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Kaiserschnitt: Mutter holt Zwillinge selbst aus dem Bauch

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Ungewöhnlicher Kaiserschnitt  

Mutter holt ihre Zwillinge selbst aus dem Bauch

23.01.2015, 18:55 Uhr | tze

Eine mit Zwillingen schwangere Australierin hat bei der Kaiserschnittgeburt selbst Hand angelegt und die Babys aus dem geöffneten Bauch gehoben. "Mütterlich assistierter Kaiserschnitt" nennt sich diese ungewöhnliche Art der Entbindung.

Die 41-jährige Gerri Wolfe hatte schon neun Kinder zur Welt gebracht, vier davon per Kaiserschnitt. Wie viele andere Frauen auch, empfand sie die Entbindung per Operation als unpersönlichen und sterilen Vorgang, bei dem der Kontakt zwischen der Mutter und dem Neugeborenen zu kurz kommt. Deshalb war sie unglücklich über den bevorstehenden fünften Kaiserschnitt, der unumgänglich war, weil in der 36. Schwangerschaftswoche Komplikationen aufgetreten waren. Die Zwillinge Matilda und Violet hatten sich im Bauch in eine ungünstige Position manövriert.

"Es ist mein Körper, es sind meine Babys"

Wolfe erinnerte sich an eine Methode, von der sie einige Jahre zuvor im Internet gelesen hatte: Von der Mutter unterstützter Kaiserschnitt ("maternal assisted ceasarian"). Dieser wird äußerst selten praktiziert, aber 2007 gab es schon einmal eine solche Geburt in Australien. Der Ablauf ist wie bei einem herkömmlichen Kaiserschnitt - bis zu dem Moment, in dem das Kind nach dem Öffnen der Bauchdecke aus dem Mutterleib gehoben wird. Diesen Schritt darf die Gebärende selbst übernehmen, beziehungsweise sie übernimmt das Kind direkt vom Arzt und hebt es zu sich herauf.

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Der Gynäkologe von Terri Wolfe lehnte zunächst rigoros ab, aber die 41-Jährige blieb hartnäckig. "Es ist mein Körper, es ist meine Entbindung, es sind meine Babys", insistierte sie laut "Daily Mail Australia". Daraufhin recherchierte der Arzt über diese Möglichkeit und die damit verbundenen Risiken und willigte schließlich ein. Die Bedingungen waren strenge Hygienemaßnahmen für die mithelfende Mutter, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Strenge Hygiene zum Schutz der Babys

Am 22. Dezember kamen Mathilda und Violet schließlich mit beherztem Zupacken ihrer Mutter im John Hunter Hospital in Newcastle zur Welt. Eine Fotografin hat den besonderen Kaiserschnitt in einer Fotoserie festgehalten.

Bevor es losging, musste Wolfe im Kreißsaal gründlich ihre Hände und Arme desinfizieren und zwei Paar steriler Handschuhe bis zu den Ellenbogen überstreifen. Nach der Epiduralanästhesie gegen das Schmerzempfinden im Unterleib bekam sie im Bett das obere Paar Handschuhe ausgezogen und wurde ermahnt, die Hände auf dem Oberkörper ruhen zu lassen und bloß nichts mehr anzufassen.

"Sind Sie bereit, diese Babys in Empfang zu nehmen?"

"Ich durfte mich nicht rühren, bis der Arzt sich über mich beugte und fragte 'Sind Sie bereit, diese Babys in Empfang zu nehmen?'", schildert die Mutter den aufregenden Moment. Sie sollte die Arme ausstrecken und nach dem ersten Zwilling tasten, den die Geburtshelfer schon ein Stück aus dem geöffneten Bauch gehoben hatten. Sie legte beide Hände um den von Fruchtwasser und Käseschmiere glitschigen kleinen Körper und hievte das Baby auf ihren Oberkörper.

Wolfe blieb nur eine kurze Verschnaufpause mit der kleinen Matilda auf der Brust, denn eine Minute später kam Schwesterchen Violet an die Reihe. Sie aus dem Bauch zu heben, war wegen ihrer Beckenendlage komplizierter, zumal die Mutter nur noch eine Hand frei hatte. Der Arzt half, Violet in eine günstige Position zu drehen, damit ihre Mutter auch sie in den Arm nehmen konnte.

"Und dann hatte ich beide!", freute sich die 41-Jährige. Sie beschreibt diese Entbindung als einen "wundervollen, intimen Moment, fast wie eine natürliche Geburt."

Kaisergeburt: mehr Babykontakt beim Kaiserschnitt

Immer mehr Babys kommen per Kaiserschnitt zur Welt, in Deutschland bereits jedes dritte. Gleichzeitig wächst unter Müttern, bei denen aus medizinischen Gründen ein Kaiserschnitt nötig ist, das Unbehagen über diese "kontaktlose" Art der Geburt. Der Unterleib ist betäubt, eine Sichtblende schirmt die Frau von der Operation ab, der Arzt hebt das Baby aus dem Bauch und es wird direkt zum Untersuchen und Säubern weggetragen. Erst lange Minuten später kann die Mutter ihr Neugeborenes sehen und in den Arm nehmen. Der wertvolle erste Moment zwischen Mutter und Kind verzögert sich.

In Deutschland ist der "mütterlich assistierte Kaiserschnitt" unüblich. Aber es gibt eine andere Kaiserschnitt-Methode, die dem Bedürfnis nach einem natürlicheren Geburtserlebnis entgegenkommt: die Kaisergeburt. Der Berliner Gynäkologe Wolfgang Henrich hat sie an der Charité eingeführt, inspiriert von einem australischen Gynäkologen, der in London praktiziert. Der kleine, aber entscheidende Unterschied zum normalen Kaiserschnitt sind Blickkontakt und früherer Körperkontakt. Während Geburtshelfer das Baby langsam aus dem Bauch holen, wird das abschirmende Tuch so weit abgesenkt, dass die Mutter den entscheidenden Moment miterleben kann, ohne zu viel vom Operationsgeschehen zu sehen. Direkt nach dem Abnabeln bekommen sie das Baby ein erstes Mal auf die Brust gelegt.

Frauen, die so entbunden haben, beschreiben ein Glücksgefühl, diesen ersten Moment mit dem Baby erlebt zu haben. Experten vertreten die These, dass dadurch eine stärkere Mutter-Kind-Bindung ermöglicht wird als bei einem herkömmlichen Kaiserschnitt.

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