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Sorgerecht: TV-Doku über den Kampf von Vätern um ihre Kinder

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Sorgerecht  

"Der entsorgte Vater" - Kampf um Kontakt zum eigenen Kind

11.11.2010, 08:58 Uhr | rw, t-online.de, dpa

Sorgerecht: TV-Doku über den Kampf von Vätern um ihre Kinder. Kinder als Waffe gegen den Ex-Partner: "Der entsorgte Vater" (Bild: Joachim Gern)

Kinder als Waffe gegen den Ex-Partner: "Der entsorgte Vater" (Bild: Joachim Gern)

Streit, Trennung, Scheidung - und was wird aus den Kindern? Wenn in der Partnerschaft die Liebe schwindet und Auseinandersetzungen oder sogar Hass Platz machen muss, verlieren viele Kinder durch die Trennung den Kontakt zu einem Elternteil. In der Regel ist das noch immer der Vater. Gestern zeigte der TV-Sender Arte die Dokumentation "Der entsorgte Vater", die solche Väter beim Kampf um Kontakt zu ihren Kindern begleitet. Ein berührendes Zeugnis über Männer, die der zunehmenden Entfremdung von ihren Kindern ohnmächtig gegenüberstehen.

Sehnsucht nach dem eigenen Kind

In seinem mit Sicherheit persönlichstem Werk schildert der preisgekrönte Dokumentarfilmer Douglas Wolfsperger das Leid von Vätern, denen nach der Trennung von ihrer Frau oder Partnerin der Kontakt zu den gemeinsamen Kindern erschwert oder unmöglich gemacht wird. Der Film entstand aufgrund einer persönlichen Erfahrung: Wolfsperger ist Vater einer Tochter und darf nicht für sein Kind sorgen, es nicht einmal besuchen. "Die Sehnsucht, die ich nach ihr hab', kann ich ihr nicht zeigen", beschreibt er selbst seine Situation in dem Film, der 2009 in den Kinos lief und nun von Arte ins Fernsehen gebracht wurde.

"Du wirst deine Kinder nie wiedersehen!"

Der Film zeigt, wie Wolfsperger nach einem Gerichtsentscheid die vorerst letzte Reise zu seiner Tochter antritt, weil ihm der weitere Kontakt verwehrt wird. Er trifft andere Väter, die gegen Exfrauen, Ämter und Vorurteile kämpfen. Wütend, enttäuscht, traurig, manchmal naiv erzählen sie von ihren Erlebnissen. Die Männer berichten von Streitereien mit der ehemaligen Partnerin. "Entweder du gibst mir 10.000 Euro, oder du siehst deine Tochter nie wieder!" Das habe seine Ex-Frau zu ihm gesagt nachdem sie sich von ihm getrennt hatte, berichtet einer der "entsorgten" Väter, die in der Doku zu Wort kommen. Versuche, mit seinen Kindern in Kontakt zu bleiben, schlugen fehl. Zuerst blockierte die Mutter, später auch die Kinder selbst.

Kinder als Waffe gegen den Ex-Partner

Ähnliches erlebte auch Regisseur Wolfsperger selbst. Als er nicht locker lässt und gerichtlich weiter um regelmäßigen Kontakt kämpft, erhält er einen handschriftlichen Brief seiner Tochter: "Hallo Douglas, ich habe dir schon im Gericht gesagt, dass ich dich nicht mag. Ich will nichts mit dir unternehmen und ich will auch nicht, dass mich das Gericht dazu zwingt." Der so Verstoßene vermutet, seine Ex-Freundin habe seine Tochter gegen ihn aufgehetzt. "Meine Tochter wird als Waffe missbraucht", vermutet er. Dass dies möglich ist, bestätigt Psychotherapeutin Ursula Kodjoe. "Irgendwann schlagen sich die Kinder aus Hilflosigkeit und Verzweifelung auf eine Seite. Und wenn dieser Elternteil dann zum Ziel hat, den anderen ganz auszugrenzen aus dem Leben der Kinder, wird ihm das gelingen."

Kritik: Sehr einseitige Darstellung

Die portraitierten Väter beklagen ihre Ohnmacht und kritisieren Behörden, die ihnen den Umgang mit den Kindern auf Wunsch der Mütter untersagen. Vater Benni berichtet von falschen Vorwürfen seiner Ex-Frau, er habe die Tochter sexuell missbraucht. Vater Ralf vergleicht seine Situation mit dem eines Zuchtbullen, der nur für die Besamung eingesetzt werde. Ihr Gegenpart, die ehemaligen Lebensgefährtinnen und Ehefrauen kommen im Film nicht vor. Überhaupt nutzt Wolfsperger die Dokumentation vor allem für seine eigenen Zwecke: Als Liebeserklärung an seine Tochter und Eingeständnis seiner Verzweiflung.

Damalige Sorgerechtsregelung inzwischen gekippt

Als "unmöglich" bezeichnen einige Kritiker diese Machart, die mit objektiver Berichterstattung und neutraler journalistischer Dokumentation in der Tat nicht viel zu tun hat. Dennoch begeistert der Filmemacher dadurch, dass er die missliche juristische Lage für Väter in Deutschland aus Sicht der Betroffenen greifbar und emotional erfahrbar macht. Inzwischen hat sich deren Position vor Gericht ein wenig verbessert. Das Bundesverfassungsgericht kippte im August dieses Jahres, also lange nach der Kinoausstrahlung von "Der entsorgte Vater", eine Regelung, wonach unverheiratete Väter nur mit Zustimmung der Mutter ein gemeinsames Sorgerecht für ihre Kinder erhalten konnten. Wiederholt hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zuvor eine solche Reform des deutschen Sorgerechts angemahnt.

Juristisches Tauziehen um Vater-Tochter-Foto

Zu einer unbeabsichtigten Schlüsselszene im Film wurde eine kurze Sequenz, in der Wolfsperger auf einem Foto gemeinsam mit seiner Tochter zu sehen ist. Er argumentierte, das Foto verdeutliche für den Film seine emotionale Nähe zu der Tochter. Die Mutter ließ die Veröffentlichung per Gericht überprüfen. Wolfsperger verlor den Rechtsstreit. Schwerer als das Informations-Interesse der Öffentlichkeit wiege das Recht des Kindes am eigenen Bild, so der vorsitzende Richter Wilhelm Berneke damals. Die Augen des Mädchens auf dem Foto sind nun von einem schwarzen Balken verdeckt und sie kann nicht nicht mehr eindeutig als seine Tochter identifiziert werden. Der Grundstimmung der nahegehenden und mitreißenden Dokumentation tut das allerdings keinen Abbruch.

"Du warst ja nie da!"

"Ich habe große Schuld am Scheitern unserer Beziehung", gesteht Wolfsperger seine Verantwortung für die Trennung seiner Ex-Lebensgefährtin von ihm ein, "nur was hat das mit meiner Tochter zu tun?" Es ist eine Grundstimmung ratloser Hilflosigkeit bei den Vätern auf dem Abstellgleis, die im Film zum Ausdruck kommt. "Was werde ich meiner Tochter einmal sagen, wenn sie mir vorwirft: 'Du warst ja nie da'?", fragt der Autor. Die für seinen Fall zuständige Richterin hat entschieden, im Sinne des Kindes müsse das juristische Geplänkel irgendwann ein Ende haben. Wolfsperger solle sich ein letztes mal von ihr verabschieden und dann Ruhe einkehren lassen. Der Regisseur ringt mit sich und merkt: "Es geht nicht! Ich kann nicht aufhören, mich wie ein Vater zu fühlen."

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