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Schwules Paar kämpft in Thailand um Leihmutter-Baby Carmen

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Leihmutterschaft  

"Nicht ohne unsere Tochter" – schwules Paar kämpft um Baby Carmen

12.10.2015, 09:51 Uhr | Siraphob Thanthong, dpa

Schwules Paar kämpft in Thailand um Leihmutter-Baby Carmen. Leihmutterschaft: Gordon Lake spielt mit der kleinen Carmen. Er und sein Ehepartner Manuel Santos haben das Baby von einer Leihmutter in Thailand austragen lassen. (Quelle: dpa)

Gordon Lake spielt mit der kleinen Carmen. Er und sein Ehepartner Manuel Santos haben das Baby von einer Leihmutter in Thailand austragen lassen. (Quelle: dpa)

Vor einem Jahr löste das Schicksal des Babys Gammy weltweit Empörung aus. Es war von einer Leihmutter in Thailand ausgetragen, aber dann von den "Auftraggebern" abgelehnt worden. Jetzt sorgt der umgekehrte Fall für Wirbel: Ein schwules Ehepaar kämpft um die Herausgabe des Babys Carmen. Aber die Chancen stehen schlecht.

Hellwach ist die acht Monate alte Carmen und krabbelt ihren Vätern inzwischen schon ziemlich schnell davon. Frische Luft kennt das Kind aber praktisch nicht. Der Amerikaner Gordon Lake und der Spanier Manuel Santos, seit 2012 verheiratet, trauen sich nicht auf die Straße. Sie leben versteckt in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Sie fürchten die Behörden, und vor allem die Frau, die ihre Tochter zur Welt gebracht hat.

Leihmutterschaft war ein lukratives Geschäft in Thailand

Die beiden Männer sind in die Mühlen der Justiz geraten. Die Leihmutter verweigert ihre Einwilligung zur Ausreise des Babys. Als die Beteiligten die Leihmutterschaft über eine Agentur einfädelten, schien für die Väter noch alles in Ordnung zu sein. Die Rechtslage in Thailand war jahrelang schwammig. Das eröffnete Möglichkeiten für die Leihmutterschaft. Dutzende Agenturen lotsten Paare aus aller Welt durch die Vorschriften. Die Vermittlung von Leihmüttern an Wunscheltern war ein lukratives Geschäft.

Nach dem Skandal um Baby Gammy änderte sich alles

Dann kamen im Sommer 2014 gleich zwei Skandale ans Licht: Im Fall "Gammy" trug eine Leihmutter Zwillinge für ein australisches Paar aus. Der Junge Gammy wurde mit Down-Syndrom geboren. Die Eltern ließen ihn zurück und reisten mit ihrer gesunden Tochter ab. Zeitgleich machte ein Japaner Schlagzeilen, der sich von Leihmüttern in Thailand zehn Kinder austragen ließ. Die Fälle lösten weltweit Empörung aus. Thailand verschärfte seine Gesetze. Seitdem sind Leihmuttergeschäfte mit Ausländern illegal.

Ein biologischer Vater, eine gespendete Eizelle und eine Austrägerin

"Carmen ist geboren, bevor das Gesetz in Kraft getreten ist", sagt Gordon Lake der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview über den Internetdienst Skype. Er kämpft mit Santos jetzt vor Gericht darum, als Vater anerkannt zu werden.

Lake ist der biologische Vater des Mädchens. Das Kind wurde mit einer Spendereizelle gezeugt, die Leihmutter ist biologisch nicht mit Carmen verwandt. Aber sie trug das Kind aus. Ihr Name steht zudem auf der Geburtsurkunde, und damit ist sie vor dem Gesetz die Mutter.

Traum vom Familienleben zerplatzt

Der Traum von einer Familie ist für Lake und Santos inzwischen zum Alptraum geworden. Ihr zweijähriger Sohn Alvaros wurde von einer Leihmutter in Indien geboren, bevor der Gesetzgeber dort solche Arrangements für homosexuelle Paare verbot. Mit einem zweiten Baby sollte das Familienglück dann komplett sein.

Alvaros lebt nach ihren Angaben jetzt bei den Großeltern in Spanien. "Carmen sollte bei ihrem Bruder und der Familie sein", sagt Lake. "Sie sollte mit anderen Kindern zusammen sein und die Welt entdecken. Ihr Zimmer ist hergerichtet, ihre Zukunft liegt vor ihr. Aber wir stecken in einer Wohnung in Bangkok fest."

35.000 Euro für ein Baby auf Bestellung

Lake und Santos haben rund 35.000 Euro bezahlt, um ein Baby zu bekommen. Ein Teil davon ging an die 34-jährige Leihmutter. Während der Schwangerschaft lief alles nach Plan. Einen Tag nach der Geburt hielten die Väter das Baby in den Armen. Die Leihmutter unterzeichnete die Papiere, damit sie das Mädchen aus dem Krankenhaus mitnehmen konnten. Erst zum Termin in der US-Botschaft, wo die Unterschrift der Mutter zur Erteilung eines Reisepasses nötig war, erschien sie nicht mehr.

Leihmutter will Carmen nicht hergeben

"Plötzlich schickt sie uns eine SMS und sagt, sie habe es sich anders überlegt", sagt Lake. Der Presse sagte die Leihmutter, sie wolle keine schwulen Männer als Familie für das Mädchen. Freunde von ihr meinten in Sozialen Netzwerken, die Frau habe selbst schon immer ein Kind wie Carmen haben wollen und wohl nie die Absicht gehabt, das Baby aufzugeben. Sie selbst nahm eine Anwältin und hüllt sich in Schweigen. "Es geht überhaupt nicht um die sexuelle Orientierung der Männer", sagt ihre Anwältin Verutai Maneenuchanert der dpa. Mehr Details sind ihr nicht zu entlocken.

Geht es doch um die sexuelle Orientierung?

Ende Oktober ist vor Gericht der Termin zur Feststellung der Elternschaft. Gut sieht es nicht aus für die beiden Väter. Der Chefrichter des Jugendgerichts machte gerade mit einem offenen Brief Schlagzeilen, wonach Schwule keine Chance hätten, je als Eltern zugelassen zu werden. Thailand erkennt gleichgeschlechtliche Ehen nicht an. "Wir kämpfen weiter", sagt Lake. "Wir bringen unsere Tochter nach Hause. Wir werden das Land nie ohne Carmen verlassen."

Petition "Bring Carmen home"

Für ihre Petition mit dem Titel "Bring Carmen Home" haben Lake und Santos über die Website change.org schon mehr als 160.000 Unterschriften gesammelt und bei der US-Botschaft eingereicht. 

Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten

In Deutschland sind Leihmuttergeschäfte strafbar. Wer im Ausland eine Leihmutter findet, hat nur Aussicht auf einen deutschen Pass für das Kind, wenn ein Elternteil nachweislich Deutscher ist. Sonst müssen die Eltern durch den oft jahrelangen Prozess der Adoption gehen.

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