02.11.2011, 15:58 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli
Zu den vielen alleinerziehenden Müttern in Deutschland gehört auch Susanne Schuster (Namen von der Redaktion geändert) Die 44-jährige Einzelhandelskauffrau hat vier Kinder, zwei ältere Söhne mit 19 und 16 Jahren aus einer früheren Beziehung und fünfjährige Zwillinge, von deren Vater sie auch getrennt lebt. Bis sie vor einem Jahr wegen einer langwierigen Krankheit ausfiel, arbeitete Susanne Schuster in einem Bekleidungsgeschäft - 25 Stunden wöchentlich im Zwei-Schichten-Betrieb. Von den Vätern ihrer Kinder bekommt sie für sich keine finanzielle Unterstützung.
Sogar der Kindesunterhalt für die Zwillinge Nils und Sofie wird derzeit als Vorschuss vom Jugendamt bezahlt, weil der Vater seit März säumig ist. Doch dieses staatliche Geld wird nicht ewig fließen: "Sechs Jahre haben die Kinder Anrecht darauf. Danach stoppt auch das Jugendamt die Zahlungen. Dann gibt es nur noch den Hartz- IV-Satz für Kinder, denn vom Jugendamt gibt es bislang keine verstärkten Bemühungen, die vorgestreckten Leistungen beim Vater wieder einzutreiben", erzählt Susanne Schuster frustriert.
In wenigen Wochen wird die vierfache Mutter versuchen, wieder im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Doch wegen ihrer Krankheit kann sie wahrscheinlich nicht mehr ihren alten Beruf zurückkehren und braucht eine Umschulung. In welchem Bereich ist noch nicht klar. Auf jeden Fall muss der Alltag dann wieder straff organisiert sein. Daran hat sich die 44-Jährige im Laufe der vergangenen Jahre gewöhnt: "Die Zwillinge musste ich schon ganz früh fremdbetreuen lassen, weil ich gezwungen war, arbeiten zu gehen. Zuerst war es eine Krippe, dann Tagesmütter und schließlich die Kita. Ständig waren andere Bezugspersonen da. Das kann kleinen Kindern nicht gut tun", meint Susanne Schuster.
Trotz Unterstützung des Jugendamtes kommt auch sie ohne private Hilfe finanziell nicht über die Runden: "Glücklicherweise wird mein Auto mit Versicherung und Steuer von meiner Familie gesponsert. Die Reparaturen muss ich aber selbst bezahlen." Auf ihren fahrbaren Untersatz kann Susanne Schuster aber nicht verzichten, denn sie wohnt auf dem Land. Täglich karrt sie Nils und Sofie in die acht Kilometer entfernte Kita und muss zusätzlich die Kleinen öfters nachmittags zu Therapien in die Stadt fahren, denn die motorische Entwicklung der Zwillinge ist etwas verzögert.
Angetrieben wird Susanne Schuster von ihrem eisernen Willen, es ohne "väterliche Solidarität" zu schaffen. Existenzängste plagen sie nicht, sie ist gut organisiert: "Ich habe durch meine kaufmännische Ausbildung gelernt zu rechnen und bin sehr bescheiden. So versuche ich, ab und zu ein paar Euro zurückzulegen, um immer ein bisschen Luft nach oben zu haben. Denn ich will auf keinen Fall in eine 'Leben-auf-Pump-Spirale' geraten."
Die Gefühlslage der Alleinerziehenden ist dennoch gemischt: "Was die Zukunft betrifft, bin ich sowohl zuversichtlich, als auch angespannt. Aber ich bin auch zornig auf die Verantwortlichen. Das treibt mich an. Diese Wut tut gut. Daraus beziehe ich positive Energie: Ich engagiere mich nämlich jetzt bei einer politischen Partei und beim Roten Kreuz, um so soziale Schieflagen und Ungerechtigkeiten aktiv bekämpfen zu können, nicht nur in meinem Leben."
Erzürnt ist Susanne Schuster auch über das aktuelle BGH-Urteil: "Die Mütter von kleinen Kindern zu hundertprozentiger Erwerbsobliegenheit zu verpflichten, halte ich für absolut verantwortungslos, abgesehen davon, dass es organisatorisch gar durchführbar ist. Viel zu früh müssen die kleinen Kinder dann fremdbetreut werden und die alleinerziehenden Eltern werden so gezwungen einen großen Anteil ihrer Erziehung an andere abzugeben. Für mich ist diese Rechtsprechung eine Art Kindeswohlgefährdung und kontraproduktiv gegen Familien. Ich wünschte, dass die Verantwortlichen nur einmal für kurze Zeit mit uns tauschen. Sie würden dann anders entscheiden."
Alleinerziehend, Fall 1 Martina M. "Mit einem kleinen Kind ganztags zu arbeiten, ist eine Utopie"
02.11.2011, 15:58 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli
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