Taschengeld
Taschengeld: Kinder schon früh an den Umgang mit Geld gewöhnen02.01.2013, 11:08 Uhr | sca, dpa, ddp
Wie viel Taschengeld ist für Kinder angemessen? (Quelle: Archiv)
Manche Kinder kennen im Umgang mit Geld kein Maß. Teure Spielsachen werfen sie achtlos in die Ecke und der Markenpulli aus der Frühjahrskollektion ist ihnen schon im Sommer zu "uncool". Eltern sollten ihren Kindern daher schon früh die Verantwortung für bestimmte Geldbeträge überlassen. "Sobald ein Kind rechnen kann, sollte man ihm auch zutrauen, mit Geld umzugehen", sagt Erziehungsberaterin Claudia König aus dem hessischen Weyhers. Wir haben die wichtigsten Fakten rund ums Taschengeld zusammengestellt und unsere User gefragt, wie sie das Thema Taschengeld handhaben.
Kindermüssen früh den Umgang mit Geld üben. Im Hinblick auf die Finanzen im späteren Leben kann der Umgang mit Taschengeld eine wichtige Lernlektion für Kinder sein. Sie lernen, was teuer und billig ist, machen die Erfahrung, dass Geld schnell ausgegeben sein kann, wenn man es sich nicht einteilt und lernt Entscheidungen zu treffen: Ist eine Anschaffung sinnvoll und nötig oder nicht? Wie wichtig dieser verantwortungsvolle Umgang ist, belegen Zahlen: Zehn Prozent aller 20- bis24-Jährigen, die in Deutschland leben, haben Verschuldungsprobleme. Frühes Taschengeld "garantiert zwar nicht, dass sie als Jugendliche nicht auch mal Fehler machen, aber die Anfälligkeit dafür sinkt durch den rechtzeitigen Umgang mit frei verfügbarem Geldenorm“, sagt Jörg Lampmann, Leiter einer Erziehungsberatungsstelle in Hamburg im Gespräch mit welt.de. Der Übungseffekt tritt aber nur ein, wenn Eltern wichtige Regeln einhalten.
Ältere Kindergartenkinder ab vier oder fünf Jahren sollten circa 50 Cent Taschengeld erhalten, mit dem sie zum Beispiel Süßes, ein Eis im Sommer oderkleine Spielsachen finanzieren. Die Beträge sollten dann langsam steigen. Bei der Einschulung sollten es dann bereits 1,50Euro bis zwei Euro pro Woche sein. Mit zehn Jahren empfehlen Experten einen monatlichen Betrag von etwa 12,50 Eurofestzulegen. Bei Jugendlichen kann man "beispielsweise eine bestimmte Summe im Monat in eine Dose stecken, von der es sich Hosen und Pullover kaufen darf. Im Geschäft kann das Kind dann frei entscheiden: Möchte ich lieber zwei günstige Hosen oder einen etwas teureren Pullover kaufen?", verdeutlicht König. Man müsse dann allerdings auch damit umgehen können, dass das Kind einen Winter lang in der Sommerjacke herumläuft, weil es sich im Herbst lieber eine Markenjeans leisten wollte. Die deutschen Jugendämter empfehlen folgende Beträge:
Alter | Taschengeld |
4 - 5 Jahre | 50 Cent wöchentlich |
6 - 7 Jahre | 1,50 bis 2 Euro wöchentlich |
8 - 9 Jahre | 2 bis 2,50 Euro wöchentlich |
10 -11 Jahre | 13 bis 15 Euro monatlich |
12 -13 Jahre | 18 bis 20 Euro monatlich |
14 -15 Jahre | 23 bis 26 Euro monatlich |
16 -17 Jahre | 32 bis 42 Euro monatlich |
18 Jahre | 62 Euro monatlich |
Viele Jugendliche und junge Menschen sind ohne die Hilfe ratlos. Abhilfe schafft nun eine neue Bildungsinitiative.
Die Elternredaktion von t-online.de hat nun bei Eltern nachgefragt: Gut 26.000 User haben abgestimmt und mitgeteilt, ab welchem Alter ihre Kinder Taschengeld bekommen haben beziehungsweise bekommen würden.37,2 Prozent würden Taschengeld erst ab sechs oder sieben Jahren geben. Damit widerspricht ein Großteil der User dem Vorschlag der Jugendämter, bereits ab einem Alter von vier bis fünf Jahren Taschengeld in geringer Menge zu geben. Für Taschengeld in diesem Alter sind nur 10,6 Prozent. 18,5 Prozent der User sind für Taschengeld ab einem Alter von acht oder neun Jahren und 20,6 Prozent sind der Meinung, dass es Taschengeld erst ab dem zehnten Lebensjahr geben sollte. Mit 3414 Stimmen (13,1 Prozent) ist auch der Anteil derjenigen überraschend hoch, deren Kinder gar kein Taschengeld bekommen.
Unabhängig von der Höhe des Taschengeldes ist es wichtig, dass klare Regeln zum Verwendungszweck des Taschengelds vereinbart werden. "Man kann beispielsweise verabreden, dass man dem Kind Schulsachen wie Stifte und Blöcke kauft, dass es sie aber selbst ersetzen muss, wenn es sie verliert", schlägt König vor. Bei der Bemessung des Taschengelds sollte man ein bisschen großzügig sein. "Kosten die Klebebildchen, die ein Kind sich wöchentlich kauft, einen Euro, sollte man fünfzig Cent mehr geben. So haben die Kinder etwas Spielraum und können auch mal für größere Wünsche sparen", sagt König.
Für den Lerneffekt ist aber auch wichtig, dass Eltern immer an die Auszahlung des Taschengelds denken, ohne erinnert zu werden. Auch sollten die Kinder das Taschengeld pünktlich bekommen und zwar unabhängig davon, ob sie lieb oder böse waren, ob sie gute oder schlechte Noten in der Schule geschrieben haben und auch unabhängig von derSorgfalt, mit der die Hausaufgabenerledigt wurden. Taschengeld ist keine Belohnung und auch keine Bestrafung.
Ist das Taschengeld einmalverteilt, sollten Eltern sich zurücknehmen. "Wenn das Kind das Geld zu Hause vergessen hat oder schon ausgegeben hat, sollte man ihm nicht 'ausnahmsweise' wieder etwas finanzieren. Nur so lernt es auf Dauer, die Verantwortung für seine Ausgaben zu übernehmen", sagt Claudia König.
Das Projekt "Money und Kids"(MOKI), das mit Kindern an nordrhein-westfälische Schulen arbeitet, hat sich zum Ziel gesetzt, die Finanzkompetenz von Kindern zu stärken. "Man muss bei den Kindern Interesse für das Thema Geld wecken“, sagt Dr. Kirsten Schlegel-Matthies, Professorin an der Universität Paderborn. Im Supermarktsollen Kinder zum Beispiellernen, Preise zu vergleichen oder sie suchen zu Hause nach Sparpotentialen, wie unnötigem Stand-by-Betrieb von Fernseher und Stereo-Anlage. „Die Kinder sollen eine Vorstellung davon bekommen, welche Einnahmen realistisch sind, wo man sparen kann und was die Dinge kosten“, sagt die Wissenschaftlerin.
Besonders wichtig, um den Umgang mit Geld zu lernen, ist, was vielen Eltern schwer fällt: Offen über die Einnahmen- und Ausgabenseite des Haushaltes zusprechen. Um ein Gespür für Ein- und Ausgaben zu bekommen, sollten Eltern ihre Kinder mit zum Einkaufen nehmen, sie einbeziehen, wenn größere Anschaffungen in der Familie geplant sind und auch aus der Höhe ihres Gehaltes kein Geheimnismachen. „Es wird zu wenig über Geld gesprochen, die meisten Kinder wissen nicht, was ihre Eltern verdienen“, hat Schlegel-Matthies festgestellt.
Ab acht Jahren sollten Kinder zusätzlich zum Taschengeld auch ein Sparbuchbekommen. So machen Sie erste Erfahrungen mit indirekten Geldformen und Zinsen. Größere Geldbeträge sollten stets auf dem Sparbucheingezahlt werden. Es ist auch eine erste Einführung in die Buchführung. Mit 14 bis 16Jahren ist dann auch ein Jugend-Girokonto sinnvoll. Vor Verschuldung brauchen Eltern in dem Fall keine Angst zu haben, denn ein Dispo-Kredit darf Minderjährigen nicht ohne weiteres eingeräumt werden.
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