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Alleinerziehende im Mikrozensus 2009: Single-Eltern in Deutschland

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Alleinerziehende  

Die Alleingelassenen: Single-Eltern in Deutschland

29.07.2010, 15:02 Uhr | Spiegel Online; Anna Reimann, Spiegel Online

Alleinerziehende im Mikrozensus 2009: Single-Eltern in Deutschland. Mutter läuft mit ihrem Kind an der Hand über einen Parkplatz.

Die Situation für viele Alleinerziehende ist in Deutschland dramatisch. (Bild: dpa)

Sie leben am Rande der Gesellschaft, oft fehlt das Geld für das Allernötigste. Die Lage vieler Alleinerziehender in Deutschland ist dramatisch - wie sehr, zeigen die Daten des neuen Mikrozensus. "Spiegel Online" zeigt die wichtigsten Ergebnisse.

Der schwierige Alltag der Single-Eltern

Wenn Menschen in Deutschland in Armut leben, dann sind es häufig auch Familien, in denen Kinder von ihrer Mutter alleine erzogen werden. Man kennt diese Fälle. Sie spielen in sozial schwachen Vierteln der Großstädte - in Berlin-Hellersdorf, in München-Hasenbergl, in Mümmelmannsberg in Hamburg. Viele Kinder dort können kaum am kulturellen Leben teilnehmen, waren noch nie im Zoo, noch nie im Schwimmbad.

Aber das ist nur die eine Seite des Alltags, in dem Alleinerziehende in Deutschland leben. Zwar sind sie besonders oft auf Transferleistungen des Staates angewiesen, aber sie arbeiten auch besonders häufig in Vollzeitstellen; viele Alleinerziehende stemmen das Leben mit 40-Stunden-Woche und Kindern ohne Hilfe.

Die wichtigsten Daten zur Lage Alleinerziehender

Das Statistische Bundesamt stellte am Donnerstag jetzt neue Ergebnisse des Mikrozensus 2009 zur Lage alleinstehender Mütter und Väter in Deutschland vor - Daten zu Arbeit, Alltag und geografischen Besonderheiten. "Spiegel Online" zeigt die Hauptergebnisse:

  • Es gibt in Deutschland immer weniger Familien. 1996 waren es laut Statistischem Bundesamt noch 9,4 Millionen Familien, 2009 nur noch 8,2 Millionen.

  • Immer häufiger erziehen Mütter oder Väter in Deutschland ihre Kinder ohne Partner. 2009 war fast jede fünfte Familie (19 Prozent) alleinerziehend, 1996 nur jede siebte Familie. Dagegen bestehen 72 Prozent aller Familien heute aus Ehepaaren mit einem oder mehreren Kindern, neun Prozent sind Lebensgemeinschaften, also Unverheiratete.

  • In den ostdeutschen Bundesländern gibt es deutlich mehr Alleinerziehende (27 Prozent im Osten, 17 Prozent im Westen). Dort sind Mütter und Väter, die alleine für ihr Kind sorgen, durchschnittlich deutlich jünger als im Westen. Die Unterschiede zwischen Ost und West sind aber in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Gegenüber 1996 ist der Anteil der Alleinerziehenden in Westdeutschland um 30 Prozent angestiegen.

  • In Großstädten gibt es deutlich mehr Alleinerziehende: Wo mehr als eine halbe Millionen Menschen leben, beträgt ihr Anteil 26 Prozent. In ostdeutschen Großstädten sind sogar 31 Prozent der Eltern alleine.

  • Warum sind Menschen alleinerziehend? Ein Hauptgrund sind Scheidungen oder Trennungen - in Westdeutschland waren nur sieben Prozent der Alleinerziehenden durch den Tod des Partners bei der Kindererziehung auf sich selbst gestellt, im Osten sind es vier Prozent. Große Unterschiede gibt es aber auch bei diesen Zahlen zwischen Ost und West: In Ostdeutschland sind 54 Prozent der Alleinerziehenden ledig, im Westen nur 29 Prozent. In den neuen Bundesländern wurden im Jahr 2008 fast 60 Prozent der Kinder außerhalb einer Ehe geboren.

  • Wenig überraschend sind die Zahlen zu den Geschlechterrollen: In den allermeisten Fällen sind es Frauen, die ihre Kinder alleine erziehen - zu 90 Prozent. Und der Anteil der Väter geht zurück. Noch 1996 waren 13 Prozent der Alleinerziehenden Männer. Noch eine Besonderheit: Wenn Väter ihre Kinder ohne Partnerin großziehen, dann sind die Kinder im Durchschnitt deutlich älter.

  • Wie verdienen Alleinerziehende ihr Geld? 60 Prozent der alleinerziehenden Frauen sind berufstätig. Bei Paarfamilien sind es 58 Prozent. Aber: Single-Mütter haben viel öfter Vollzeitstellen - nämlich 42 Prozent von ihnen. Nur 27 Prozent der Mütter in "Paarfamilien" hingegen arbeiten die volle Stundenzahl. Noch ein anderes Ergebnis zeigt der Mikrozensus: Arbeitslose Alleinerziehende suchen viel häufiger nach einem Job als Frauen aus Paarfamilien, die ohne Stelle sind.

  • Armutsrisiko: 31 Prozent der alleinerziehenden Mütter leben von Sozialhilfe oder Hartz IV. Im Vergleich dazu: In Paarfamilien sind es nur sechs Prozent. Besonders prekär ist die finanzielle Lage von alleinerziehenden Müttern mit kleinen Kindern. Über die Hälfte derer, die Kinder unter drei Jahren haben, müssen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1100 Euro auskommen. Sind die Kinder größer, steigt das Einkommen deutlich. Nur 23 Prozent der Mütter mit Kleinkindern haben überhaupt einen Job. Etwas andere Zahlen als das Statistische Bundesamt legte am Mittwoch der DGB vor - nach einer Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit. Demnach beziehen 41 Prozent aller Alleinerziehenden Hartz IV. Im März dieses Jahres hätten demnach rund 636.000 Alleinerziehende mit insgesamt einer Million Kindern Arbeitslosengeld II bekommen. Das Armutsrisiko bleibe für Alleinerziehende besonders groß, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Die Situation Alleinerziehender sei weiterhin prekär, obwohl die Arbeitslosenquote in dieser Personengruppe gesunken sei.

  • Der finanzielle Engpass hat zum Teil dramatische Auswirkungen: Oft fehlt Geld für das Allernötigste: Nach eigenen Angaben konnte knapp jeder fünfte Alleinerziehende im Jahr 2008 die Wohnung nicht ausreichend heizen. Weniger als die Hälfte konnte sich eine einwöchige Urlaubsreise im Jahr leisten. Nur acht Prozent hatten genug Geld für Fisch oder Fleisch an jedem zweiten Tag. Das sind Ergebnisse aus der Erhebung "Leben in Europa".

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