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Kinder leiden unter trügerischer Harmonie

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Kinder leiden unter trügerischer Harmonie

13.10.2008, 18:16 Uhr | spiegel.de; ruf

Für Kinder, sagt Kreppner, ist der neue Freund der Mutter mitunter eine enorme Bedrohung. Besonders dann, wenn das neue Paar eigenen Nachwuchs bekommt, werden die vorhandenen Kinder häufig an den Rand gedrängt. Manche Evolutionsbiologen behaupten sogar, der neue Mann wolle die Kinder oft regelrecht wegbeißen. Für die ist mitunter allein das Gefühl bedrückend genug, dass nach Jahren plötzlich jemand kommt, der sie aus ihrer etablierten Rolle als Beschützer drängt, sie sozusagen vom Sockel stürzt. "Eine Art griechische Tragödie", nennt Kreppner das. In der Familie mit der Klobürste sind die Kinder schließlich zum geschiedenen Vater geflohen. "Wenn wir uns heute die Video-Aufnahmen anschauen, so sind sie bei ihm viel entspannter", sagt der Psychologe. "Es war eine gute Entscheidung."

Patchwork-Familien sind problematisch

"Dann geh ich halt zu Papa!" In vielen Scheidungsfamilien ist das ein geflügelter Satz während der Pubertät eines Kindes. Wer jedoch zwischen den Eltern hin und her pendelt und sich dort aufhält, wo er oder sie gerade die größten Freiheiten hat, kann so auch allen Konflikten ausweichen. Deshalb ist Kreppner auch kein Freund von Patchwork-Familien: "Oft geht es da unverbindlicher zu, und es gibt nicht so viel Konfliktstoff. Das fehlt den Kindern." Außerdem sei es für viele Teenager großer Stress, sich mit neuen Halbgeschwistern anfreunden zu müssen. Auf die und deren Eigenarten treffen sie von einem Tag auf den anderen, statt sich, wie in Normalfamilien, langsam aneinander gewöhnen zu können "Stellen Sie sich vor, Sie kommen auf eine Tagung und es ist kein Einzelzimmer mehr frei: Sie können nur noch mit einem anderen Teilnehmer auf ein Doppelzimmer", erklärt Kreppner. "So ähnlich geht es Patchwork-Kindern." Aber schult das nicht ungemein fürs Leben? Sich auf verschiedene Familienkulturen einstellen: bei Mama der Große sein, bei Papa eine Bande neuer Geschwister bekommen? Sich durchsetzen? Ja doch, sagt der Forscher, es gebe gelungene Patchwork-Pubertäten. Aber nur wenn allen Beteiligten bewusst sei, dass man nicht in einer Normalfamilie lebe. Dass man sich immer wieder zusammenraufen müsse: "Das kann Kinder stark machen."

Großeltern spielen im Scheidungschaos eine wichtige Rolle

Der Preis dafür sei allerdings hoch, besagt die Max-Planck-Studie: Oft sind die Schulnoten deutlich schlechter, weil die Kinder viel Energie brauchen, ihre Beziehungen zu regulieren; sie müssen ständig klären, wer zum inneren Kreis der Familie gehört und wer welche Stellung innehat. Am besten gelinge das Leben in einer Patchwork-Familie, wenn die Kinder allmählich in eine solche Situation hineinwüchsen, hat der Psychologe beobachtet. Sollten also Eltern, die an Trennung denken, möglichst bald auseinandergehen - solange die Kinder noch klein sind? So weit will Kreppner dann doch nicht gehen. Aber wenn schon Scheidung, so sollten die Eltern doch zumindest versuchen, in Erziehungsfragen auch nach der Trennung eine gemeinsame Elternrolle aufrechtzuerhalten. Und sehr hilfreich sei bei allem Nach-Scheidungschaos eine verlässliche Bezugsperson. In der Berliner Studie zeigte sich: Wenn Scheidungskinder eine Großmutter oder einen Großvater als ständig verfügbare Bezugsperson hatten, kamen auch sie vergleichsweise gut durch die Pubertät. "Großeltern spielen in solchen Zeiten eine ungemein wichtige Rolle", sagt der Forscher.

Kreppner ist selbst Großvater

Eine Erfahrung, die er seit einiger Zeit auch persönlich macht. Noch hat Kreppner ein Büro im Max-Planck-Institut, wo seine Forschungsfilme derzeit digitalisiert werden. Aber schon seit 2004 ist er im Ruhestand, nimmt zwar noch an Tagungen teil, ist im Hauptberuf jedoch Großvater. Und damit ein wichtiger "care-taker", wie es im Wissenschaftler-Jargon heißt. Und deshalb hat Kurt Kreppner jetzt auch genug erzählt. "Sie entschuldigen mich bitte", sagt er höflich, "aber Freitag ist bei uns Enkel-Tag."

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