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Ist Internetsucht eine Krankheit?

13.10.2008, 14:12 Uhr | Thomas Feibel

. Kinder am PC.

Kinder am PC (Bild: T-Online)

Das Internet ist zweifellos ein großer Gewinn für die Menschen weltweit. Wer einen Zugang hat, greift auf eine Fülle von Möglichkeiten zurück. Und doch gibt es viele Menschen, darunter auch Jugendliche, die dem World Wide Web wie dem Glückspiel oder dem Alkoholismus verfallen sind. Studien belegen: Vor allem Jugendliche, die noch nicht sehr gefestigt sind, scheinen besonders gefährdet. Nun wird der Ruf laut, auch in Deutschland die Internetsucht als Krankheitsbild anzuerkennen und standardisierte Diagnoseverfahren zu entwickeln.

Ist denn Internetsucht tatsächlich so ein großes Problem?

Das Thema Internetsucht ist ein sehr ernstes und ernst zu nehmendes Thema. Auch wenn es eigentlich schon zehn Jahre alt und kein neues Phänomen ist. Der Fachbegriff lautet "Internet Addiction Disorder", was sich grob mit Internetabhängigkeits-Fehlfunktion übersetzen ließe. Diese Krankheit gibt es weltweit. Die New York Times mutmaßt die Zahl der Internetsüchtigen auf 13-14 Millionen. Allein in China, so Schätzungen, sollen 2,5 Millionen Menschen internetsüchtig sein. Und nach einem Bericht im Wochenmagazin Die Zeit gibt es bereits in Deutschland etwa eine Million. Nach den unterschiedlichen Studien scheinen Männer anfälliger zu sein. Und darunter besonders die Jugendlichen.

Woran erkenne ich die Sucht und was sind ihre Folgen?

Sucht ist immer dann zu erkennen, wenn eine Sache immer mehr Raum im Leben eines Menschen einnimmt. Plötzlich ist das Internet wichtiger alles andere. Zum Beispiel, wenn jemand gar keine Zeit mehr hat, weil er entweder bei eBay unbedingt mitsteigern muss oder wichtige Aufgaben in Spielen wie World Of Warcraft warten. Echte Freundschaften bleiben auf der Strecke. Die Süchtigen begeben sich immer stärker in die Isolation. Mitunter mit katastrophalen Folgen. Denn manche vergessen zu essen oder nehmen Aufputschmittel, um ja nichts zu verpassen. In Asien gibt es bereits zwei Fälle, in denen die Spieler zweier Onlinespiele vor Erschöpfung gestorben sind. In China führte das dazu, dass über Gesetze nachgedacht wird, die Onlinezeit zu regulieren.

Der Kommunikationspsychologe Wolfgang Frindte fordert, Internetsucht als Krankheitsbild anzuerkennen. Wird denn in Deutschland nichts getan?

Das lässt sich so nicht sagen. In Deutschland gibt es sehr viele hervorragende Kliniken, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und sich um Heilung der Patienten bemühen. Es geht Wolfgang Frindte wohl um etwas anderes: zum einen um eine gesellschaftliche Anerkennung des Problems, zum anderen sind die Kriterien der Internetsucht sehr schwammig und wenig eindeutig. Viele Ärzte sind auf diese Form von Mediensucht nicht eingestellt. Ein standardisiertes Diagnoseverfahren mit einem verlässlichen Kriterienkatalog, wie es Frindte fordert, würde vor allem Ärzten  bei der Diagnose helfen, die mit der Materie nicht vertraut sind.   

Was wären das für Kriterien?

Es gibt einen Fragenkatalog, der bereits eingesetzt wird. Darin wird zum Beispiel abgefragt, ob es einen inneren Zwang gibt, sich im Web einzuloggen, ob Schuldgefühle auftreten, wenn die Person nicht online ist und im sozialen Bereich der Umgang mit anderen immer schlechter wird. Zur Zeit wird zwischen gefährdetem Stadium, kritischem Stadium und chronischem Stadium unterschieden.

Ist ein standardisiertes Diagnoseverfahren hilfreich?

Gerade bei Psychologen ist das umstritten. Bei einem Kardiologen gibt es ein Diagnoseverfahren, um zum Beispiel einen Herzanfall zu erkennen. Sicher hilft es dem Arzt, der sich nicht so gut auskennt. Aber es hat auch etwas von jener Hotline-Mentalität, wenn etwa der Computer kaputt ist. Erst kommen die Standardfragen von ahnungslosen Studenten. Und erst, wenn es darauf keine Standard-Antwort gibt, wird man mit dem Fachmann verbunden.

Was können Eltern tun, wenn sie feststellen, dass ihr Kind onlinesüchtig ist?

Da hilft nur der Besuch beim Psychologen. Doch vorher sollten sich Eltern genau informieren, denn viele Psychologen haben zu diesem Thema keine Vorkenntnisse. Im Internet gibt es jedoch über einschlägige Webseiten zum Thema Internetsucht viele Ratschläge, Informationen und Empfehlungen.

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