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Als Babys vertauscht: WDR-Reportage über falsche Schwestern

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WDR-Reportage "Die vertauschten Babys"  

Karin lebte 50 Jahre mit der "falschen" Schwester

07.01.2016, 20:31 Uhr | tze

Als Babys vertauscht: WDR-Reportage über falsche Schwestern. Menschen hautnah: Die vertauschten Babys. Karin hat ihre Schwester Marianne (l) nach 50 Jahren gefunden. (Quelle: WDR

Karin hat ihre leibliche Schwester Marianne (l) nach 50 Jahren gefunden. Der Film "Die vertauschten Babys" aus der WDR-Reihe "Menschen hautnah" schildert ihre Familiengeschichte. (Quelle: WDR" (S2))

Du bist wohl als Baby im Krankenhaus vertauscht worden! Wie leicht ist das im Scherz dahingesagt. Was das für eine Familie bedeutet, wenn es tatsächlich passiert ist, können Betroffene kaum in Worte fassen. Die TV-Dokumentation "Die vertauschten Babys" schildert einen besonders tragischen Fall.

In einer Nacht im Jahr 1954 kommen in einem Krankenhaus in Brandenburg kurz hintereinander zwei Babys zur Welt: Marianne und Marlies. Das eine Mädchen wächst wohlbehütet in einer intakten Familie in der DDR heran. Das andere durchleidet in West-Berlin eine Kindheit mit Einsamkeit, Gewalt, sexuellem Missbrauch und Teenagerschwangerschaft. 

Erst 50 Jahre später stellt sich heraus, dass die Kinder nicht in den eigenen Familien aufgewachsen sind. Eine gestresste Hebamme – soweit die Rekonstruktion der Ereignisse – soll die Neugeborenen nach der Erstversorgung verwechselt haben. TV-Autorin Gabriele Jenk hat zwei Frauen für die WDR-Reihe "Menschen hautnah" beim Entwirren ihrer Familiengeschichte begleitet.

"Marlies war immer so anders"

Marlies stirbt mit Ende 40 an Krebs. Erst nach ihrem Tod traut sich ihre etwas ältere Schwester Karin, einem lang gehegten Verdacht nachzugehen: War Marlies gar nicht ihre leibliche Schwester? Sowohl äußerlich als auch charakterlich sei Marlies so ganz anders gewesen als der Rest der Familie, erzählt Karin. Auch Mutter Hertha hegt einen unausgesprochenen Verdacht.

Was Karin bei ihrer Spurensuche zutage fördert, ist nicht nur ein individuelles Schicksal. Die TV-Doku wirft auch in Licht auf gesellschaftliche Tabus wie häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch und daraus geborene Kinder. 

Die Wahrheit erschüttert drei Generationen

Karin findet in alten Krankenhausakten den Namen des anderen Babys, das 1954 kurz nach Marlies zur Welt kam: Marianne. 2004 gelingt ihr die Kontaktaufnahme. Karin kann Marianne zu einem Treffen überreden, bei dem die beiden Frauen verblüffende Ähnlichkeiten aneinander entdecken. Ein DNA-Test belegt: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,99 Prozent sind Marianne und Karin Schwestern.

"Menschen hautnah" zeigt, wie aufwühlend diese Wahrheit für drei Generationen zweier Familien ist. Sie erschüttert Identitäten und Familienstrukturen, fördert Verdrängtes zutage und reißt alte Wunden auf. 

Die neu vereinten Schwestern, deren Töchter und die leibliche Mutter entwickeln schnell ein herzliches Verhältnis, glücklich überrascht über die neu gewonnene Familie. Die fröhlichen Kinderfotos von Karin und Marlies wühlen Marianne auf: "Das finde ich schon traurig. wenn ich an Marlies' Stelle gewesen wäre, hätte ich auch ein schönes Leben haben können," sagt sie in der Reportage.

Kinderheim, Missbrauch und Schwangerschaft

Marianne kam kurz nach ihrer Geburt für drei Jahre ins Kinderheim. Vermutlich, weil ihre vermeintliche Mutter das uneheliche Kind verheimlichen wollte. Kurz vor dem Mauerbau holte sie das Kind zu sich nach West-Berlin. Von ihrem alkoholkranken Stiefvater wurde Marianne nicht nur verprügelt, sondern über Jahre hinweg sexuell missbraucht. Die Mutter wusste es. Sollte das Mädchen das Familiengeheimnis verraten, käme es zurück ins Heim. Als Marianne mit 13 vom Stiefvater schwanger wird, muss sie das Kind zur Adoption weggeben. Wer der Vater ist, soll mit einer Lüge vertuscht werden.

Bis zur Begegnung mit Karin hatte Marianne diesen Teil ihres Lebens verdrängt. An dieser Stelle kommt der Film mit Andeutungen aus und zeigt einfühlsam, wie sich Marianne vor sich selbst, vor ihrer Familie und vor der TV-Kamera der Vergangenheit stellt. 

Neue Familie gewonnen, aber alte Familie verloren

Marianne versucht vorsichtig, mit ihrer Ziehmutter über die Verwechslung zu sprechen. Diese blockt schon bei der Andeutung ab und bricht daraufhin den Kontakt ab. Ihr Tod reißt bei Marianne eine frische Wunde auf: Sie konnte sich nicht von der Frau verabschieden, die sie 50 Jahre lang für ihre Mutter hielt. Der Preis für die Wiederentdeckung der echten Familie ist der Verlust der anderen. 

Auch Karin und Mutter Hertha haben einen Verlust zu verkraften. Die Kinder der "falschen" Schwester Marlies haben ebenfalls den Kontakt abgebrochen. Sie haben Karins beharrliche Suche nach der "richtigen" Schwester nicht verwunden.

Marianne muss sich noch einer Leerstelle in ihrer Biografie stellen: Das Kind, das sie weggeben musste, ohne es überhaupt gesehen zu haben. Es hat ebenfalls ein Recht, die Wahrheit zu erfahren. Aber wäre es gut, noch eine Familienstruktur aufzubrechen? Bis sie Klarheit findet, verwahrt die Adoptionsbehörde ihren Brief an das unbekannte Kind. 

Die Hebamme, die Marianne und Marlies vertauscht hatte, lebt nicht mehr. Ihr Fehler hat das Leben vieler Menschen beeinflusst. 

Hier kann man den Film "Die vertauschten Babys" in der WDR-Mediathek anschauen

Spektakuläre Fälle vertauschter Babys

Es passiert selten, aber es werden immer wieder Fälle von vertauschten Babys bekannt. Wenn die Mütter das "echte" Baby direkt nach der Geburt schon in den Armen hatten und es danach vertauscht wird, werden sie oft sofort misstrauisch. In anderen Fällen kommt der Irrtum erst ans Licht, wenn die Eltern wegen fehlender Ähnlichkeit stutzig werden. Oft geht die Initiative für einen Gentest von den Vätern aus, die fürchten, ein Kuckuckskind aufzuziehen.


  • 2007, Saarlouis: Nach sechs Monaten bestätigt sich der Verdacht, dass zwei Mädchen vertauscht wurden sind. Einer der Väter hatte seine Vaterschaft bezweifelt. Dabei stellte sich heraus, dass weder Vater, noch Mutter mit dem Kind verwandt sind. Daraufhin mussten 14 Babys zum DNA-Test, um das richtige Kind zu identifizieren. 
  • 2009, Seoul (Südkorea): Ein Krankenhaus muss einem Paar umgerechnet 39.000 Euro Entschädigung zahlen, weil es 16 Jahre lang mit dem falschen Kind lebte. Verdächtig kam den Eltern vor, dass die Blutgruppe des Kindes nicht zu ihrer eigenen passte. 
  • 2011, Tscheljabinsk (Russland): Zwölf Jahre nach der Geburt ihrer Töchter haben zwei russische Elternpaare erfahren, dass die beiden Kinder im Krankenhaus vertauscht worden waren. Die Verwechslung kam heraus, als sich eins der Paare scheiden ließ und der Mann Alimente verweigerte. Ein Gentest bewies: Beide waren nicht die leiblichen Eltern. Bei einer Recherche wurden die "echten" Eltern gefunden - und das "richtige" Kind. 
  • 2013 Argentinien: Drei Wochen nach der Geburt konnten zwei vertauschte Babys zu ihren leiblichen Müttern zurückkehren. Eine der Frauen, die durch Kaiserschnitt entbunden hatte, war wegen widersprüchlicher Angaben zum Geburtsgewicht des Babys misstrauisch geworden. Ein Gentest brachte Gewissheit.
  • 2015, Cannes (Frankreich): Eine Krankenpflegerin vertauschte 1994 zwei Babys, die gleichzeitig wegen Gelbsucht behandelt wurden. Erst zehn Jahre später brachte ein Vaterschaftstest den Irrtum zum Vorschein. 2015 sprach ein Gericht den Familien der beiden Mädchen fast zwei Millionen Euro Schadenersatz zu.
  • 2015 Bogotá (Kolumbien): Besonders spektakulär ist der Fall der verwechselten eineiigen Zwillingsbrüder. 26 Jahre zuvor waren sie in der Klinik vertauscht worden. Jeder wuchs mit einem fremden Bruder als vermeintlich zweieiiger Zwilling auf.


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