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Sexuelle Übergriffe im Internet: Eltern sind häufig ahnungslos

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Sexuelle Übergriffe im Netz: Eltern ahnungslos

13.10.2008, 14:59 Uhr | pte.de

Sexuelle Übergriffe im Internet: Eltern sind häufig ahnungslos. Mutter und Tochter surfen gemeinsam im Internet.

Mutter und Tochter surfen gemeinsam im Internet. (Bild: T-Online)

Eltern schätzen die für ihre Kinder bestehende Gefahr von sexuellen Übergriffen aus dem Internet falsch ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung einer Forschergruppe der US-amerikanischen Universität New Hampshire in Durham. Demnach geben sich entgegen der weit verbreiteten Meinung nur etwa fünf Prozent der Pädophilen im Rahmen der geführten Online-Kommunikation als Teenager aus, um Kontakte zu Jugendlichen aufzubauen. Die große Mehrheit stellt sich hingegen als erwachsene Person vor und spricht zudem recht unverhohlen über sexuelle Themen.

Mangelndes Gefahrenbewusstsein

Hauptursache für die zunehmende Gefahr in Bezug auf sexuelle Übergriffe aus dem Internet ist nach Meinung der Forscher vielmehr das mangelnde Gefahrenbewusstsein der Eltern und der daraus resultierende sorglose und risikofreudige Umgang ihrer Kinder mit neuen Online-Bekanntschaften. Diese seien sich der im Internet lauernden Gefahren nicht bewusst und gingen viel zu unkritisch mit in Foren, Communities und Chat-Rooms gemachten Bekanntschaften um. Die betroffenen Teenager, die Mehrzahl davon Mädchen, würden häufig einfach glauben, dass sich ihre neu gewonnenen Online-Freunde in sie verliebt hätten oder es sich um einen ganz normalen Flirt handle, stellen die Forscher fest.

Kinder häufig sich selbst überlassen

"Die Gefahr von sexuellen Übergriffen, die im Internet auf Kinder und Jugendliche lauert, ist sehr groß", erklärt Matthias Gillner vom Kinderschutzzentrum Berlin. Größtes Problem in diesem Zusammenhang sei das Fehlen der nötigen Sensibilität der Eltern gegenüber derartigen Themen. "Es findet zu wenig inhaltliche Auseinandersetzung mit dieser Problematik innerhalb der Familien statt. Auch wird oft das Fachwissen, das Erwachsene in punkto Internet aufweisen, nicht ausreichend an die Kinder weitergegeben", meint Gillner. Erschwerend hinzu komme weiters die Tatsache, dass ein Großteil der Minderjährigen in ihrem Online-Verhalten sich selbst überlassen bleibe. "Das Internet ist in der Regel ein Ort, wo Kinder und Jugendliche sich ohne die Aufsicht von Eltern bewegen", stellt Gillner fest. Auch von Seiten der Internetindustrie werde nicht genügend getan, um den Schutz jüngerer Nutzer zu gewährleisten. "Mir sind nur wenige entsprechende Seiten bekannt, wo Kinder sich vor einer Anmeldung ausweisen müssen", kritisiert Gillner.

Eltern tragen die Verantwortung

"Die Wahrnehmung in Bezug auf derartige Gefahren im Internet beginnt aber langsam auch in Deutschland stärker zu werden", schildert Gillner und verweist auf einen aktuell laufenden Werbespot im deutschen TV, der genau diese Problematik thematisiert. Nach Meinung des Kinderschutzexperten nütze es nichts, wenn allein offizielle Stellen versuchen, Kinder und Jugendliche vor sexuellen Übergriffen im Netz zu schützen. "Hier sind vor allem die Eltern gefragt. Sie müssen durch forcierte Informationsarbeit besser über die im Hintergrund liegenden Gefahren aufgeklärt werden", fordert Gillner. Die Ausrede, dass der älteren Generation noch der Bezug zum relativ neuen Medium Internet fehle, lässt Gillner aber nicht gelten. "Viele der Kinder, die mit dem Internet aufgewachsen sind, sind inzwischen bereits selbst Eltern", erläutert Gillner.

Neues Gesetz wirklich sinnvoll?

Erst kürzlich hat die britische Medienaufsichtsbehörde in einem eigenen Bericht darauf hingewiesen, dass Millionen von Kindern sich auf Social-Networking-Seiten tummeln würden, deren Inhalte oft eigentlich nur für Erwachsene bestimmt sind. Nun plant das für öffentliche Sicherheitsbelange zuständige Home Office sich dieser Problematik in Großbritannien durch ein neues Gesetz anzunehmen, das verurteilten Sexualstraftätern generell den Zugang zu Community-Portalen im Internet verwehren soll. "Theoretisch ist das sicher ein guter Ansatz, die praktische Umsetzung könnte aber schwierig werden. Zudem glaube ich nicht, dass eine solche Regelung künftige Übergriffsversuche verhindern können wird", so Gillner abschließend.

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