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Alleinerziehend: "Mit einem kleinen Kind ganztags zu arbeiten, ist eine Utopie"

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"Mit einem kleinen Kind ganztags zu arbeiten, ist eine Utopie"

02.11.2011, 15:58 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli

Noch ist Martina Müller (Namen von der Redaktion geändert) nicht geschieden, aber wenn es so weit ist, erwartet sie wegen des aktuellen BGH-Urteils zum Unterhaltsrecht ohnehin keinen Betreuungsunterhalt vom Vater ihres vierjährigen Sohnes. Schon jetzt, während der Trennungszeit, bekommt sie keinen Unterhalt von ihrem Ex, obwohl er ihr zustünde. Dieses Anrecht nützt ihr wenig, weil der Noch-Ehemann angibt, zu wenig Geld zu verdienen, um Trennungsunterhalt zu zahlen.

Der kleine Max hat einen Achtstundentag in der Kita

Die 33-jährige Köchin muss versuchen, selbst über die Runden zu kommen. Früher hat sie in der gehobenen Gastronomie gearbeitet, doch durch die extremen Arbeitszeiten in dieser Branche ist dies für die alleinerziehende Mutter nicht mehr praktikabel. Sie arbeitet nun 30 Stunden pro Woche in einem kleinen Cafe, in dem sie Frühstück und Mittagessen vorbereitet. "Das geht eigentlich ganz gut mit diesem Rhythmus", sagt sie, "dann kann ich relativ pünktlich um 16 Uhr in der Kita sein, um Max abzuholen. Der hat ja dann seit 8 Uhr morgens auch seinen Achtstundentag hinter sich."

Die knappe gemeinsame Zeit schweißt zusammen

Zuhause bleiben der Minifamilie so wenigstens noch ein paar Stunden, die man gemeinsam verbringt. Für Martina Müller ist es die kostbarste Zeit des Tages: "Das wichtigste ist für mich und meinen Sohn diese intensive Qualitätszeit, die wir trotz anliegender Haushaltsarbeiten vor dem Schlafengehen zusammen genießen können. Das schweißt uns zusammen und tut nicht nur Max gut, sondern auch mir. Ich bin der Überzeugung, dass ein Kind nur glücklich sein kann, wenn auch seine Mama glücklich und ausgeglichen ist."

Als Alleinerziehende Vollzeit zu arbeiten, ist eine Utopie

Um die Arbeit drücken wollte sich Martina Müller nie. Sie liebt ihren Job und ist ausgefüllt. Und sie wäre sich auch nicht zu schade, etwas völlig anderes zu machen. Doch die vom Gesetzgeber geforderten Vollzeitbeschäftigung ist ihrer Ansicht nach nicht realisierbar: "Mit einem kleinen Kind ganztags arbeiten zu gehen, ist eine Utopie. Wie soll man das denn machen - das Kind morgens früh in der Betreuung abgeben und nachmittags wieder pünktlich abholen - mit den entsprechenden Fahrzeiten in der Rushhour von A nach B? Und das, wo doch viele Kitas nur bis 16 Uhr geöffnet haben. Die Einrichtungen liegen ja meist nicht auf der anderen Straßenseite. Das Modell 'Alleinerziehend, kleines Kind und Fulltimejob' ist nicht umsetzbar. Und noch schwieriger wird es, wenn keine freien und bezahlbaren Plätze in den Kitas in der Nähe vorhanden sind.“

Auf Unterstützung von Familie und Freunden angewiesen

Da Martina Müller keine 40-Stunden Woche absolvieren kann und außerdem in einer Branche arbeitet, in der nicht üppig bezahlt wird, muss die junge Mutter finanziell ihren Gürtel enger schnallen. Sie verdient nur 770 Euro netto. Hinzu kommt das Kindergeld und der Unterhalt des Vaters für den kleinen Max. Zusammen ergibt das etwa 1200 Euro - eine Summe, mit der man keine großen Sprünge machen kann, zumal für den Kindergarten monatlich 200 Euro abgehen.

"Ohne die Solidarität meines Umfeldes wäre ich aufgeschmissen", sagt Martina Müller, "Ich wohne zum Glück im Haus meiner Oma und brauche nur die Nebenkosten zu bezahlen, sonst müsste ich Wohngeld beantragen. Und wenn vor Ende des Monats der Kühlschrank mal leer ist, dann geht meine Mutter mit mir einkaufen und füllt auf. Außerdem greifen mir manchmal auch einige meiner Freundinnen, die besser betucht sind, finanziell unter die Arme. Ansonsten gibt es ja Second-Hand Läden und Urlaub muss auch nicht unbedingt sein."

Der Mutter bleibt zu wenig Zeit für sich selbst

Durch ihr eng getaktetes Leben wünscht sich Martina Müller manchmal mehr Zeit für sich selbst, zumal sie auch samstags im Cafe arbeiten muss. Währenddessen wird der Kleine abwechselnd von seiner Oma oder von Cousinen betreut, oder er ist jedes zweite Wochenende bei seinem Papa. Doch zum Durchatmen kommt die Köchin nur selten: "Eigentlich habe ich nur alle 14 Tage einen Tag ohne Wecker zur freien Verfügung, nämlich sonntags, wenn Max bei seinem Papa ist. Das ist alles schon ganz schön anstrengend."

Doch trotz der täglichen Hürden ist Martina Müller nicht unzufrieden mit ihrem Leben. Sie hat sich mit dem Kompromiss arrangiert, dass sie zwar auf eine Kariere in einem Spitzenrestaurant verzichtet, aber dafür mehr Zeit für ihren Sohn da sein kann: "So ist es besser für Max. Er hat Mama und Papa - eben nur nicht zusammen. Er genießt so jeden einzeln, ohne dass er erleben muss, dass wir uns dauernd streiten."

Politiker sollten das Wohl des Kindes berücksichtigen

Von den Politikern und der Rechtsprechung wünscht sich Martina Müller, dass sie weniger an Geld als an das Wohl der Kinder denken und an die ursprüngliche Idee von "Familie als Keimzelle der Gesellschaft": "Ich liebe mein Kind. Und wenn ich als Alleinerziehende den ganzen Tag arbeiten gehen würde, fehlt gemeinsames Familienleben. Das ist Unrecht, das man vor allen den Kindern antut. Ich setzte doch kein Kind in die Welt, um es gleich wieder abzugeben!"

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02.11.2011, 15:58 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli

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