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Pubertät: Zwischen kindlich und cool

09.10.2009, 14:03 Uhr

Auch die schönste Kindheit ist irgendwann zu Ende. Manche Kinder machen sich schon mit neun Jahren auf den Weg ins Erwachsenenleben. Auch wenn es die Eltern noch so sehr schmerzt, dass ihr Küken langsam flügge wird - die Pubertät lässt sich weder durch geschenkte Puppen noch durch strenge Regeln aufhalten. "Die körperlichen und psychischen Veränderungen im Jugendalter werden durch hormonelle Abläufe eingeläutet. Eltern können das nicht beeinflussen", sagt Sybille Herold, Autorin von "300 Fragen zur Pubertät". Es hilft also nichts: Die ganze Familie muss sich der Pubertät stellen.

Sprechverhalten"Voll krass, Alter!" - Jugendsprache am Esstisch
ErziehungKinder auf auffällige Kleidung ansprechen

Die Eltern-Kind-Beziehung muss stimmen

Erziehungsberaterin Claudia König hebt als solide Basis für diesen oft nervenaufreibenden Entwicklungsschritt die Eltern-Kind-Beziehung besonders hervor. "Mit der Pflege dieser Verbindung sollte man bereits lange vor der Pubertät beginnen. Eine gleichwertige, gewaltfreie Kommunikation mit Kindern und Problemlösekompetenz in Konflikten von Seiten der Eltern prägen eine positive Familienatmosphäre und helfen durch die schwierige Umbruchzeit im Jugendalter", sagt König. Dafür sollen sich Eltern fit machen und sich gegebenenfalls kompetente Unterstützung holen.

Manche Streitthemen lassen sich vermeiden

Denn wenn die Pubertät erst einmal da ist, kommt es meist zu regelmäßigen Auseinandersetzungen zwischen den Jugendlichen und ihren Eltern. Streitthemen wie Kleidung, Ausgehen oder Zimmer aufräumen können den Familienfrieden beständig stören. "Es gehört zur Pubertät dazu, dass die Jugendlichen ihre Grenzen austesten. Dabei lernen sie, für ihre Meinung einzustehen und Kompromisse zu finden", erklärt Sybille Herold. Eltern sollten jedoch darauf achten, dass die Streitigkeiten nicht überhand nehmen. "Wenn über alles diskutiert wird, haben die Jugendlichen das Gefühl, nur noch gegängelt zu werden. Das führt zu Frust und schlechter Stimmung", warnt Sybille Herold. Bevor das Zuhause zum Kriegsschauplatz ausartet, sollte man sich also überlegen, welche Prioritäten man setzen möchte. Ist beispielsweise die Unordnung im Jugendzimmer ein dauerndes Reizthema, stellt sich die Frage, ob man seine Forderungen auf ein Minimum herunterfahren könnte.

Die Familie sollte nicht zu kurz kommen

Im Leben eines Pubertierenden nimmt die eigene Familie meist eine eher untergeordnete Rolle ein. "Der Freundeskreis ist in diesem Alter besonders wichtig und interessant. An Familienunternehmungen teilzunehmen, scheint den Jugendlichen dagegen langweilig", sagt Sybille Herold. Eltern sollten jedoch trotzdem darauf achten, in regelmäßigen Abständen schöne Familienmomente zu schaffen. "Man sollte den Kindern klar machen, dass man selbst auch Bedürfnisse hat. Für Taschengeld, Wäschewaschen und Kochen kann man schließlich auch ein bisschen Familienzeit einfordern", sagt Sybille Herold. Gleichzeitig sei es jedoch wichtig, auch Verständnis für die neuen Interessen der Jugendlichen aufzubringen und den wöchentlichen Spieleabend nicht auf die Haupt-Ausgehzeiten Freitag oder Samstag zulegen.

Zurück zu Mama und Papa

Es kommt häufig vor, dass Kinder, die bereits ausgezogen waren, wieder zuhause einziehen. Entweder, weil das Studium beendet ist und man keine Stelle finden konnte, weil die Beziehung in die Brüche ging oder man keine Arbeit mehr hat. Eine solche Situation birgt oft deutlich mehr Zündstoff. Denn nicht nur die Kinder sind es bis dato gewohnt gewesen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und wollen sich jetzt nicht mehr bevormunden lassen. Auch die Eltern haben inzwischen ihren Rhythmus gefunden und sind oft nicht gewillt, alles für den zurückgekehrten Nachwuchs aufzugeben und wieder in ihre alten Rollen zu fallen. Eine solche Situation sollte immer nur eine Zwischenlösung sein, bei der sich vorübergehend beide Seiten ein wenig zurücknehmen.

Bei den eigenen Eltern zu Gast

Aber auch Feiertage und andere Anlässe für längere Besuche bringen oft Probleme mit sich. Man fällt, obwohl längst erwachsen, schnell wieder in die Rolle des Kindes zurück, lässt sich bedienen und verwöhnen, will aber auf keinen Fall bevormundet werden. Auch die Eltern übernehmen oft ihren alten Part der Erzieher. Sie wollen wissen, wo man hingeht, wann man heimkommt und wieso man schon wieder keine Hausschuhe anhat, obwohl doch der Fliesenboden so kalt ist.

Verwöhnen und verwöhnen lassen

Auch wenn das Verhältnis gerade bei Besuchen oft ein bisschen zwiespältig ist - schließlich ist man hier zuhause und ist es doch nicht mehr - so kann ein Besuch bei den Eltern etwas sehr Schönes sein. Die Eltern dürfen verwöhnen und die Kinder dürfen sich verwöhnen lassen. Und mal wieder das Gefühl haben, dass einem unter dem Schutz dieser Menschen so schnell nichts passieren kann! Für ein paar Tage im Jahr ist das für beide Seiten durchaus in Ordnung.



(Quelle: ddp)


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