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Alleinerziehenden droht laut Studie immer öfter die Armut

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Bertelsmann-Studie  

Immer mehr Alleinerziehenden droht Armut wegen ausbleibendem Unterhalt

06.07.2016, 14:23 Uhr | dpa, AFP

Alleinerziehenden droht laut Studie immer öfter die Armut. Für Alleinerziehende sind die Zukunftsaussichten momentan oft düster. (Quelle: imago/Ralph Peters)

Für Alleinerziehende sind die Zukunftsaussichten momentan oft düster. (Quelle: Ralph Peters/imago)

Alleinerziehenden und ihren Kindern droht rund fünf Mal häufiger Armut als Kindern, die von beiden Elternteilen aufgezogen werden. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Politik und Verbände reagieren mit einem Strauß an Forderungen und Versprechungen.

Die Eltern von rund 2,3 Millionen Kindern in Deutschland sind alleinerziehend. Dabei sind mehr als ein Drittel aller Alleinerziehenden (37,6 Prozent) auf Hartz-IV-Leistungen für ihre Familien angewiesen.

Damit sind sie fünf Mal häufiger Empfänger als Familien mit zwei Elternteilen (7,3 Prozent). Kinderarmut sei damit in wesentlichem Maße auf die Armut von Alleinerziehenden zurückzuführen: Jedes zweite Kind mit Hartz-IV-Bezug lebt mit nur einem Elternteil.

 (Quelle: statista.com) (Quelle: statista.com)

Weitere interessante Grafiken finden Sie bei Statista.

"Unterhaltsvorschuss länger zahlen"

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) kündigte an, sich für Verbesserungen beim staatlichen Unterhaltsvorschuss einzusetzen. Alleinerziehende können ihn beantragen, wenn Unterhaltszahlungen des Partners ausbleiben. Das Kind darf aber nicht älter als zwölf Jahre sein. Er wird außerdem maximal sechs Jahre gewährt.

"Der Unterhaltsvorschuss muss von zwölf auf 14 (Jahre) angehoben werden", erklärte Schwesig. Auch müsse Unterhalt konsequenter eingefordert werden. Eltern dürften sich nicht drücken.

"Rückholquote verbessern"

Die Union signalisierte grundsätzlich Unterstützung. "Über mögliche Verbesserungen beim Unterhaltsvorschuss sollten wir genauso nachdenken wie darüber, wie die Rückholquote für den vom Jugendamt gezahlten Unterhaltsvorschuss von den unterhaltspflichtigen Vätern oder Müttern verbessert werden kann", erklärte die stellvertretende Vorsitzende der Union-Bundestagsfraktion, Nadine Schön (CDU).

"Vorschusssystem muss altersgerechten Bedarf decken"

Die Bertelsmann-Stiftung selbst forderte weitergehende Reformen. Das Vorschusssystem müsse die "altersgerechten Bedarfe" der Kinder im Alter von null bis 18 Jahren decken, außerdem solle das Kindergeld nur zur Hälfte auf den Vorschuss angerechnet werden. Die Stiftung mahnte zudem genauere Untersuchungen dazu an, warum nur jeder vierte Alleinerziehende Unterhaltszahlungen in der eigentlich vorgesehenen Höhe von seinem Partner erhalte.

"Flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten nötig"

Das Deutsche Kinderhilfswerk rief Bundesregierung und Bundestag dazu auf, Armut bei Alleinerziehenden und ihren Kindern vor allem durch Hilfen im Arbeitsmarktbereich zu bekämpfen. "Um hier Abhilfe zu schaffen, muss in erster Linie gewährleistet sein, dass Alleinerziehende sich und ihre Kinder durch eine Erwerbstätigkeit selbst ernähren können." Nötig seien etwa "ausreichende und flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten".

"Bedarf verlässlich und unbürokratisch absichern"

Die Grünen im Bundestag warfen der Bundesregierung Versagen vor. "Die Bundesregierung lässt die Alleinerziehenden im Regen stehen", erklärte deren sozialpolitischer Experte Wolfgang Strengmann-Kuhn. Nötig sei eine Grundsicherung, die den wirklichen Bedarf Alleinerziehender "verlässlich und unbürokratisch absichert". Die Familienförderung müsse zudem, endlich insgesamt "auf die Kinder statt auf die Ehe" ausgerichtet werden.

Fehlender Unterhalt lässt schnell in die Armut rutschen

"Hat man die Verantwortung für Erwerbsarbeit, Haushalt und Fürsorge und Erziehung der Kinder ganz alleine, ist es sehr schwierig, ein Einkommen zu erwirtschaften, das für die Familie reicht. Bleibt dann der Unterhalt aus, rutschen viele unter die Armutsgrenze", erläutert Studienautorin Antje Funcke.

Obwohl die Zahl der Alleinerziehenden seit Jahren steigt und mittlerweile jede fünfte Familie eine Ein-Eltern-Familie sei, gelinge es der Familienpolitik bislang nicht, Armut wirksam zu bekämpfen, heißt es in der Studie.

Mehr arme Alleinerziehende, weniger arme Paare

Im Gegenteil: Der Anteil der Alleinerziehenden, die als armutsgefährdet gelten, ist 2014 auf 42 Prozent angestiegen, 6,6 Prozentpunkte mehr als noch 2005. Entsprechend gängiger Armuts-Definitionen sind davon Familien betroffen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommen zur Verfügung haben. Nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung lag diese Schwelle 2014 für eine Alleinerziehende mit einem Kind unter 7 Jahren bei etwa 1150 Euro. Der Anteil armutsgefährdeter Paarfamilien dagegen ist um 11,7 Prozentpunkte zurückgegangen.

Experten raten zu Unterhaltsreform 

Die Studienautorinnen sehen vor allem Reformbedarf bei den Regelungen für den Kindesunterhalt. Die Hälfte aller Alleinerziehenden erhalte gar keinen, weitere 25 Prozent nur unregelmäßig oder zu wenig Geld vom unterhaltspflichtigem Elternteil. Der Staat springt dann über einen Vorschuss ein - allerdings nur sechs Jahre lang und nur für Kinder unter zwölf Jahren. "Das ist eine Regelung, die die Kinder überhaupt nicht im Blick hat", kritisierte Antje Funcke. Auch brauche es bessere Mechanismen, um die Ansprüche auf Unterhalt durchzusetzen.

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

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