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Immer mehr Krankenhäuser schließen ihre Kreißsäle

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"Dramatische Entwicklung"  

Bundesweit schließen Kreißsäle: Wird Kinderkriegen zum Problem?

23.11.2016, 08:26 Uhr | dpa

Immer mehr Krankenhäuser schließen ihre Kreißsäle. Viele Schwangere müssen zur Geburt weite Wege in Kauf nehmen. (Quelle: dpa)

Viele Schwangere müssen zur Geburt weite Wege in Kauf nehmen. (Quelle: dpa)

Immer mehr Krankenhäuser schließen ihre Geburtshilfestationen - aus Kostengründen. Wenn die Wege zum nächsten Krankenhaus länger werden, kann das für Schwangere gefährlich werden. Der Hebammenverband schlägt Alarm.

Wenn eine Geburtshilfestation geschlossen werden soll, formiert sich Protest - ganz gleich ob im westfälischen Meschede, auf der Ostsee-Insel Fehmarn oder in Burgwedel bei Hannover. Doch in den meisten Fällen demonstrieren Bürger vergeblich.

"Das Problem wird sich verschärfen"

Seit 1991 ging in rund 40 Prozent der Kreißsäle in Deutschland das Licht aus, während die Geburtenrate im gleichen Zeitraum nur um etwa zwölf Prozent sank. "Es ist eine dramatische Entwicklung", sagt die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes, Martina Klenk. "Wenn sich die Bedingungen zur Berufsausübung nicht verbessern, wird sich das Problem verschärfen."

"Anfahrtswege bis zu 50 Kilometer"

Aktuell gibt es in vielen ländlichen Regionen kein Krankenhaus mit Geburtshilfe mehr. Beispielsweise im fast 2000 Quadratkilometer großen Landkreis Diepholz in Niedersachsen. "Bei Anfahrtswegen von bis zu 50 Kilometern haben Frauen große Sorgen, es rechtzeitig zur Klinik zu schaffen", erzählt Jutta Meyer-Kytzia.

Lange hat die Hebamme im Kreißsaal gearbeitet, jetzt kümmert sie sich als Freiberuflerin um Geburtsvorbereitung und -nachsorge. "Ich muss mindestens die Hälfte der Anfragen von Schwangeren ablehnen", sagt sie. Nach Schließung der ehemals vier Geburtshilfestationen im Kreis, seien viele Kolleginnen abgewandert.

Arbeitsverdichtung und Zeitdruck

Die bundesweit rund 700 verbliebenen Geburtskliniken klagen häufig über Personalnot. Nach einer Umfrage im Auftrag des Hebammenverbands betreuen angestellte Hebammen aktuell drei bis fünf Frauen während der Geburt gleichzeitig.

"Aufgrund der enormen Arbeitsverdichtung und des Zeitdrucks wollen viele Kolleginnen nicht mehr im Kreißsaal arbeiten", berichtet Klenk. Vielerorts müssen Kliniken ihre Kreißsäle vorübergehend schließen. "Frauen, die mit Wehen vor der Tür stehen, werden abgewiesen. Wir kennen das aus München, Stuttgart oder Freiburg", sagt die Verbandspräsidentin.

Geburtshilfe ist personalintensiv

"Ein Drittel der Krankenhäuser in Deutschland macht Verluste. Vielfach bleibt den Häusern nichts anderes übrig, als die personalintensive Geburtshilfestation zu schließen", sagt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKGEV), Georg Baum. "Am Donnerstag entscheidet sich, ob das Sterben der Geburtshilfe weitergeht."

Finanzhilfe für Geburtsstationen?

Im Gemeinsamen Bundesausschuss steht dann der Sicherstellungszuschlag auf der Tagesordnung. Mit diesem Instrument sollen Krankenhäuser im ländlichen Raum, die für Notfälle wichtig sind, zusätzliches Geld bekommen, um überleben zu können. Aus Sicht der DKGEV sollten auch Geburtshilfestationen auf diese Weise unterstützt werden. "Die Krankenkassen lehnen dies ab. Das halten wir für nicht gerade familienfreundlich", sagt Baum.

Kurz vor der Geburt "umziehen"

Nach Schließung von Kreißsälen auf den zu Schleswig-Holstein gehörenden Inseln gibt es inzwischen einen Lösungsversuch. Bewohnerinnen von Föhr, Sylt und Fehmarn können bis zu zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ein Zimmer auf dem Festland beziehen. Dieses "Boarding"-Konzept sei eine freiwillige Leistung der gesetzlichen Krankenkasse, sagt Florian Unger vom Verband der Ersatzkassen. Wenn der niedergelassene Gynäkologe die medizinische Notwendigkeit für eine vorzeitige Einweisung ins Krankenhaus sehe, bedeute das aber eine stationäre Aufnahme und sei kein Fall fürs "Boarding".

Geburt im Autozug

Hebammen halten die "Boarding"-Lösung allerdings nicht für optimal. "Kaum ein Kind wird am errechneten Termin geboren", sagt Klenk. "Sie brauchen ein mindestens vierwöchiges Zeitfenster."  Etwa weil sie ihre Kinder nicht aus dem gewohnten Umfeld reißen wollen, harren viele Schwangere so lange wie möglich an ihrem Wohnort auf der Insel aus. Erst im September brachte eine Sylterin ihre kleine Tochter im Rettungswagen auf dem Autozug in Richtung Festland zur Welt. Sie wollte ins Krankenhaus nach Husum.

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