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Stiefeltern sollten keine zu hohen Erwartungen haben

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Als Stiefmutter nicht zu hohe Erwartungen haben

| iri, dpa

Stiefeltern sollten keine zu hohen Erwartungen haben. Mädchen steht vor Mutter die sich anderem Kind widmet.

Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass man eigene und Stiefkinder gleich behandeln kann. (Bild: Archiv)

Einen schlechten Ruf haben Stiefmütter spätestens seit Aschenputtel und Schnee- wittchen. Das mag an ihrer krankhaften Eifersucht - Schneewittchen - oder an ihrer Bösartigkeit - Aschenputtel - liegen. Vielleicht ist er aber auch psychologisch, wenn nicht gar biologisch bedingt. Denn leibliche Mütter sind einfach nicht zu ersetzen, sagt der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann aus Hannover. Das macht es für Frauen in Patchworkfamilien nicht gerade leichter. Aussichtslos ist ihre Aufgabe aber nicht.

Je älter das Kind, desto schwieriger ist es

Denn egal, ob Stiefvater oder -mutter, mit Behutsamkeit, einer gewissen Geradlinigkeit und nicht allzu hohen Erwartungen ist ein harmonisches und funktionierendes Leben auch in diesen Familienkonstellationen möglich. "Natürlich hängt das Funktionieren von Patchworkfamilien von sehr vielen Faktoren ab", sagt die Familientherapeutin Christiane Papastefanou aus Mannheim. Je älter das Kind sei, desto schwieriger werde es in der Regel. "Dann hat das Kind ja schon eine gewisse Zeit in einer Familie mit eigenen Regeln und Ritualen gelebt", erklärt sie. Je länger das Verhältnis zu den leiblichen Eltern besteht, desto fester seien die Muster.

Statt Erziehungsperson lieber Freund sein

Deswegen rät sie in vielen Fällen Stiefvätern oder -müttern, gar nicht den Anspruch zu haben, zur Erziehungsperson zu werden. "Das funktioniert meist sowieso nicht und ist ja auch nicht nötig." Stattdessen sei es sinnvoller, eine Art Freundschaft aufzubauen. "Für die Erziehung sollten in erster Linie die leiblichen Eltern zuständig sein", sagt Papastefanou. Wolle sich der neue Partner doch einbringen, was in einigen Fällen durchaus angemessen und von dem leiblichen Elternteil auch gewünscht ist, müsse das vorher unter den Erwachsenen besprochen werden. Denn oft sind solche Situationen auch für das Paar eine enorme Belastung.

Keine negativ besetzten Erziehungsaufgaben übernehmen

Mehr Mitspracherecht räumt Papastefanou bei Fragen des täglichen Zusammenseins ein. "Natürlich müssen da klare Regeln gelten, und da darf auch mal der Stiefelternteil das Kind ermahnen oder zum Aufräumen auffordern", ergänzt die Autorin Dorothee Döring aus Kempen-Tönisberg (Nordrhein-Westfalen). Ist das Verhältnis zu den Stiefkindern eher schwierig, tue sich der neue Partner selbst einen Gefallen, wenn er nicht negativ besetzte Erziehungsaufgaben übernimmt, weiß Döring aus eigener Erfahrung. "Man muss sich bewusst machen, dass so eine neue Familie erstmal zusammenwachsen muss." In vielen Fällen werde der neue Partner von dem Kind abgelehnt. "Da ist es manchmal schon ein Erfolg, eine neutrale Beziehung zu entwickeln, der nächste Schritt ist dann so etwas wie Freundschaft - und Liebe ist ja immer ein Geschenk", sagt die Mutter von zwei Töchtern und einem Stiefsohn.

Die Kinder auf unterschiedliche Art lieben

Auch sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass man eigene und Stiefkinder gleich behandeln kann. "Vor allem, wenn die Kinder nicht ständig in der Familie leben, ist das schwierig", sagt Döring. Die gleichen Aufgaben sollten sie trotzdem haben. "Es geht nicht darum, dass man ein Kind lieber oder weniger liebhat", fügt Bergmann hinzu. Man habe die Kinder möglicherweise nur auf unterschiedliche Art lieb. Aber das sei ja oft auch bei eigenen Kindern der Fall.

Kinder nie gegen die leiblichen Eltern ausspielen

Bergmann rät zu Gelassenheit und empfiehlt vor allem Männern: "Macht Euch nicht verrückt." Sie sollten behutsam, aber nicht zu vorsichtig auf die Kinder zugehen und dabei eine klare Linie verfolgen. Einschmeichelversuche entlarvten die Mädchen und Jungen meist sofort. Mit einem zögerlichen Umgang könnten gerade jüngere Kinder nichts anfangen. Dabei haben es Männer meist leichter. "Kinder wünschen sich einen coolen Vater, der auch Väterlichkeit demonstriert", sagt er. Ob es sich dabei um den biologischen oder sozialen Vater handelt, spiele kaum eine Rolle. Nur eins sollten Stiefeltern nie tun: Das Kind in einen Loyalitätskonflikt bringen und den leiblichen Vater oder die leibliche Mutter ausspielen.

Kinder orientieren sich an Gefühlen der Mutter

Einen großen Einfluss auf die Akzeptanz des neuen Partners haben die Gefühle der Mutter für den neuen Mann. "Kinder bis mindestens zehn Jahren orientieren sich entlang des Blickes der Mutter", erklärt Bergmann. Die spürten ihre Gefühlslage genau. "Sie denken dann: 'Wenn Mama den liebt, kann der ja gar nicht so schlecht sein.'"

Literatur: Dorothee Döring: Glückliche Patchworkkinder - zu Hause in mehreren Familien, Kreuz, ISBN: 978-3-7831-3362-2, 14,95 Euro


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