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Kindesentwicklung: "Babywatching" schult das Mitgefühl von Kindern

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Sozialverhalten von Kindern  

"Babywatching" schult das Mitgefühl von Kindern

20.05.2015, 18:45 Uhr | dpa

Kindesentwicklung: "Babywatching" schult das Mitgefühl von Kindern. Kindesentwicklung: Wenn Kinder den liebevollen Umgang zwischen Mutter und Baby beobachten, wächst ihr Einfühlungsvermögen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Lektion für das Sozialverhalten: Wenn Kinder den liebevollen Umgang zwischen Mutter und Baby beobachten, wächst ihr Einfühlungsvermögen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Geht Kindern zunehmend das Mitgefühl verloren? Das befürchten Wissenschaftler. Mit einem ungewöhnlichen Projekt in Kindergartengruppen und Schulklassen soll das Einfühlungsvermögen gestärkt und Neigung zur Aggression bei Kindern abgebaut werden. "Babywatching" nennt sich die Methode.

Wenn Kinder Mütter im Umgang mit ihren Babys beobachten, stärkt dies laut einer Studie ihre Entwicklung auf mehreren Ebenen. Das Einfühlungsvermögen (Empathie) der Kinder habe sich im Gegensatz zu Gleichaltrigen deutlich verbessert, sagte der Münchener Kinderpsychiater und Psychoanalytiker Karl Heinz Brisch. Auch die Sprachentwicklung sei besser geworden. Aggressionen und Angststörungen hätten abgenommen.

Das ist das Ergebnis einer zweijährigen Untersuchung mit Drei- bis Elfjährigen in Frankfurt zum sogenannten Babywatching. 46 Kindergarten- und Hortkinder haben dabei den Umgang von zehn Müttern mit ihren Babys beobachtet und dazu Fragen von Fachkräften beantwortet. Nach Angaben der Stadt nahmen 33 Gruppen teil, 64 pädagogische Fachkräfte wurden ausgebildet.

Einzelkindern fehlt Kontakt zu Babys

Die Frankfurter Psychoanalytikerin und Kinderärztin Angela Köhler-Weisker hält die Ergebnisse für einleuchtend und das Projekt für eine "sehr gute Idee". Viele Einzelkinder hätten nur selten die Gelegenheit, Mütter mit Babys zu beobachten, sagte die Leiterin der Babyambulanz des Anna-Freud-Instituts.

"Wir stellen immer mehr fest, dass Kinder sich nicht mehr ausreichend in andere einfühlen können", sagte Brisch, leitender Oberarzt an der Kinder- und Poliklinik der Ludwig-Maximilian-Universität München. Dies werde sich voraussichtlich in den nächsten Jahren noch verschlechtern. "Da kommt eine Lawine auf uns zu."

Eltern und Erzieherinnen überlastet

Gründe seien große Krippen- und Kita-Gruppen, steigende Ansprüche, mehr Aufgaben für die Erzieher und viele Kinder mit Sprachproblemen. Viele Kinder würden auch schon wenige Wochen nach der Geburt in Krippen mit zu wenigen Erziehern betreut. Empathie sei "etwas menschlich sehr Notwendiges, sonst können wir keine dauerhaften, befriedigenden Beziehungen eingehen, weder mit Freunden und Partnern, noch später mit Kindern", betont Brisch. Normalerweise lernten Kinder Empathie bei ihren Eltern und in guten Bindungsbeziehungen. Ansonsten drohten "große Schwierigkeiten in der Schule und mit ihren Klassenkameraden und überall".

Untersuchungen in Österreich mit 250 Grundschulkindern und in Kindergruppen in München hätten zu den gleichen Ergebnissen geführt, sagte Brisch. Er ist nach eigenen Angaben der Erfinder des Projekts, das bereits in England, Holland, Neuseeland und Israel angewandt werde. Die Marienschule im hessischen Limburg habe es in ihre Ausbildung für Erzieher aufgenommen. Auch in München und Frankfurt solle es fortgesetzt werden.

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