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Babyklappen als letzter Ausweg

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Der letzte Ausweg  

Babyklappen sollen das Leben von Kindern retten

16.03.2015, 13:57 Uhr | Julia Naue, dpa

Babyklappen als letzter Ausweg. Babyklappen oder -fenster stehen in der Kritik, sind für manche Frauen in Not aber der letzte Ausweg. (Quelle: dpa)

Babyklappen oder -fenster stehen in der Kritik, sind für manche Frauen in Not aber der letzte Ausweg. (Quelle: dpa)

Babyklappen sollen verhindern, dass Mütter in Not ihre Babys töten oder aussetzen. Doch das Angebot ist umstritten, genauso wie die Alternativen.

Etwas abgelegen an einer kaum befahrenen Straße im Kölner Stadtteil Nippes steht das Häuschen aus Wellblech. Wer achtlos daran vorbei geht, glaubt vielleicht, darin würden Mülltonnen stehen. Nur wer genauer hinschaut, sieht das Schild. "Moses Baby Fenster" steht dort in großen roten Buchstaben, und etwas kleiner darunter "Leben lassen. Anonym bleiben".

"Klappe klingt so nach Mülleimer"

Eine Mutter schiebt ihren Kinderwagen daran vorbei und biegt ab in das angrenzende "Haus Adelheid", eine Mutter-Kind-Einrichtung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). Er betreibt die Babyklappe. "Das Wort Klappe mögen wir eigentlich nicht, das klingt so nach Mülleimer", sagt Karin Horst, Leiterin des "Haus Adelheid". Besser sei Fenster - Babyfenster.

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"Baby Paul" wurde ausgesetzt

Im Dezember 2014 hatte eine Bonner Studentin ihr Neugeborenes heimlich zur Welt gebracht und ausgesetzt. "Baby Paul" wurde nur durch Zufall gefunden und konnte gerettet werden. Die Mutter ist inzwischen wegen versuchten Totschlags angeklagt. Angeblich war sie auf der Suche nach einem Babyfenster. In Bonn gibt es allerdings keines. Die Studentin hätte bis nach Köln fahren müssen.

"Kein Mensch weiß, wie viele Babyfenster es wirklich gibt"

Babyfenster sollen der letzte Ausweg sein. Doch für dieses Angebot gibt es keine rechtliche Grundlage oder rechtliche Bestimmungen. Laut NRW-Familienministerium gab es im Jahr 2013 etwa 25 Babyklappen in Nordrhein-Westfalen. Im Zeitraum 2000 bis 2013 wurden dort insgesamt 113 Kinder abgegeben. Deutschlandweit gebe es keine Zahlen, teilte eine Sprecherin des Bundesfamilienministriums mit.

"Das Problem ist, das kein Mensch weiß, wie viele Babyfenster es wirklich gibt", erklärt Monika Kleine, Geschäftsführerin des SkF. Denn durch die fehlende Rechtsgrundlage seien die Fenster nicht ins System eingebunden.

Schallwellen lösen Alarm aus

Das Babyfenster des SkF im "Haus Adelheid" gibt es seit 2001. Bisher wurden dort 21 Kinder abgegeben, eines davon lebt heute wieder bei seinen Eltern. "Wenn hier ein Baby abgelegt wird, das ist für alle Beteiligten ein sehr emotionales Erlebnis", erzählt Hausleiterin Horst. Durch Schallwellen wird der Alarm ausgelöst, sobald jemand das Fenster berührt. Beinahe jeden Tag gibt es einen Fehlalarm durch die Erschütterung vorbeifahrender Laster. Wer ein Baby findet, darf den Vornamen für das nächste Kind aussuchen. Jonas oder Mia soll das 22. Kind im Babyfenster heißen.

Rechtliche Situation ist kompliziert

Legen Mütter ihr Kind in eine Klappe, gehen sie ein Risiko ein. "Zwar ist das Angebot nicht verboten, aber sein Kind einfach zurückzulassen, ist auch nicht legal", erklärt Eva Becker vom Deutschen Anwaltverein. Wenn der Staat erfährt, dass ein Kind in einer Klappe ausgesetzt wurde, wird er nach der Mutter suchen. "Die Wahrscheinlichkeit, etwas herauszufinden, ist allerdings sehr gering."

Strafrechtlich ist die Situation für Mütter dennoch schwierig: Ob unterlassene Hilfeleistung oder Aussetzung von Schutzlosen - all das kann ihr angelastet werden. Außerdem hat ein Kind das Recht auf Kenntnis der Abstammung. Dieses Recht wird durch die anonyme Abgabe verletzt.

Neues Gesetz regelt die vertrauliche Geburt

Eine Alternative zum Babyfenster soll die vertrauliche Geburt sein. Im Mai 2014 trat das entsprechende Gesetz in Kraft. Frauen sollen ihr Kind anonym und medizinisch sicher zur Welt bringen. Während der Schwangerschaft werden sie von einer Beraterin begleitet. Nur sie kennt die Identität der Mutter.

Spricht die vertrauliche Geburt nicht die richtigen Frauen an?

Anja Podtschaske, Beraterin bei Pro Familia in Paderborn, hält davon wenig. "Ich denke nicht, dass dieses Angebot als Alternative zur Babyklappe angenommen wird", sagt sie. Außerdem geht sie davon aus, dass die vertrauliche Geburt nicht die richtigen Frauen anspricht. "Mütter, die ihr Kind auf dem Parkplatz ablegen würden, kommen nicht in die Beratungsstelle und organisieren die vertrauliche Geburt." Kleine vom SkF sieht das anders: Sie hofft, dass das Angebot langfristig die Babyklappe ersetzen wird.

Den roten Knopf drücken

Im "Haus Adelheid" versucht man, die Mutter in ihrer Not nicht alleine zu lassen. Neben dem Babyfenster in dem kleinen Wellblechhäuschen hängen Beratungsbroschüren in verschieden Sprachen. Öffnet eine Mutter das Fenster, kann sie auf einen großen roten Knopf drücken. "Der hat eigentlich keine Funktion. Aber die Mütter wissen ja nichts von dem System mit dem Schallwellen", erklärt Horst. Den Knopf ist das letzte, was sie für ihre Kinder tun können, bevor sie sie zurücklassen: Drücken und Hilfe holen - damit sich jemand kümmert.

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