaus auf und lassen Flüssigkeit in ihre Venen laufen, um ihren Kreislauf zu unterstützen. Alle Blutuntersuchungen sind unauffällig und zunächst scheint sich die Situation zu beruhigen.

Dann erbricht sich das Mädchen plötzlich wieder mehrfach und es geht ihm deutlich schlechter. Die Ärzte entscheiden sich daher, eine Röntgenaufnahme vom Oberbauch und der Brust zu machen. Eine wichtige und richtige Entscheidung, wie die Bilder belegen: Hinter dem Herzen ist eine riesige, mit Luft gefüllte Blase zu sehen, die dort nicht hingehört.

Bei der Blase handelt es sich um den Magen, der durch ein Loch im Zwerchfell in den Brustkorb gerutscht ist, vermuten die Mediziner, wie sie in "BMJ Case Reports" berichten. Eine solche Hernie kommt bei kleinen Kindern extrem selten vor, in den meisten Fällen sind Erwachsene betroffen. Zu rund 95 Prozent rutscht dann der Magen zusammen mit der Mündung der Speiseröhre durch den natürlichen Spalt im Zwerchfell nach oben. Viele Menschen bemerken das gar nicht. Andere leiden unter Sodbrennen, weil ein Teil des Mageninhalts wieder zurück in die Speiseröhre fließt.

Als Notfall in den OP

Ob das Kind Sodbrennen hat, wissen die Ärzte nicht, zumindest wäre seine Reizbarkeit so deutbar. Um die Lage des Magens im Thorax besser beurteilen zu können, lassen sie das Mädchen eine Flüssigkeit mit Barium schlucken, das sich als Kontrastmittel in einer Röntgenaufnahme darstellen lässt:

Im Bild stellt sich die Magenfüllung schwarz da. Besorgt stellen die Ärzte fest, dass sich der Magen im Brustkorb um die eigene Längsachse gedreht haben muss und ein Teil des Organs abgeschnürt wird (Volvulus). Die Passage von Nahrung ist dadurch stark eingeschränkt, was wiederum das häufige Erbrechen ausgelöst hat. Die dunkle Farbe des Erbrochenen kommt vermutlich durch Blut zustande, das etwa aus einem Schleimhautdefekt im Magen ausgetreten ist und mit Magensäure in Kontakt gekommen ist. Mediziner sprechen in so einem Fall von Kaffeesatz-Erbrechen.

Ein Volvulus ist immer ein Notfall und muss chirurgisch behandelt werden, damit der abgeschnürte Organteil nicht abstirbt. Bei dem kleinen Mädchen operieren die Chirurgen endoskopisch, was durchschnittlich weniger Komplikationen nach sich zieht als eine offene OP. Sie rücken den Magen wieder in seine ursprüngliche Position, beschreiben allerdings ihr genaues Vorgehen nicht weiter. Nach dem Eingriff ist der Magen vorübergehend gelähmt, die typische Muskeltätigkeit kann aber durch ein Medikament wieder angestoßen werden. Vier Monate nach der Operation ist das Kind rundum gesund.

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