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Hebammen unter Druck: Haftpflicht-Beiträge steigen erneut

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Haftpflichtbeiträge für Hebammen steigen erneut  

Geburten sind nicht gefährlicher geworden - aber Geburtsfehler werden teurer

29.06.2016, 15:13 Uhr | dpa

Hebammen unter Druck: Haftpflicht-Beiträge steigen erneut. Eine Hebamme vermisst ein wenige Minuten altes Baby. Wegen der explodierenden Kosten der Haftpflichtversicherung ziehen sich immer mehr freiberufliche Hebammen aus der Geburtshilfe zurück. (Quelle: dpa)

Hebammen: Wegen der explodierenden Kosten der Haftpflichtversicherung ziehen sich immer mehr freiberufliche Hebammen aus der Geburtshilfe zurück. (Quelle: dpa)

Es passiert zum Glück nur selten, dass Babys oder Mütter durch Fehler während der Geburt schwere Schäden erleiden. Die Zahl der Fälle ist seit Jahren etwa gleich. Trotzdem explodieren die Kosten für die Haftpflichtversicherung der Hebammen. Zum 1. Juli steigen die Beiträge erneut.

Dem Deutschen Hebammenverband werden pro Jahr etwa 100 Schäden bei der Geburtshilfe gemeldet. Es gibt laut Verband keine genauen Zahlen. Er verweist auf eine Erhebung der Versicherungswirtschaft von 2015, nach der es heute nicht mehr Geburtsschadensfälle als früher gibt.

Bei etwa der Hälfte Fälle wird tatsächlich Geld gefordert. Darunter ist nur ein geringer Teil mit großen Schäden und Schadenersatz im Millionenbereich. Jedoch sind die Ausgaben für schwere Schäden drastisch gestiegen.

Versicherungsprämie für Hebammen wird 2017 nochmals erhöht

Der Hebammenverband bietet als einziger Berufsverband noch eine Gruppenhaftpflichtversicherung für alle Hebammenleistungen an. Sie steigt zum 1. Juli von 6274 auf 6843 Euro pro Jahr. Und damit nicht genug: 2017 werden 7639 Euro fällig. Behandlungsfehler können noch Jahre später geltend gemacht werden. Die Verjährungsfrist beträgt 30 Jahre.

Viele der rund 23.000 Hebammen in Deutschland sehen sich in ihrer Existenz bedroht, weil sie diese hohen Versicherungsprämien kaum noch zahlen können. 

So könnte eine andere Lösung aussehen

Der Hebammenverband fordert eine "grundsätzliche Lösung", die alle in der Geburtshilfe Tätigen einschließt, auch Gynäkologen. Dies könne entweder über die gesetzliche Unfallversicherung geregelt werden, in die alle einzahlen und aus der Geschädigte Geld bekommen, sagt Klenk. Oder es müsse ein steuerfinanzierter Haftungsfonds kommen, aus dem Geschädigte im Notfall Geld bekommen.

Krankenkassen-Zuschlag ist "nur ein Tropfen auf dem heißen Stein"

Allein von der Prämie ab Juli müssten Hebammen mindestens 1954 Euro selbst stemmen - trotz des mit den Kassen ausgehandelten Sicherstellungszuschlags, nach dem die Hebammen einen Teil des Geldes wieder zurückbekommen sollen. Den nach langem Streit erzielten Ausgleich bewertet der Hebammenverband nur als Tropfen auf den heißen Stein.

"Das ist keine Lösung", findet Klenk - nicht nur vor dem Hintergrund, dass der Ausgleich verspätet und nur unter bestimmten Bedingungen ausbezahlt werde. Denn die Prämien werden nach ihrer Prognose immer weiter steigen. "Und das nicht, weil wir schlampig arbeiten oder mehr Fehler machen." Hintergrund seien steigende Kosten, denn durch die medizinischen Möglichkeiten leben Menschen mit Geburtsfehlern länger.

2,6 Millionen Entschädigung für schwere Geburtsfehler

Bei der Geburtshilfe entstehen verhältnismäßig wenig Schäden, dafür aber sehr große. Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Versicherer (GDV) machen Schäden mit mehr als 100.000 Euro Leistungsumfang bei Hebammen mehr als 90 Prozent des gesamten Schadenvolumens aus. Ist ein Kind durch einen Geburtsfehler schwer geschädigt, leiste der Versicherer im Schnitt 2,6 Millionen Euro. Von 2003 bis 2012 seien die Ausgaben für schwere Geburtsschäden um fast 80 Prozent gestiegen.

Folgenreicher Rückzug aus der Geburtshilfe

Weil Hebammen sich die steigenden Versicherungskosten nicht mehr leisten könnten, geben sie Klenk zufolge seit Jahren "reihenweise" die risikoreiche Geburtshilfe auf - mit Folgen für Schwangere und junge Mütter. "Es droht eine dramatische Unterversorgung in der Geburtshilfe und in der Wochenbettbetreuung."

"Wir haben schon jetzt massive Versorgungsengpässe in Kliniken, die mit freiberuflichen Beleghebammen arbeiten, bei Hausgeburten und in Geburtshäusern", sagt Klenk. "In Großstädten wie auf dem Land." Eine Reihe von Geburtshäusern biete nur noch Vorsorge für Schwangere, Wochenbettbetreuung und Rückbildungsgymnastik an.

1991 gab es in Deutschland nach Angaben von Klenk noch 1186 Kliniken mit Geburtshilfe. 2010 waren es noch 807 und 2014 nur noch 725. Dies habe mit den Finanznöten der Kliniken zu tun, aber auch damit, dass es schlicht zu wenig Hebammen gebe. Sechs Hebammen, die für einen Schichtbetrieb nötig seien, gebe es oft nicht.

Keine Geburt ohne Hebamme

Grundsätzlich muss bei jeder Geburt eine Hebamme dabei sein. Die meisten Babys kommen im Krankenhaus zur Welt. Nur wenige Frauen entscheiden sich für eine Geburt in einem Geburtshaus oder zu Hause.

Von den rund 717.565 Kindern, die 2014 zur Welt kamen, wurden nur 11.391 nicht im Krankenhaus geboren. Jedes fünfte Baby wurde 2014 mit Hilfe einer freiberuflichen Hebamme geboren - in der Klinik, im Geburtshaus oder zu Hause.

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